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Aus der Stadt Der Traum vom Aufstieg in eine neue Liga
Hannover Aus der Stadt Der Traum vom Aufstieg in eine neue Liga
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08:55 06.01.2010
Von Andreas Schinkel
Der Ausbau des Sprengel Museums wird Hannovers Kulturimage einen Schub geben. Quelle: Ralf Decker

Auch kleinere Vorhaben, etwa der Ausbau des Beginenturms zum Museum oder das Festival der Philosophie im Frühjahr, zeigen, dass die Stadt trotz hoher Schulden weiter in Kultur investiert. Zu Recht, denn um Hannovers Anziehungskraft für Unternehmen zu erhalten oder gar zu steigern, bedarf es mehr als gut ausgebauter Straßen und exzellenter Bahnverbindungen. Kultur ist ein Standortfaktor, das belegen zahlreiche Studien. Zugleich zeigt sich auch im neuen Jahr, dass die Stadt angesichts der desolaten Haushaltslage zunehmend auf private Sponsoren und Mäzene angewiesen ist. „Mit Herrenhausen und unseren Museen spielen wir schon in der Bundesliga, aber noch nicht im UEFA-Cup“, stellte Kulturförderer Thomas Mang, Vorsitzender der Niedersächsischen Sparkassenstiftung, kürzlich fest. Das könnte sich bald ändern.

Das wohl kühnste Vorhaben 2010 ist der Wiederaufbau des Schlosses in Herrenhausen. Rund 20 Millionen Euro investiert die Volkswagenstiftung, um zwischen Ehrenhof und Barockgarten ein modernes, internationales Tagungszentrum mit originalgetreuer klassizistischer Fassade zu erbauen. Die beiden Seitenflügel mietet die Stadt und richtet dort ein Museum ein, das über die Geschichte der Welfen und das Leben und Werk des Universalgenies Gottfried Wilhelm Leibniz informiert. Bereits in diesem Jahr werden Bagger den Boden im Ehrenhof aufreißen.

Ronald Clark, Chef der Herrenhäuser Gärten, sieht dem Baubeginn mit gemischten Gefühlen entgegen. „Wir werden versuchen, die Beeinträchtigungen für unsere Gartenbesucher so gering wie möglich zu halten“, sagt er. Denn immerhin drei Viertel der 465.000 Gäste, die die Gärten in letztem Jahr besuchten, seien nicht wegen einer Veranstaltung gekommen, etwa dem Kleinen Fest oder dem Feuerwerkswettbewerb, sondern allein um die Schönheit der Pflanzen und die ruhige Atmosphäre zwischen den abgezirkelten Beeten zu genießen. Deshalb plant Clark auch keine zusätzlichen Veranstaltungen für dieses Jahr. „Wir werden aber unsere Werbung ausweiten, etwa gezielt mittelständische Reisebusunternehmer außerhalb Hannovers ansprechen“, sagt Clark.

Wenn 2012 das Schloss fertiggestellt ist und der Tagungsbetrieb beginnt, dann werde der Barockgarten ohnehin auf vielen Fotos in internationalen Medien zu sehen sein, meint Clark: „Die renommierten Forscher, die hier konferieren werden, lassen sich bestimmt vor dem Hintergrund der Gärten fotografieren.“

Ein nicht minder wagemutiges Unterfangen ist der Neustart der Festwochen Herrenhausen. „KunstFestSpiele“ sollen sie dieses Jahr heißen und für jeden Geschmack etwas bieten: ein bisschen Barockmusik, intellektuelle Diskussionen, ein Programm für Kinder und ein bisschen Avantgarde, etwa Freejazz und Installationskunst. „Kunst muss bewegen, anrühren, provozieren“, meint Intendantin Elisabeth Schweeger und gibt damit das Motto für den Neustart vor. Ob das Konzept aufgeht, ob es überhaupt in den Rahmen der Gärten passt, ist alles andere als sicher. Im vergangenen Jahr musste die Stadt Hunderte Freikarten verteilen, um die leeren Ränge des Festivals, das 2009 erstmals unter Schweegers Regie stand, notdürftig zu füllen. Immerhin scheinen fremde Geldgeber von Schweegers neuem Programm überzeugt zu sein, 600.000 Euro stellte unter anderem die Niedersächsische Sparkassenstiftung zur Verfügung.

Als sichere Investition in die Zukunft gilt die Erweiterung des Sprengel Museums. 25 Millionen Euro bringen die Stadt, das Land, die EU und wiederum private Sponsoren auf, um das Museum für moderne Kunst um 4350 Quadratmeter zu erweitern. Im März werden die Siegerentwürfe aus dem Architektenwettbewerb im Sprengel Museum ausgestellt. Ende 2010 wird voraussichtlich mit dem Bau begonnen. Damit bekommt das Museum die Möglichkeit, all seine verborgenen Schätze, die jetzt ein unbeachtetes Dasein in Magazinen fristen, angemessen zu präsentieren. Das Sprengel Museum ist dadurch endgültig in der internationalen Museumsliga angekommen.

Einen Besuchermagneten wie im vergangenen Jahr die Ausstellung „Marc, Macke, Delaunay“ wird es 2010 zwar nicht geben. Dennoch hofft Museumsdirektor Ulrich Krempel zumindest im August auf Schlangen vor den Kassen. Dann startet die Ausstellung „Fränzi und Marcella“ mit Frauendarstellungen der Brücke-Künstler um Ernst Ludwig Kirchner.

Ein bescheideneres Vorhaben, das aber den Bürgern Hannovers nicht minder am Herzen liegen dürfte, ist der Ausbau des verwaisten Beginenturms zum Museum. Als ein Wahrzeichen der Altstadt gilt der mittelalterliche Turm, und so soll er auch in Szene gesetzt werden: mit einer verglasten Ostfassade, die den Blick auf die Stadt ermöglicht, und einer Ausstellung auf mehreren Etagen zur Bedeutung des Turms für die Stadtgeschichte. 150.000 Euro gibt die Stadt dafür aus, „doch das reicht sicher nicht aus“, meint Thomas Schwark vom Historischen Museum. Auch hier sind wieder Sponsoren und private Geldgeber gefragt.

„Wir wollen Kultur in die Mitte der Stadtgesellschaft bringen“, versprach Kulturdezernentin Marlis Drevermann kürzlich. Ein allzu bescheidener Anspruch. Tragen die großen und kleinen Vorhaben im kommenden Jahr Früchte, wird der kulturelle Wirkungskreis weit über die Grenzen Hannovers, ja sogar Niedersachsens hinausreichen. Die Stadt schickt sich an, in einer anderen Liga zu spielen.

Die 20-jährige Frau, die am Montag in Herrenhausen von einer Stadtbahn erfasst wurde, schwebt weiterhin in Lebensgefahr. Die Polizei geht inzwischen davon aus, dass die Frau die Gleisanlage verbotenerweise schon deutlich vor dem Bereich der Haltestelle Schaumburgstraße betrat.

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