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Aus der Stadt Trotz Streik von Hannover nach Afghanistan
Hannover Aus der Stadt Trotz Streik von Hannover nach Afghanistan
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17:05 06.11.2014
Die Lokführer haben ihren Rekordstreik begonnen und legen damit auch einen Teil des S-Bahnverkehrs in Hannover lahm. Doch die meisten Reisenden haben sich offenbar früh auf die Situation eingestellt.
Die Lokführer haben ihren Rekordstreik begonnen und legen damit auch einen Teil des S-Bahnverkehrs in Hannover lahm. Doch die meisten Reisenden haben sich offenbar früh auf die Situation eingestellt. Quelle: von Ditfurth
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+++ Mit dem Lkw an den Hindukusch: Wer die deutsche Sprache nicht beherrscht, den stellt eine Ausnahmesituation wie der Bahnstreik mitunter vor erhebliche Probleme. So geht es auch Yakup Ergus, der heute am Flughafen Hannover gelandet ist und noch eine weite Reise vor sich hat: Er muss heute noch schnellstmöglich nach Hamburg – um dann von dort einen Lkw nach Afghanistan zu fahren. Doch der Türke hat Glück im Unglück, denn am Flughafen traf er auf Ramazan Aksan, der dort im Maritim-Hotel arbeitet. Der ebenfalls türkischstämmige Mann zeigt sich hilfsbereit und unterstützt Ergus nach seinem Feierabend bei der Suche nach einem Ersatzzug und dem Kauf eines Tickets. So kann die weite Reise des Lkw-Fahrers hoffentlich weitergehen. 

Hilfe eines Landsmanns: Ramazan Aksan (kleines Bild) unterstützt Lkw-Fahrer Yakup Ergus am Bahnhof. Quelle: von Ditfurth

+++ Fernbusse zehnfach nachgefragt: Die Fernbusunternehmen spüren heute eine starke Nachfrage. „Auch diesmal setzen wir wieder mehr und größere Busse ein“, sagt Flixbus-Sprecherin BEttina Engert. Schon beim letzten Ausstand der GDL machte Flixbus auf diese Weise das Dreifache an Umsatz. Den Vorwurf, die Busunternehmen würden den Streik ausnutzen, um höhere Preise von ihren Kunden zu verlangen, weist Engert jedoch zurück. „Das müssen wir nicht“, sagt sie. „Den Umsatz machen wir, weil so viele Leute nicht mit der Bahn fahren können.“ Dieter Matzke von Pro Bahn Hannover-Region sieht den Ansturm auf die Fernbusse indes kritisch: "Bahnreisende, die sich ein anderes Verkehrsmittel organisieren mussten, bleiben diesem häufig auch in Zukunft treu. Da können wir vom Fahrgastverband so viel Werbung für das Bahnfahren machen, wie wir wollen. Den Schaden können wir nicht wieder reparieren."

Der schnelle Überblick

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Den detaillierten Notfallfahrplan der Bahn finden Sie hier.

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Alle Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Bahnstreik.

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Mitfahrer vernetzen sich:
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Warum wird gestreikt?
Alles zum Hintergrund des Bahn-Streiks.

+++ Des einen Leid, des anderen Freud.

+++ Warten auf Ersatzzüge: Insbesondere der Fernverkehr ist vom Steik betroffen. Trotz Notfallfahrplan werden heute voraussichtlich 70 Prozent aller Verbindungen ausfallen, berichtet ein Sprecher der Deutschen Bahn am Morgen. Und nicht für jeden Zug kann zeitnah Ersatz bereitgestellt werden. Das müssen auch Laura und Amy am eigenen Leib erfahren. Die beiden 15-Jährigen wollten eigentlich schon am frühen Morgen von Hannover nach Köln fahren, der Zug sollte laut Notfallfahrplan regulär abfahren. Am Bahnhof angekommen, mussten die jungen Mädchen dann aber erfahren, dass die Verbindung doch kurzfristig gestrichen wurde. Nun heißt es Ausharren und auf den nächsten Zug nach Köln warten, der in einer Stunde fahren soll – voraussichtlich.

Amy (rechts) und Laura wollen nach Köln und hatten sich rechtzeitig informiert – doch nun müssen sie trotzdem am Bahnhof warten. Quelle: von Ditfurth

 

+++ Straßenverkehr: Hannover hat Glück. Weil zahlreiche Reisende auf das Auto umgetiegen sind, bilden sich in vielen Teilen Deutschlands lange Staus. Wie der ADAC am Morgen meldet auf insgesamt 348 Kilometern. Schon am Morgen meldete der ADAC über 200 Staus und Verkehrsstörungen. Hannover indes bleibt von Verkehrsproblemen bislang weitgehend verschont: Bis auf die üblichen kleineren Ballungen im Berufsverkehr am Morgen ist es nicht zu nennenswerten Verkehrsproblemen gekommen. 

+++ Staus lösen sich auf: Auch die Staus auf der A2 bei Wunstorf und auf der B65 haben sich aufgelöst. Das befürchtete Chaos auf den Straßen der Region ist am Morgen ausgeblieben. Allerdings hat es bei den jüngsten Streiks auch erst im Feierabendverkehr große Verkehrsprobleme gegeben.

+++ Verkehr rund um Hannover: Der Stau auf der A2 zwischen Bothfeld und Langenhagen hat sich aufgelöst. Dafür stehen die Autos nun in der Gegenrichtung zwischen der Anschlussstelle Wunstorf-Kolenfeld und Garbsen auf einer Länger von 2 Kilometern.

+++ Nichts los am Hauptbahnhof in Hannover: Die meisten Bahnkunden haben sich auf den Streik eingestellt. Am Infoschalter in der Bahnhofsvorhalle ist nur wenig los, auch sonst herrscht weitgehend Leere. Das befürchtete Chaos ist vorerst ausgeblieben. Doch es gibt auch verärgerte Kunden, weil einige Züge, die nach Angaben der Internetseite der Bahn fahren sollen, dann doch gestrichen wurden. "Offenbar streiken auch die Internet-Admins bei der Bahn", sagt Holger Tippe, der von Hannover nach Braunschweig will. Für ihn heißt es jetzt: Warten auf den nächsten Zug.

+++ 600 Taxis auf der Straße: Hannovers Taxiunternehmen haben sich für den Bahnstreik gerüstet und das Personal verstärkt. Alle verfügbaren 600 Taxis sind nach Angaben von Reinhard Bellmann, Geschäftsführer von Hallo Taxi, im Einsatz. Doch bislang haben die Taxifahrer wenig zu tun. "Ich warte hier schon seit anderthalb Stunden", sagt ein Taxifahrer vor dem Hauptbahnhof. Überhaupt seien erst wenige Taxen vom Stand am Ernst-August-Platz mit Fahrgästen losgefahren.

+++ Der Verkehr wird dichter: Die Hautpstoßzeit des Berufsverkehrs hat begonnen – und auf den ersten Straßen in und um Hannover kommt es zu Staus. Auf der B6 von Nienburg in Richtung Hannover stehen die Autos zwischen der Ampelkreuzung Berenbostel und der Straße Am Leineufer an der Ampelkreuzung Mecklenheidestraße auf einer Länge von zwei Kilometern. Voll ist es auch auf der B65 zwischen Bückeburger Allee und Südschnellweg zwischen Tönniesbergkreisel und Landwehrkreisel ebenso wie auf der A2 in Richtung Dortmund zwischen der Anschlussstelle Bothfeld und der Abfahrt Langenhagen (2 Kilometer Stau). Das ist bislang allerdings im Rahmen des Üblichen zu Beginn des Berufsverkehrs.

+++ Mehr als sieben auf einen Streich: Auf der großen Anzeigetafel im Hauptbahnhof ist die Streichorgie im heutigen Fahrplan gut zu sehen. Etliche Verbindungen sind mit dem Hinweis versehen, dass sie nicht planmäßig fahren. Dementsprechend informieren sich derzeit etliche wartende Reisende in der Bahnhofshalle per Smartphone über mögliche Alternativen. Welche Züge ausfallen oder verspätet fahren, sehen Sie auf der digitalen Bahnhofstafel können Sie sehen, welche Züge ausfallen oder verspätet sind. Geben Sie dazu einfach Hannover in das Ortsfeld ein.

Der Streik der Lokführer legte zahlreiche Regional- und Fernzüge still – auch in Hannover.

+++ Der Streik stößt auf großes Unverständnis: Vier Tage Streik am Stück hat es in der Geschichte des Staatskonzerns Deutsche Bahn noch nie gegeben. Und die Bevölkerung zeigt wenig Verständnis für die Aktion. Bei einer Umfrage auf HAZ.de waren von fast 3000 Teilnehmern mehr als 70% der Meinung, dass das Ausmaß des Streiks "völlig überzogen" sei. Sind Sie auch dieser Ansicht oder sehen das gänzlich anders? Dann stimmen auch Sie ab.

+++ Reisende brauchen heute vor allem eins: Geduld. Wer sich auf eine bestimmte Zugverbindung alternativlos verlässt, der dürfte schon bald vor einem Problem stehen. So geht es etwa einer 26-Jährigen, die heute am frühen Morgen im Hauptbahnhof Hannover unterwegs ist. Sie hat sich schon gestern bei der Telefonauskunft der Bahn über eine Ersatzverbindung für ihren ausgefallenene Fernzug informiert – doch erst heute früh erfährt sie, dass auch diese Alternative gestrichen ist. Nun muss sie mindestens eine Stunde lang am Bahnhof auf einen Ersatzzug warten. Sie wird nicht die Einzige bleiben, die heute allen Grund zum Ärgern hat.

+++ Hauptbahnhof Hannover: Ruhe vor dem Sturm? Am HBF Hannover herrscht gespannte Stille. Die Deutsche Bahn hat ihre Infoschalter komplett besetzt, man stellt sich offenbar auf zahlreiche genervte oder hilflose Reisende ein. Die sind indes noch nicht auszumachen: Noch hat der Berufsverkehr nicht begonnen und so ist derzeit noch alles ruhig.

+++ Verkehr: Probleme im Berufsverkehr erwartet. Noch ist es ruhig auf den Straßen in und um Hannover. Doch sobald der Berufsverkehr in den frühen Morgenstunden zunimmt, werden Staus und Engpässen insbesondere auf den Hauptverkehrsadern der Region und an den Nadelören erwartet. Den ganzen Vormittag über informieren wir Sie laufend aktuell, wenn es zu schwerwiegenden Verkehrsproblemen kommt.

Ein Herz für Gestrandete: Die "Rote Punkt Aktion" der HAZ

Vor allem Pendler im Umland Hannovers trifft der Bahnstreik empfindlich. Genau da möchte Ihre Zeitungsredaktion helfen. Darum druckt der Verlag in den Heimatzeitungen einen sogenannten „Roten Punkt“, ein traditionsreiches Symbol der gegenseitigen Hilfe in Ausnahmesituationen. Hier auf HAZ.de können Sie sich den Punkt auch herunterladen.Und so geht es: Drucken Sie den „Roten Punkt“ auf dieser Seite aus und befestigen Sie ihn an Ihrem Auto. Damit zeigen Sie: Sie bieten anderen gerne eine Mitfahrgelegenheit. Alle Menschen, die mitgenommen werden möchten, können entsprechende Schilder mit dem Punkt darauf verwenden. Mehr zu der Aktion lesen Sie hier.

mic/jhp/jki

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