Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Der Jazz bleibt Meister
Hannover Aus der Stadt Der Jazz bleibt Meister
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:50 21.05.2009
Von Stefanie Kaune
„enercity swinging Hannover“: 35.000 feierten zu Jazzmusik auf dem Trammplatz. Quelle: martin steiner
Anzeige

Die drei großen Logos des Jazz Clubs, die am Himmelfahrtstag am Balkon des ehrwürdigen Hauses prangten, zeigten da eine gewisse Symbolik: Wir haben es hier herauf geschafft, Hannover ist beim Jazz ganz oben dabei. Und unten jubelte ein voller Trammplatz, als wenn es einen Fußballmeister zu feiern gäbe. Wie jedes Jahr zu Himmelfahrt.

35.000 Musikfreunde feierten am Donnerstag beim großen Jazzfamilientreffen sechs Stunden lang unter freiem Himmel das Vermächtnis des 2004 verstorbenen Mike Gehrke, das sind noch einmal 5000 mehr als im vergangenen Jahr. Sie sahen und hörten wie immer internationale Jazzgrößen: Den auch mit bald 72 Jahren noch immer unermüdlichen Schlagzeuger Charly Antolini, das mit zehn Grammys dekorierte Vokalsextett Take 6, die in Sambia geborene und inzwischen in Deutschland lebende Sängerin Bwalya, Paddy Milner sowie Earl Thomas, der am Ende, gegen 17 Uhr, auf das Mikro verzichtete und so das Publikum sanft aus dem Jazztag hinausgeleitete. Und nicht zu vergessen: die hannoverschen Helden wie Saxophonist Stephan Abel – der am Donnerstag Geburtstag hatte –, Percussionist Nené Vásquez und natürlich Bigbandleiter Lothar Krist, zugleich Moderator des Tages.

Anzeige

Zum mittlerweile 38. Mal hieß es Donnerstag vorm Rathaus „Swinging Hannover“, zum fünften Mal waren die Stadtwerke enercity als Sponsor dabei. Seitdem muss kein Hut mehr unter den Zuschauern herumgehen, wie es so lange üblich war. „Für so etwas zahlt man doch gern seine Stromrechnung“, meinte Oberbürgermeister Stephan Weil. Stadtwerke-Chef Michael Feist, der mit dem Jazz-Club-Vorsitzenden Bernd Strauch zusammen das Festival eröffnet hatte, wird es gefreut haben.

Doch auch das swingende, klatschende und mit den Fingern schnipsende Publikum, das sich bis auf den Friedrichswall verteilte, sah das augenscheinlich so. Strauch und Vorstandskollege Uwe Thedsen liefen mit strahlenden Gesichtern umher – auch weil das Wetter sich so schön gehalten hatte. Kurz vor Beginn um 11 Uhr hatte Thedsen noch sorgenvoll den Wetterbericht zitiert, später wurden die vorsorglich mitgebrachten und nur für wenige Minuten am Vormittag aufgespannten Regenschirme von den Zuschauern zum Teil als Sonnenschutz genutzt. Die ersten waren schon gegen 9 Uhr gekommen, um ganz vorn die Klappstühle aufzubauen. Harry und Helga Reuter gehörten dazu. Seit Jahrzehnten sind die Döhrener Himmelfahrt beim Jazz, Tochter Maren Hodde, heute 40, ist als Vierjährige zum ersten Mal mitgekommen und seitdem bis auf eine Ausnahme stets dabei gewesen. Sie hatte am Donnerstag auch schon wieder ihre beiden Kinder mitgebracht.

Hannovers Jazzfestival verbindet eben die Generationen und verbrüdert die Menschen. „Alles ruhig hier“, sagte zufrieden Oberkommissar Harms Klöver. Er, drei weitere Kollegen und ein Bulli waren Donnerstag im Einsatz, mehr braucht es nicht an so einem Tag. Jazzfans sind friedliche Menschen, wo Gospels gesungen werden, kann nicht viel passieren. Und auch Take 6 verbreitete neben eindrucksvollem Vocaljazz am Nachmittag noch eine kleine Himmelfahrtspredigt für alle, die morgens nicht in der Kirche waren. „Gott liebt euch“, rief da einer der sechs stimmgewaltigen Herren. Wie auch immer – auf jeden Fall liebt Hannover seinen Himmelfahrtsjazz.

Gunnar Menkens 21.05.2009
Aus der Stadt Großburgwedel und Neustadt - Gärten ergänzen Angebot
Veronika Thomas 21.05.2009