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Aus der Stadt Bösewicht mit Perspektive
Hannover Aus der Stadt Bösewicht mit Perspektive
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12:31 30.04.2015
Detlev Bothe am Rande Dreharbeiten in den österreichischen Alpen. Quelle: B-Filme
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Hannover

Das Gesicht hat man schon einmal gesehen ... Hannoverschen Theaterbesuchern könnte der Mann bekannt vorkommen, der sich im neuen Bond-Film in mehr als 3000 Metern Höhe ein Duell mit dem Tüftler „Q“ liefert. Der in Braunschweig geborene Schauspieler, Autor und Regisseur Detlev Bothe war bereits in mehreren Produktionen in Hannover zu sehen. Sein Theaterstück „Pornostars mit Liebeskummer“ wurde 2001 am Staatstheater uraufgeführt - mit Gina Wild in der Hauptrolle.

Vor wenigen Wochen drehte Bothe in den eisigen Höhen der Söldener Alpen. Aber er kam dennoch ins Schwitzen. Schließlich ist „Spectre“ mit Daniel Craig in der Hauptrolle kein Kammerspiel, sondern ein Actionfilm. „Ich spiele keinen freundlichen Charakter, und es war ganz schön kalt“, sagt der blonde, großgewachsene Norddeutsche.

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Für die Rolle war er eine Woche am Set, drehte drei Tage mit Oscarpreisträger Sam Mendes und konnte sich mit seinem Spielpartner Ben Whishaw anfreunden. „Ich bin mehr als nur ein Scherge von links, das war ganz gut.“ An die Rolle kam er durch ein Engagement seiner Berliner Agentur, die sich in London bei der englischen Castingagentin Debbie McWilliams für ihn stark machte. Sie besetzt auch den Bondfilm. „Es gab mehrere Hürden“, so Bothe. „Man muss gesehen zu werden, zum Casting kommen, das überstehen, den Regisseur treffen, den überzeugen und dann irgendwo auch passen. Für einen Schauspieler aus der zweiten Reihe, war das das Bemerkenswerteste.“ Und Bothe passte. Er war sogar als Killer Mr. Hinx im Gespräch, der jetzt von dem amerikanischen Wrestler Dave Bautista gespielt wird, doch er wurde von den Produzenten als „zu schmächtig“ angesehen.

„Es war eine sehr konzentrierte, enge Arbeit“, so der Schauspieler, Regisseur und Autor weiter. „Ich persönlich bin damit sehr zufrieden, denn es gibt nur dieses Duell der beiden Schauspieler. Ich mache das gerne, und so etwas habe ich mir auch gewünscht.“ Dass er einmal soweit kommen würde, hätte er sich nie träumen lassen. Der 49-Jährige, der in Knesebeck im Landkreis Gifhorn aufwuchs, absolvierte erst eine Lehre als Kfz-Mechaniker bei VW, arbeitete am Band und schlug dann einen neuen Lebensweg ein. „Ich habe mir ganz früh eine Kamera gekauft, aber es ist zuerst nicht viel daraus geworden. Ich habe zwei Cafés gehabt, eine alte Tankstelle zu einem Club umgebaut, mit Oldtimern gehandelt und alte Mercedes restauriert. Die Schauspielidee gab es aber schon früh. Die habe ich wieder aufgegriffen, als das andere nicht funktioniert hat und bin zur Schauspielschule gegangen.“

Ab 1989 studierte er in München, spielte danach in TV-Krimis wie „Tatort“ und „Alarm für Cobra 11“, aber auch in Spielfilmen („14 Tage lebenslänglich“, „Sass“, „Die wilden Kerle 3“, „Anonymous“). Seit dem Jahr 2002 führt er auch Regie, gewann einen Preis beim Filmfest München. Bemerkenswert fand Bothe, wie entspannt die Dreharbeiten verliefen. „Die Engländer haben Humor. Sie haben 120 Drehtage. Da wird nicht gepfuscht.“ Aber eines hat ihn dann doch verwirrt. „Ich war am Set, hatte zwar einen Rollennamen, wusste aber nicht, was ich spielen sollte. Ich bekam kein Drehbuch, aber einen Tag vor Drehbeginn immerhin einen Dialogcoach. Mir war das egal. Ich mag den Druck.“

Und den hat er offensichtlich gut ausgehalten: Kurz nach dem Engagement in eisiger Höhe kam ein Anruf von der Produktion, ob er denn auch noch für eine Verfolgungsjagd in den österreichischen Alpen zur Verfügung stehe. Bothe sagte zu und verbrachte auch die vergangene Woche in Sölden. Jetzt deutet sich ein weiterer Einsatz an. Bis Mitte März dreht das Team in Rom und Detlef Bothe soll mit dabei sein. „Spectre“ kommt am 6. November in die deutschen Kinos, und von Bothe wird man wohl noch hören. Vielleicht sogar im nächsten Bondfilm. Soviel sei verraten: Seine Figur überlebt.

Von Siegfried Tesche

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