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Aus der Stadt Deutschkurse werden immer begehrter
Hannover Aus der Stadt Deutschkurse werden immer begehrter
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22:13 03.01.2017
Von Bärbel Hilbig
Beraterin Barbara Haub prüft, ob der Bildungsverein einen passenden Deutschkurs für Faqirshah Habibi (rechts) und Amin Hosseini im Angebot hat.
Beraterin Barbara Haub prüft, ob der Bildungsverein einen passenden Deutschkurs für Faqirshah Habibi (rechts) und Amin Hosseini im Angebot hat. Quelle: Katrin Kutter
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Hannover

Der Umbau war notwendig, das zeigte sich am Dienstag schon am ersten Tag. Der Bildungsverein Hannover hat in der Weihnachtspause einen Raum zum Beratungsbüro umgebaut. Und kaum öffnete das Stammhaus in der Lister Wedekindstraße, standen Menschen Schlange. So wie Faqirshah Habibi und Amin Hosseini aus Afghanistan, die dringend Deutsch lernen wollen.

Drei Mitarbeiterinnen können nun parallel bei der Anmeldung beraten. „Vor allem Menschen, die sich für einen Deutschkurs anmelden wollen, kommen persönlich und buchen nicht online wie andere“, berichtet Geschäftsführer Wolfgang Niess.

Deutsch ist stark nachgefragt

Mit dem Beratungsbüro reagiert der Bildungsverein auf den deutlichen Anstieg der Nachfrage nach Deutschunterricht. Bereits Mitte 2015 hat der Verein im Rang einer Volkshochschule deshalb in Hainholz einen Standort eröffnet, an dem ausschließlich Deutschkurse laufen. Der - meist staatlich finanzierte - Sprachunterricht für Einwanderer macht inzwischen mehr als die Hälfte der Gesamttätigkeit des Bildungsträgers aus. Das liegt vor allem am Umfang der geförderten Deutschkurse, die rund 200 Stunden umfassen. Ein Standardkurs Spanisch, Yoga oder Rhetorik dauert dagegen 30 Stunden.

Seit 2015 stellt Niess jedes Jahr eine weitere Mitarbeiterin für Anmeldung und Beratung ein. Dieses Jahr kommt voraussichtlich die neunte Beraterin dazu. Und wenn die Deutschschüler wieder weniger werden? Niess glaubt nicht daran. „Schon vor der großen Flüchtlingsbewegung von 2015 hatten wir eine ständig steigende Nachfrage nach Deutschunterricht.“

Die Einwanderung ist aus Sicht von Niess ein stetiger Prozess. Neben den Flüchtlingen kommen Menschen, die bessere berufliche Chancen für sich erhoffen. Spanier, Bulgaren, Polen: In den regulären Deutschkursen, die oft abends laufen, sitzen viele Einwanderer aus Ländern der Europäischen Union. „Viele haben Jobs auf dem Bau und stellen fest, dass sie mehr lernen müssen, wenn sie nicht nur Hilfsarbeiter bleiben wollen.“

Unter den Deutschschülern finden sich auch Au-Pairs, die Familien im Haushalt helfen, und auch ein Briefträger, der die Adressen auf Umschlägen zwar lesen und zuordnen konnte. Aber sobald ihn ein Kollege über eine Änderung des Zustellbezirks informieren wollte, verstand der Mann nicht genug und wurde unsicher.

Kurse auch für Ärzte

In einem speziellen Programm lernten 2015 und 2016 außerdem eingewanderte Ärzte Deutsch. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge und der Europäische Sozialfonds finanzieren auch solche Kurse für Hochqualifizierte. Seit Mitte 2016 laufen beim Bildungsverein außerdem umfangreiche Kurse, in denen sich Flüchtlinge vor allem aus Syrien, dem Irak und dem Iran aufs Studium vorbereiten.„Manche Teilnehmer haben schon in ihren Heimatländern studiert.

Es fehlt ihnen in erster Linie die Sprache“, sagt Deutschkoordinator Udo Husmann. Die Leibniz-Uni prüft die Voraussetzungen der Teilnehmer und stellt im Kurs Studienangebote vor. Das Land hat die ersten Kurse finanziert. „Wir hoffen, dass es weitergeht, denn die Nachfrage ist groß.“

Größter Anbieter für Deutsch in Niedersachsen

Der set 1986 bestehende Bildungsverein Hannover ist seit zwei Jahren der größte Anbieter für Deutsch in Niedersachsen. 2014 gaben die Dozenten 38  000 Stunden, im Folgejahr 42 000 und 2016 rund 48 000 Stunden. Zum Vergleich: Die insgesamt größere Volkshochschule Hannover kam 2015 auf 27  000 Stunden Deutsch.

Insgesamt gaben die 230 freiberuflichen Dozenten des Bildungsvereins 2016 rund 90 000 Unterrichtsstunden. Es liefen 1800 Kurse in Bereichen wie Gesundheit, Sprachen, EDV, Rhetorik, kultureller und berufliche Bildung. Die 370 Deutschkurse machen also nur einen Bruchteil des gesamten Angebots aus, fallen aber durch ihre hohe Stundenzahl stärker ins Gewicht. 2016 besuchten rund 23 000 Menschen Kurse beim Bildungsverein. Im Jahr 2014 gab es noch 22 000 Teilnehmer. 2014 lernten 2600 Sprachschüler Deutsch, 2016 haben 2900 Menschen Deutschkurse belegt. Manche Teilnehmer belegten mehrere Deutschkurse nacheinander.    

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