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Aus der Stadt DWD hebt Glatteis-Warnung für Hannover auf
Hannover Aus der Stadt DWD hebt Glatteis-Warnung für Hannover auf
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In der Region Hannover kommt es zu gefährlichem Glatteis.
In der Region Hannover kommt es zu gefährlichem Glatteis. Quelle: Michael Thomas
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  • Deutscher Wetterdienst hat Glatteis-Warnung wieder aufgehoben.
  • Polizei zählt mehr als 220 Unfälle am Sonnabend.
  • Rettungsdienst versorgt rund 250 Verletzte.
  • Busverkehr bei Üstra und Regiobus wurde wieder aufgenommen.
  • Stadtbahnen und S-Bahnen fahren.

Durch überfrierende Nässe ist es am Sonnabend in der gesamten Region Hannover zu gefährlichem Blitzeis gekommen. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hatte eine amtliche Warnung herausgegeben, die am Sonntagmittag wieder aufgehoben wurde. Der DWD riet, das Auto stehen zu lassen. "Bleiben Sie zu Hause", hieß es seit Sonnabendnachmittag seitens des DWD. 

Blitzeis macht den Nachhauseweg in Hannover und der Region zur Rutschpartie. Der deutsche Wetterdienst warnt davor, das Haus zu verlassen. 

Bei der Polizei gingen die Unfallmeldungen ab dem späten Samstagnachmittag im Minutentakt ein. Bis zum frühen Sonntagmorgen hatten die Beamten 224 Unfälle registriert. Am späten Sonnabend waren die Beamten noch von rund 300 ausgegangen, die Zahl basierte aber lediglich auf einer Schätzung. Bei den Unfällen wurden insgesamt 13 Personen leicht verletzt.

Angefangen habe es im Umland, doch später seien Umland und Stadt gleichermaßen von der Unfallserie betroffen gewesen, sagte eine Sprecherin der Polizei Hannover. Angesichts der hohen Zahl habe man den Unfällen mit Verletzten Vorrang eingeräumt, Zusammenstöße mit Blechschäden hatten warten müssen. 

Mann stirbt bei Unfall in Hemmingen

Der folgenschwerste Unfall ereignete sich am Abend bei Hemmingen: Dort wurde ein Mann tödlich verletzt, als er zwischen Devese und Ihme-Roloven mit seinem Auto von der Fahrbahn abkam und gegen einen Baum prallte. Die Identität des Verunglückten konnte erst am Sonntagvormittag geklärt werden: Es handelt sich um einen 67-jährigen Ronnenberger.

Fotostrecke Hemmingen: Autofahrer bei Unfall gestorben

Rettungskräfte im Dauereinsatz

Wegen des Blitzeises waren die Rettungskräfte den ganzen Abend über im Dauereinsatz. Bis 21.30 Uhr mussten die Einsatzkräfte von Feuerwehr und Rettungsdienst etwa 250 Menschen versorgen – 130 davon in der Stadt Hannover. Die meisten Verletzten kamen mit Prellungen und Knochenbrüchen ins Krankenhaus. Neben den regulär eingesetzten 21 Rettungswagen wurden elf weitere Fahrzeuge der Feuerwehr Hannover auf die Straßen geschickt, um sich um die Verletzten zu kümmern. 

Auf den Straßen in Hannover und im Umland ging seit dem frühen Abend fast nichts mehr. Chaotisch war die Situation auch auf den Autobahnen: Nach Angaben der Verkehrsmanagementzentrale (VMZ) hatte es auf den Autobahnen 2 und 37 zahlreiche Unfälle gegeben. "Es kracht im Minutentakt," hieß es von der VMZ am frühen Abend. Dort wurde nur noch von "zig Unfällen" gesprochen, zu schnell kamen die Meldungen rein.

Leserin: "Man konnte Schlittschuh fahren auf der A2"

Wie schlimm die Situation auf der A2 zeitweise war, berichtete HAZ-Leserin Wiebke Rathgeber: "Ich habe noch nie so viele Unfälle gesehen. Man konnte Schlittschuh fahren auf der A2", sagte sie. Sie war auf dem Weg vom Harz zurück in die Region und war gerade an der Abfahrt Hämelerwald, als der Eisregen die Fahrbahn spiegelglatt werden ließ. "Als es rutschig wurde, kam es zu den ersten Unfällen, da viele Fahrer plötzlich bremsten und ins Schleudern gerieten." Dutzende Autos hätten nach Unfällen auf dem Standstreifen gestanden. Großes Glück hatte sie, als vor ihr ein Auto mit Wohnwagen ins Schleudern geriet und beinahe einen Unfall verursachte. "Er kam zum Glück keine zwei Autos entfernt zum Stillstand", erzählt Rathgeber. Die meisten Autofahrer seien langsam gefahren, doch selbst Lastwagen hätten die Autos noch mit hoher Geschwindigkeit überholt. 


Busverkehr am Samstag eingestellt

Angesichts der Wetterlage hatten Üstra und das Unternehmen Regiobus den Busverkehr in der Region Hannover bereits frühzeitig eingestellt. Seit dem Betriebsbeginn am Sonntag fahren die Busse aber wieder. Die Stadtbahnen fuhren hingegen auch am Samstagabend weiter, ebenso die S-Bahnen der Deutschen Bahn. Nach Angaben von Üstra-Sprecher Udo Iwannek war aber "das Risiko zu groß, um mit den Bussen auf derart glatten Straßen zu fahren". Auch Regiobus-Sprecher Tolga Otkun betonte, dass die Straßen in der Region einfach zu glatt gewesen seien, um noch Fahrzeuge rauszuschicken.

Das zeigte auch ein Unfall, der sich am Abend in Bemerode ereignete: Ein Bus der Üstra-Linie 123 prallte an der Kreuzung Bemeroder Straße / Lange-Hop-Straße gegen einen Laternenmast. Der Bus wurde beschädigt, unter anderem barst eine Fensterscheibe. Mehrere Streufahrzeuge versuchten, die Kreuzung für den Bus wieder befahrbar zu machen.

Unfall mit einem Üstra-Bus in Bemerode. Quelle: Ronald Meyer-Arlt

Am frühen Abend rutschte auf der Hildesheimer Straße in Döhren ein Auto in die Stadtbahngleise. Der Verkehr auf der Linie 8 wurde in beiden Richtungen vorübergehend eingestellt, weil die Üstra keinen Ersatzverkehr einrichten konnte.

Fußgänger stürzen auf aalglatten Straßen

Auch für Fußgänger war es seit dem späten Nachmittag gefährlich. HAZ-Fotograf Michael Thomas berichtete von zahlreichen Passanten, die auf den spiegelglatten Straßen stürzten. Die Medizinische Hochschule Hannover sagte auf Anfrage, dass in der Notaufnahme sehr viel zu tun sei. Genaue Zahlen konnte sie am Abend nicht nennen.

Bei Minusgraden und Eisregen ist es im Norden Deutschlands zu glatten Straßen und Gehwegen gekommen.

Bis zum Sonnabendnachmittag war es im gesamten Norden Deutschlands bereits zu zahlreichen Verkehrsunfällen aufgrund von Glatteis gekommen. So war auf der Autobahn 7 bei Flensburg ein Laster umgekippt, der Fahrer wurde dabei schwer verletzt. Auf der A30 bei Bentheim wollte eine Lkw-Fahrerin zwei Räumfahrzeuge überholen, die ihr laut Polizei offenbar zu langsam fuhren. Auf der schneebedeckten Überholspur kam sie mit ihrem leeren Sattelschlepper ins Schleudern und kollidierte mit der Leitplanke. 

Von Frerk Schenker und Isabel Christian (mit: jos/fgr/rom/dpa)