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Aus der Stadt Dezernatspoker irritiert Hannovers Kunstszene
Hannover Aus der Stadt Dezernatspoker irritiert Hannovers Kunstszene
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09:46 04.02.2015
Von Andreas Schinkel
Die SPD-Ratsfraktion hatte dem Vorschlag von Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD) eine Absage erteilt, Kulturbüro, Museen und Bibliotheken dem Personaldezernat zuzuschlagen. Quelle: Christoph Schmidt
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Hannover

In einem Brief an die SPD-Ratsfraktion wendet sich die bildende Künstlerin Marion Gülzow gegen die Forderung der Genossen, die Kulturverwaltung mit der Sozialbehörde in einem Dezernat zusammenzufassen. „Das wirkt, als würde man alle Bedürftigen unter einem Dach versammeln“, sagt Gülzow im Gespräch mit der HAZ. Die Künstlerin steht mit ihrem Einwand nicht allein. Bereits im vergangenen Jahr haben hannoversche Künstler eine Liste mit rund 340 Unterschriften im Rathaus abgegeben. Tenor der Schrift: Die Kulturverwaltung darf nicht zersplittert und als Anhängsel vermeintlich bedeutenderer Ämter betrachtet werden.

Die SPD-Ratsfraktion hatte vergangene Woche dem Vorschlag von Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD) eine Absage erteilt, Kulturbüro, Museen und Bibliotheken dem Personaldezernat zuzuschlagen. Stattdessen beschloss die Fraktion, das Kulturamt mit dem Sozialdezernat zusammenzulegen. Hintergrund für die Veränderungen ist der Wunsch von SPD und Grünen, die Dezernatsverteilung zu verändern. Ende des Jahres läuft die Amtszeit der derzeitigen Kultur- und Schuldezernentin Marlis Drevermann (SPD) aus, Anfang kommenden Jahres endet der Vertrag von Sozialdezernent Thomas Walter (CDU).

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SPD-Kulturpolitikerin Belgin Zaman kann die Bedenken in der Künstlerszene verstehen. „Die Kulturverwaltung darf nicht zergliedert, sondern muss in einem Dezernat konzentriert werden“, sagt sie im Gespräch mit der HAZ. Zudem wünscht sie sich einen Dezernenten, der „standhaft“ bleibt, wenn es um Kürzungswünsche aus der Kämmerei geht. „Wir brauchen jemanden, der für die Kultur kämpft“, sagt Zaman.

Unterdessen hat sich auch der grüne Koalitionspartner erneut mit der Dezernatsumbildung beschäftigt. „Für uns hat sich nichts geändert“, heißt es schmallippig aus Kreisen der Grünen. Das bedeutet, dass die Grünen noch immer dem Vorschlag von OB Schostok folgen, die Kulturverwaltung in die Hände von Personaldezernent Harald Härke (parteilos) zu geben. Damit widersprechen die Grünen jedoch dem Wunsch der SPD-Ratsfraktion.

Am kommenden Donnerstag trifft sich die SPD-Fraktion zu einer außerordentlichen Sitzung, um noch einmal über die Dezernatsverteilung zu sprechen. Die Stimmung in der Fraktion ist angespannt. Zugesetzt hat den Genossen der Vorstoß des städtischen Personalrats Ende vergangener Woche. Personalvertreter aus dem Kulturamt hatten sich für die Schostok-Lösung ausgesprochen.