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Aus der Stadt Der stete Strom
Hannover Aus der Stadt Der stete Strom
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00:16 07.01.2015
Von Bernd Haase
Schaltet und waltet in der Stadtwerke-Leitstelle: Geschäftsführer Bernd Heimhuber hat den Überblick übers Netz. Quelle: Michael Thomas
Hannover

Die Deutschen und damit ganz unzweifelhaft die Hannoveraner schlafen durchschnittlich etwa acht Stunden pro Tag, verbringen also ein Drittel ihres ­Lebens im Energiesparmodus. Das hat Auswirkungen auf den Stromverbrauch - allerdings sind sie geringer, als man vermuten dürfte. Er liegt im Einzugsgebiet der Stadtwerke in den Nachtstunden immer noch bei mehr als 50 Prozent dessen, was tagsüber gemessen wird. „Energetisch gesehen schläft Hannover nie“, sagt Bernd Heimhuber, Geschäftsführer der Netztochter des Energieversorgers.

In der zentralen Leitstelle der Netzgesellschaft in Ricklingen überwachen die Techniker sozusagen den Puls der Stadt. Sie sitzen an Bildschirmen mit Grafiken, Kurven, Tabellen und Zahlenkolonnen. Einige davon zeigen die Lastkurve und damit den Stromverbrauch für jeden einzelnen Tag des Jahres. Sie ähneln einander stark, Hannover hat da wie andere Großstädte einen festen Verbrauchsrhythmus.

Im Winter erreicht die Lastkurve zwischen 10 Uhr und 12 Uhr ihren Höchstwert von 550 Megawatt. Danach fällt sie leicht ab, was aber nicht damit zu tun hat, dass die Hannoveraner in den Mittagsschlaf gehen. Aber die Kantinen und Großküchen haben dann Essen gekocht, und einige Betriebe machen Mittagspause. Zwischen 17 und 18.30 Uhr schwingt sich die Kurve erneut auf, um dann von 20 Uhr an kontinuierlich zu sinken. Der Tiefstwert mit gut 300 Megawatt wird gegen 2.30 Uhr erreicht - die meisten Hannoveraner schlafen. Bis 6 Uhr steigt der Verbrauch nur leicht, um danach wieder auf das normale Tagesniveau zu klettern.

Dass der Stromverbrauch in der Nacht nicht stärker absinkt, hat mehrere Gründe. „Manche Unternehmen sind nachtaktiv, indem sie Spät- oder 24-Stunden-Schichten fahren“, sagt Heimhuber und nennt als Beispiele die Automobilindustrie und ihre Zulieferer, Betriebe mit Aluminiumverarbeitung sowie den Flugverkehr. Auch Rechenzentren spielen ihre Rolle, das Netz schläft bekanntlich auch nie. „Ihr Energieverbrauch sinkt nachts nur um gut 15 Prozent“, erklärt Heimhuber.

In ihrer Eigenschaft als Privatleute malen die Hannoveraner an der Verbrauchskurve mit. Ihre Kühlgeräte laufen rund um die Uhr, Geräte im Standby-Betrieb fressen Strom, und selbst kleinere Faktoren wie die Beleuchtung von Aquarien schlagen sich nieder. Vor allem macht sich der ständig steigende Anteil von Computer- und Unterhaltungselektronik am Haushaltsstromverbrauch bemerkbar. „Einspareffekte etwa durch effizientere Haushaltsgeräte wurden dadurch teilweise kompensiert“, sagt Heimhuber. Sogar der nächtliche Bedarf für Heizungsstrom steigt wieder - nicht für die mittlerweile verpönten herkömmlichen Nachtspeicherheizungen, sondern für moderne Anlagen, die auch nachts einen Warmwasserspeicher erhitzen.

Das zweite Gesicht bei Nacht

Ein Blick aus der Luft auf das nächtliche Hannover ist spektakulär. Das Licht malt dann ein Muster mit dem Hauptbahnhof, dem Raschplatz und der Fußgängerzone als Fixpunkten. Wie beleuchtete Bänder ziehen sich die großen Verkehrsadern durchs Bild – so weit, bis sich ihr Licht am Horizont verliert. Dazwischen leuchten dezenter kleinere Straßen.

Die Lebensadern von Hannover bei Nacht: die großen Straßen und ihre Straßenbeleuchtung. Quelle: Thomas

Die Straßenbeleuchtung ist sichtbarstes Zeichen dafür, dass in Hannover nachts Strom verbraucht wird. Wer dann durch die Stadt spaziert, kann die Welt mit anderen Augen sehen. „Mit ihrer nächtlichen Beleuchtung entwickeln die Städte eine Art zweites Gesicht, das sowohl für Bewohner als auch Besucher im Kontrast zur Tageswirklichkeit interessant ist“, sagt Professor Jürgen Hasse vom Institut für Humangeografie der Goethe-Uni Frankfurt. Kirchen oder Unternehmen verpassten diesen Gesichtern markante Züge, indem sie Gebäude, aber auch Plätze oder Kunstinstallationen illuminieren lassen.

In Hannover gibt es seit mehr als zehn Jahren ein Beleuchtungskonzept für die Innenstadt. „Wir legen Wert darauf, dass die nächtliche Stadtsilhouette ein harmonisches Bild ergibt“, sagt Thomas Göbel-Groß, Stadtgestalter im Baudezernat. Jahrelang haben das Neue Rathaus, die benachbarte Nord/LB und die großen Kirchen diese Silhouette geprägt. Seit fast zwei Jahren setzen die Stadtwerke neue Akzente, indem sie ihr Heizkraftwerk in Linden in Licht tauchen.

Der Anteil von Straßenbeleuchtung und Illumination am gesamten nächtlichen Stromverbrauch ist mit fünf Megawatt oder 1,4 Prozent eher gering. Er lässt sich weiter reduzieren: Derzeit werden testweise herkömmliche Gasdampflampen in den Laternen durch LEDs ersetzt werden.

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