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Aus der Stadt „Das geht alles zu schnell“
Hannover Aus der Stadt „Das geht alles zu schnell“
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00:22 09.11.2014
Von Mathias Klein
Das Medizinkonzept sieht unter anderem die Schließung des Springer Krankenhauses und die anschließende 
Umwandlung in eine Praxisklinik vor.
Das Medizinkonzept sieht unter anderem die Schließung des Springer Krankenhauses und die anschließende 
Umwandlung in eine Praxisklinik vor. Quelle: Archiv
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Hannover

Das umstrittene Medizinkonzept 2020 des Klinikums Region Hannover (KRH) droht in der Sitzung des Aufsichtsrats am kommenden Mittwoch durchzufallen. Nach Informationen der HAZ wollen mindestens zwei Vertreter der CDU und zehn Vertreter der Arbeitnehmerseite die Pläne der Geschäftsführung ablehnen. Damit hätte das Konzept vorerst keine Mehrheit. Der Aufsichtsrat hat 20 Mitglieder. Arbeitnehmer und Gesellschafter, also die Region, entsenden jeweils zehn Vertreter.

„Es gibt noch viele offene Fragen, die bisher von der Geschäftsführung des Klinikums nicht beantwortet worden sind“, sagt Michael Aschenbach von ver.di, der auch im Aufsichtsrat sitzt. Dabei gehe es unter anderem um die Absicherung der Beschäftigten, wenn in Kliniken einzelne Abteilungen und das Krankenhaus Springe geschlossen werden, erläutert Aschenbach. „Solange das nicht geklärt ist, können wir das nicht abschließend bewerten.“

CDU-Regionsfraktionschef Bernward Schlossarek, ebenfalls Mitglied im Aufsichtsrat, beruft sich auf einen Beschluss seiner Partei, der die Schließung einzelner Krankenhäuser des Klinikums kategorisch ablehnt. Mit diesem Versprechen hatte auch der CDU-Regionspräsidentenkandidat Axel Brockmann für seine Wahl geworben. Auch die CDU-Landtagsabgeordnete Gabriela Kohlenberg hat ihre Ablehnung im Aufsichtsrat angekündigt: „Ich habe immer zum Springer Krankenhaus gehalten und werde es auch weiterhin tun“, sagt sie. Kohlenberg ist gelernte Krankenschwester und hat früher im Gehrdener Krankenhaus gearbeitet. Wie sich der dritte CDU-Vertreter in dem Gremium, Klinikexperte Manfred Benkler, bei der Abstimmung verhält, ist unklar.

Das Medizinkonzept sieht unter anderem die Schließung des Springer Krankenhauses und die anschließende 
Umwandlung in eine Praxisklinik vor. Außerdem sollen die Stationen für Geburtshilfe und Gynäkologie am Nordstadtkrankenhaus und in Großburgwedel geschlossen werden.

Gewerkschaftssekretär Aschenbach hat allerdings eine spätere Zustimmung zum Medizinkonzept keineswegs ausgeschlossen. Er schlägt unter anderem eine Verjüngung der Belegschaft vor. „Wenn man den älteren Mitarbeitern gute Angebote macht, könnte das eine intelligente Lösung sein“, meint der Gewerkschaftssektretär.

Die Geschäftsführung des Klinikums und der Aufsichtsratschef, Regionspräsident Hauke Jagau, setzen darauf, dass nach einer Zustimmung des Aufsichtsrates die Regionsversammlung noch im Dezember über das neue Konzept entscheiden kann.

„Das geht alles zu schnell“, heißt es dagegen hinter vorgehaltener Hand aus den Reihen der Koalition. Wenn es mit der Entwicklung des Regionsklinikums so weitergehe, unterscheide das Unternehmen in der Hand der Region nichts mehr von Krankenhäusern privater Betreiber, sagt ein Mitglied der Regionsversammlung, das seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Es müsse jetzt in der Politik eine Debatte darüber geführt werden, ob und wie sich das Regionsklinikum von den Krankenhäusern privater Betreiber abgrenzen wolle, heißt es.

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