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Aus der Stadt Was ist erlaubt in Gottes Namen?
Hannover Aus der Stadt Was ist erlaubt in Gottes Namen?
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10:20 26.06.2015
Von Simon Benne
Der frühere EKD-Ratsvorsitzende Wolfgang Huber.
Der frühere EKD-Ratsvorsitzende Wolfgang Huber. Quelle: Krajinović
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Hannover

Am Anfang stand ein Bekenntnis. Der Pianist Markus Becker hatte in der Neustädter Kirche gerade Schumanns Humoreske gespielt, als Wolfgang Huber ans Mikrofon trat: In seiner Jugend sei Schumann einer seiner Lieblingskomponisten gewesen, schwärmte der frühere Berliner Bischof. Um seufzend hinzuzufügen: „Dann begann ich, selbst Klavier zu lernen ...“ Eigentlich stand ja auch ein ganz unromantisches Thema mit viel zu vielen Variationen beim Johannisempfang des evangelischen Sprengels Hannover im Mittelpunkt. Ein Thema, das weit verzwickter ist als die komplizierteste Komposition: Landessuperintendentin Ingrid Spieckermann hatte zur Debatte um „Religion und Gewalt“ geladen.

Der scharfsichtige Intellektuelle Huber, der schon in seiner Zeit als EKD-Ratsvorsitzender kein Typ für billige Harmonie war, versuchte nicht, die Religion als unschuldige Beute kriegslüsterner Warlords hinzustellen, die nur ein moralisches Deckmäntelchen für ihre Beutezüge suchen. „Seit dem 11. September 2001 kann man dem Thema nicht mehr ausweichen“, erklärte er vor 200  Gästen. „Es wäre zu einfach, diese Gewalt nur einer Religion zuzuordnen“, sagte er, „sie tritt aber in unserer Gegenwart im Islam am deutlichsten zum Vorschein.“

Wird man das Hauen und Stechen in Gottes Namen vielleicht nur los, wenn man die ganze Religion ad acta legt? Wenig überraschend wies Kirchenmann Huber das zurück: „Die Behauptung, dass ein Verzicht auf jede Bindung an Gott der Gewalt Einhalt gebiete, ist durch keine geschichtliche Erfahrung begründet“, erklärte er unter Hinweis auf Hitler und Stalin. „Religion kann Gewalt auch bändigen“, sagte er mit Blick darauf, dass Gott selbst sich in der Bibel von Gewalt stets distanziere. Angesichts der grassierenden „Vergötzung des Geldes“ sei „die religiöse Aufklärung, Gott von Nicht-Gott zu unterscheiden“, sogar „lebensnotwendig“.

Zum Schluss machte Huber noch ein anderes Fass auf: Der Vormarsch der IS-Terrormilizen zeige, dass Menschen vor Gewalt geschützt werden müssen – „im äußersten Notfall kann das den Einsatz von Waffen einschließen“. Ein bedingungsloser Pazifismus stoße an ethische Grenzen, wenn er dazu führe, dass anderen Menschen Schutz vorenthalten werde. Für manch friedensbewegten Protestanten klang das, als wolle Huber die Gewalt im Namen Gottes durch eine Gewalt im Namen der Menschlichkeit ersetzen. Das Thema bietet wohl leider noch Gesprächsstoff für viele Empfänge.

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