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Aus der Stadt Lebenslänglich für Mord an Walburgis G.
Hannover Aus der Stadt Lebenslänglich für Mord an Walburgis G.
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00:15 23.08.2013
Von Michael Zgoll
Für den Mord an einer Rentnerin in Hannover hat das Landgericht einen 45-Jährigen am Dienstag zu lebenslanger Haft verurteilt. Quelle: Frank Wilde
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Hannover

„Es kann keinen Zweifel geben, dass Sie der Täter sind“, sagte der Vorsitzende Richter Wolfgang Rosenbusch mit Blick auf den gebürtigen Libanesen. Der 45-Jährige hatte unmittelbar nach seiner Festnahme Mitte Februar bei der Polizei ein umfassendes Geständnis abgelegt, sich im Prozess aber nicht zu der Tat geäußert.

Am ersten von nur zwei Verhandlungstagen war der Angeklagte mit ungewöhnlichen Eskapaden aufgefallen: Die meiste Zeit kauerte er tief hinter der Anklagebank, stellte sich irgendwann schlafend und täuschte einen Ohnmachtsanfall vor. Am Dienstag saß er stumm und reglos an seinem Platz. „Sie haben zum Ausdruck gebracht, dass Sie sich schämen“, sagte Richter Rosenbusch zu C. Doch am eindeutigen Urteil änderte das nichts.

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Nach Überzeugung des Gerichts hatte der verschuldete Hartz-IV-Empfänger der Rentnerin an einem Sonnabend Brötchen und Schinken in ihr Apartment an der Nußriede gebracht – ein Wunsch, den sie kurz zuvor auf der Straße geäußert hatte. Die arglose Frau bot C. ein Glas Wasser an und ging ins Wohnzimmer. Wann genau der 45-Jährige den Entschluss fasste, die Seniorin umzubringen, ist nicht sicher. Auf jeden Fall umklammerte er sie von hinten, warf sie zu Boden und würgte sie. Sein Angriff war so brachial, dass er der 80-Jährigen mehrere Rippen brach und ihr auch schwere Verletzungen an Hals, Schultern und Gesicht zufügte. Nach dem Verbrechen verließ C. fluchtartig die Wohnung.

Seit Dienstag wird der Mordfall Walburgis G. verhandelt. Die Staatsanwaltschaft Hannover hatte gegen den 45-jährigen Mann, der Ende Dezember 2012 in der Straße Nußriede in Groß-Buchholz die 80-Jährige in ihrer Wohnung getötet hat, vor dem Landgericht Hannover Anklage wegen Mordes erhoben.

Einen Tag später kehrte der Mörder in das Apartment zurück, wischte seine Fingerabdrücke mit einem Geschirrhandtuch vom Wasserglas, drehte die Leiche auch noch einmal um. Ob er Geld erbeutete, konnte das Gericht nicht eindeutig feststellen, hielt Habgier aber für das einzig erklärbare Mordmotiv. Doch C.s Versuche, seine Spuren zu verwischen, fruchteten nichts: Er hinterließ seine genetischen Fingerabdrücke. Die Ermittler entdeckten seine DNA an Wasserglas und Handtuch, an einer Jacke, in der Handtasche und unter zwei Fingernägeln des Opfers. Über eine Speichelprobe kam die Polizei ihm schließlich auf die Schliche.

Oberstaatsanwältin Heike Schwitzer, die ebenfalls auf „lebenslang“ plädiert hatte, schrieb dem Täter eine leicht verminderte Intelligenz und mangelnde Empathie zu, ließ aber keinen Zweifel an seiner Schuldfähigkeit. C.s Verteidiger Wulf-Christian Brandes forderte die Richter auf, über eine Verurteilung wegen Totschlags nachzudenken. Doch das kam für das Schwurgericht angesichts der Mordmerkmale „Heimtücke“ und „Habgier“ überhaupt nicht in Frage.

Immerhin wurde dem 45-Jährigen zugute gehalten, dass er keine Vorstrafen aufweist und ein Geständnis abgelegt hatte – auf die Feststellung einer besonderen Schwere der Schuld verzichtete die Kammer. So kann Mustapha C. nach 15 Jahren eine Freilassung auf Bewährung beantragen; bei ordentlicher Führung stehen seine Chancen auf eine vorzeitige Entlassung aus dem Gefängnis nicht schlecht.

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