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Aus der Stadt Der Wärmefaktor von Hannover
Hannover Aus der Stadt Der Wärmefaktor von Hannover
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00:20 02.04.2015
Von Bernd Haase
Goetheplatz: Derzeit wird an den Fernwärmeleitungen gearbeitet, die 1961 als erste im Stadtgebiet verlegt worden sind.
Goetheplatz: Derzeit wird an den Fernwärmeleitungen gearbeitet, die 1961 als erste im Stadtgebiet verlegt worden sind. Quelle: Marta Krajinovic
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Hannover

Am Goetheplatz in der Calenberger Neustadt befindet sich derzeit eine der vielen Baustellen, die in Hannover nach dem Ende des Winters aufgemacht worden sind. Bauherr dort sind die Stadtwerke, und für sie hat dieser Ort eine besondere Bedeutung. Hier wurden in den Jahren 1961 und 1962 die ersten Leitungen für Hannovers Fernwärmenetz verlegt. Erstmals wurden in der Stadt Gebäude mit der Hitze versorgt, die durch Gasverbrennung bei der Stromerzeugung anfällt. „Der Bau des Heizkraftwerks Linden war dafür die Grundvoraussetzung“, sagt Harald Noske, Technikvorstand der Stadtwerke. Ganze zehn Kilometer maß damals der erste Fernwärmestrang. Im Laufe der Jahre ist einiges hinzugekommen, sodass es das Netz mittlerweile auf mehr als das Dreißigfache bringt.

Die Fernwärme spielt eine wichtige Rolle bei den Klimazielen der Stadt. Weil konventionelle Kraftwerke nur einen Ausnutzungsgrad von 50 Prozent erreichen, Heizkraftwerke dagegen auf 90 Prozent kommen, fordern SPD und Grüne im Rat die Stadtwerke regelmäßig auf, größere Anstrengungen im Fernwärmebereich zu unternehmen. „Kosten und Nutzen müssen aber in einem angemessenen Verhältnis zueinander stehen“, lautet die Devise des Energieversorgers. Kostenträchtig ist vor allem der Leitungsbau. Die Strategie der Stadtwerke sieht vor, in erster Linie an bestehende Rohre anzuknüpfen. Trotzdem soll die Fernwärme im Jahr 2020 einen Marktanteil von 30 Prozent an der Wärmeversorgung in Hannover erreichen.

Historische Bilder: Fernwärme in Hannover

Allerdings macht den Stadtwerken dabei noch ein anderer Umstand zu schaffen. Seit gut zwei Jahren können Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen (KWK) wie das Heizkraftwerk Linden nicht mehr kostendeckend arbeiten, weil die Erlöse aus dem Stromverkauf durch die Konkurrenz von Kohlekraftwerken und Ökoenergie weggebrochen sind. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft fordert daher von der Regierung höhere Zuschläge für den aus KWK-Anlagen ins Netz gespeisten Strom. „Passiert das nicht, werden die Investitionen in bestehende und neue Anlagen und als Folge der KWK-Stromanteil am Gesamtmarkt sinken“, warnt der Verband. Eine erfolgreiche Umsetzung der Energiewende würde somit erschwert.

Was die Investitionen angeht, haben die Stadtwerke diese in Form der 155 Millionen Euro teuren Modernisierung in Linden schon hinter sich. Aus den genannten Gründen steht das Kraftwerk aber oft still. „Aus heutiger Sicht hätten wir uns die Ausgabe sparen können“, sagt Noske. Frieren muss in Hannover trotzdem kein Fernwärmekunde. Bisher konnte das Gemeinschaftskraftwerk Stöcken den Bedarf decken; und für den absoluten Notfall stehen in Linden Kessel bereit, mit denen Fernwärme auch ohne Stromerzeugung möglich ist. Was die Zukunft bringen wird, weiß man jedoch noch nicht: Für das laufende Jahr seien bisher keine größeren Fernwärme-Projekte spruchreif, teilt Unternehmenssprecherin Bianca Bartels mit.

Fernwärme in Zahlen

  • 315 Kilometer beträgt die Gesamtlänge des Fernwärmenetzes in Hannover. Das entspricht in etwa der Entfernung Hannover–Köln.
  • 80 Prozent der Leitungen verlaufen unterirdisch. 19 Prozent liegen in Kellern. Nur ein Prozent befindet sich über der Erde und ist damit sichtbar.
  • 3 Kraftwerke und ein Industriebetrieb speisen in Hannover Fernwärme ein. Größter Versorger ist das Gemeinschaftskraftwerk in Stöcken.
  • 3856 Fernwärmezähler sind im Netz installiert. Die Zahl derjenigen, die mit dieser Variante heizen, ist jedoch erheblich höher. Zu den Abnehmern zählen mehrere Wohnungsbaugesellschaften für ihre Mehrfamilienhäuser, gewerbliche Großkunden sowie Schulen, Verwaltungsgebäude und Krankenhäuser.
  • 40000 Kubikmeter Wasser fließen durch die Fernwärmeleitungen – das sind mehr als 250.000 Badewannenfüllungen. Die längste Versorgungsstrecke verbindet das Gemeinschaftskraftwerk Stöcken mit der Medizinischen Hochschule. Mehr als vier Stunden braucht das Wasser, bis es am Abnahmepunkt angekommen ist.
  • 120 Grad beträgt die Vorlauftemperatur des Wassers im Winter. 90 Grad sind es im Sommer.
Volker Wiedersheim 02.04.2015
Tobias Morchner 30.03.2015
04.04.2015