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Aus der Stadt Der Niederlage zum Trotz: Ausgelassene Stimmung in Hannover
Hannover Aus der Stadt Der Niederlage zum Trotz: Ausgelassene Stimmung in Hannover
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23:22 18.06.2010
Trikot statt Anzug: Die Mitarbeiter der Nord/LB fiebern vor einer Großbildleinwand im Forum der Bank ordentlich mit – und geben die Hoffnung nicht auf.
Trikot statt Anzug: Die Mitarbeiter der Nord/LB fiebern vor einer Großbildleinwand im Forum der Bank ordentlich mit – und geben die Hoffnung nicht auf. Quelle: Martin Steiner
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Hätte die deutsche Mannschaft gesehen, wie ihnen die Hannoveraner selbst bei der Arbeit die Daumen vor den Fernsehern und Leinwänden drückten, dann hätten die Spieler es vielleicht doch noch bis zum Ausgleich geschafft: In Trikots, die Deutschlandflagge schwenkend, mit schwarz-rot-goldenen Streifen auf der Wange und mit kleinen Fernsehern oder Radios ausgestattet, brachten viele Einzelhändler, Büroangestellte, Köche, Kellner und Frisöre für knapp zwei Stunden ordentlich WM-Stimmung in die Geschäfte, Restaurants und an die Schreibtische.

Im Frisörsalon Schansal am Georgswall etwa lief nicht nur die Spielübertragung, während Inhaber Ahmet Schansal und seine Mitarbeiterinnen Haare wuschen, schnitten und färbten. Das Team servierte außerdem gelbe Käsespieße mit roten Erdbeeren und schwarzen Trauben, Getränke mit Fußballstrohhalmen – und schwenkte jubelnd Fahnen. „Wir sind im WM-Fieber und drücken Deutschland auch weiterhin ganz fest die Daumen“, sagt Frisörin Belma Ibrahimovic. Auch im Reformhaus Bacher waren die Deutschlandfarben präsent: Mitarbeiter Klaus Roman verkaufte ausgestattet mit Blumenkette, Trikot und WM-Hut auf dem Kopf kerniges Vollkornbrot – und hörte nebenbei im Radio, wie das Tor für Serbien fiel und Klose die Rote Karte bekam.

Immer das Spiel im Blick hatte Armando Prata, Kellner im Eiscafé Colosseum am Hauptbahnhof. Während er Spaghettieis servierte und Bestellungen aufnahm, schaute er immer wieder auf die großen Fernsehgeräte in der Eisdiele. „Ich bin zwar aus Portugal, aber heute natürlich für Deutschland.“ Dass Arbeit und WM-Gucken durchaus zusammenpassen, bewies zudem Zaher Hassanzada in seiner Änderungsschneiderei in der Leinstraße. Er hatte sich extra einen kleinen Fernseher aufgestellt und fieberte am Bügelbrett und an der Nähmaschine ordentlich mit. „Viel los ist während des Spiels sowieso nicht.“

Beim Elektrofachgeschäft Thorenz kam am Freitagmittag auch wenig Kundschaft vorbei – dafür aber blieben viele neugierige Passanten vor dem Schaufenster stehen, um den Spielstand zu überprüfen. „Für uns ist es natürlich Luxus, wenn Deutschland während der Arbeitszeit spielt“, sagt Mitarbeiter Michael Bruhn. Zusammen mit seinen Kollegen verfolgte er das Geschehen auf den rund 30 laufenden Flachbildfernsehern an den Wänden. „Einen besseren Überblick kann man gar nicht haben.“

Gute Sicht hatten auch die Mitarbeiter der Nord/LB. Rund 200 von ihnen hatten sich für knapp zwei Stunden ausgestempelt und Anzüge gegen Trikots getauscht, um im Forum der Landesbank vor einer Großbildleinwand zu jubeln – und zu leiden. „Das ist ein tolles Angebot von der Bank. Wir geben die Hoffnung noch nicht auf“, meint Marc Blumberg in der 53. Minute. Ausstempeln mussten sich die Mitarbeiter der Immobilienfirma Meravis in der Südstadt nicht. Denn die Belegschaft macht Freitagnachmittags ohnehin bereits um 14 Uhr Feierabend. Das hielt rund 30 Kollegen jedoch nicht davon ab, bei einem kühlen Bier oder einer Brause mit der Deutschen Elf zu fiebern. „Mit dem Team Fußball zu gucken stärkt das Gemeinschaftsgefühl“, sagt Geschäftsführer Matthias Herter.

Ähnlich entspannt ging es in der Kita St. Franziskus in der List zu. Rund 70 Kinder hatten es sich auf Sofas, Matten und Stühlen gemütlich gemacht, um Podolski, Schweinsteiger und Co. anzufeuern. Mit großen Augen und schwarz-rot-goldener Schminke auf den Wangen verfolgten sie das Spiel und stimmten mit ihren Eltern und Erzieherinnen immer wieder ein herzhaftes „Lukas Podolski!“ an. Auch wenn es am Ende nichts gebracht hat. Spaß hat es allemal gemacht.

Julia Sellner und Stefanie Nickel

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