Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Der lange Weg zum Krippenplatz
Hannover Aus der Stadt Der lange Weg zum Krippenplatz
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:15 03.06.2012
Von Bärbel Hilbig
Krippenplätze sind heiß begehrt: Die meisten Einrichtungen haben lange Wartelisten. Quelle: dpa
Anzeige
Hannover

„Natürlich haben die Eltern ihre Kinder alle doppelt und dreifach angemeldet. Manche Familien rufen zehn bis zwölf Krippen an“, sagt Petra Skhiri, stellvertretende Kita-Leiterin. Sie kennt Eltern, die mangels Krippenplatz ihre Arbeit aufgeben mussten oder das Studium verschieben. Andere überbrücken die Zeit ohne Betreuungsplatz mithilfe der Großeltern oder einem Au-pair. „Manche Eltern warten so lange auf einen Krippenplatz, bis das Kind am Ende direkt in eine unserer Kindergartengruppen geht“, sagt Skhiri.

Corinna Hempel ist das erspart geblieben. Aber als die junge Mutter Anfang Dezember begann, einen Platz für ihre Tochter Janne für den kommenden August zu suchen, hatten viele Einrichtungen bereits Anmeldestopp. „Das war ein Schock. Sie sagten, ich bräuchte mich gar nicht mehr zu bewerben. Das habe ich dann aber doch gemacht.“

Anzeige

Bei mindestens zehn Kinderläden und  Kitas in der List reichten Corinna Hempel und ihr Mann Unterlagen ein. Das Anmeldeverfahren sei katastrophal, denn jede Einrichtung verlange ein anderes Prozedere. „Bei den einen darf man nur donnerstags von 8 bis 8.30 Uhr vorbeikommen, bei anderen nur jeden ersten Dienstag von 15 bis 15.25 Uhr.“ Manchmal sollen Formulare im Internet ausgefüllt werden, andere Elterninitiativen wünschen sich ein Bewerbungsschreiben mit Fotos von Eltern und Kind. „Es werden ja auch die Eltern ausgewählt, wenn man mal ehrlich ist.“

Merkwürdig fand Corinna Hempel, selbst Psychologin, auch das geforderte Schreiben. „Janne war ein halbes Jahr alt. Was soll man da schon zur Persönlichkeit des Kindes schreiben?“ Dann begann das Warten auf eine Einladung zu Infoabend, Einzelgespräch und Hospitation. Spät kamen zwei Einladungen zum Gespräch. Dann gab es einen Platz im Nachrückverfahren. Seit Ostern steht fest: Janne darf ab August in die Krippe.

Mehr zum Thema

Die Bundesregierung stellt den Kommunen ein umfangreiches Hilfsprogramm für  den Krippenausbau zur Verfügung. Aber hilft das was? In Hannover sieht man die Berliner Pläne skeptisch.

03.06.2012

Im Wettbewerb um qualifiziertes Personal setzen immer mehr Arbeitgeber auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Dazu gehören nicht nur flexible Arbeitszeiten, eine große Entlastung für Eltern ist die betrieblich organisierte Kinderbetreuung in Krippen, Kitas und Hortgruppen. Stadtweit gibt es zurzeit 663 Plätze in Betriebskindertagesstätten, davon allein 250 Krippenplätze.

Veronika Thomas 03.06.2012

Lohnzuschüsse und verbilligte Kredite – der Bund will den schleppenden Kita-Ausbau flott machen. Deutlich mehr als 100.000 Plätze fehlen bundesweit. Die Regierung will dennoch Wort halten.

30.05.2012
Veronika Thomas 03.06.2012
Stefanie Kaune 30.05.2012
Bernd Haase 30.05.2012