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Aus der Stadt Diakonie in Hannover zahlt freiwillig mehr
Hannover Aus der Stadt Diakonie in Hannover zahlt freiwillig mehr
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10:27 16.02.2012
Von Thorsten Fuchs
Diakonie Hannover zahlt mehr Geld.
Das freut viele Pflegekräfte: Diakonie Hannover zahlt mehr Geld. Quelle: dpa (Symbolbild)
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Hannover

Ärzte erhalten demnach ab sofort 2,9 Prozent, alle übrigen Mitarbeiter 1,6 Prozent mehr Geld. „Wir wollen, dass unsere Mitarbeitenden endlich mehr Geld verdienen“, erklärte Utz Wewel, Sprecher der Geschäftsführung der Diakonischen Dienste (DDH). Von Mitarbeitervertretern kam hingegen Kritik: Ihnen geht der Schritt nicht weit genug.

Beschäftigte, die unzufrieden sind, obwohl der Arbeitgeber aus eigenem Entschluss mehr zahlt – diese Situation ist Ausdruck eines verfahrenen und erbitterten Grundsatzstreits, der die Diakonie seit Monaten erschüttert. Im April hatten die Arbeitnehmer die Kommission verlassen, die die Löhne in der niedersächsischen Diakonie aushandelt. Sie forderten ein Ende des kirchlichen Sonderwegs im Arbeitsrecht, des sogenannten „Dritten Wegs“, der unter anderem Streiks verbietet. Die Tarifverhandlungen sind seitdem unterbrochen. Seit 2010 gab es keine Lohnerhöhung mehr.
„Der Unmut der Beschäftigten war spürbar“, sagte DDH-Sprecher Achim Balkhoff am Mittwoch zur Begründung dafür, dass die Diakonischen Dienste Hannover, zu denen unter anderem das Annastift, das Friederikenstift und die Henriettenstiftung gehören, nun auf eigene Faust die Tarife erhöhen. Allerdings geht man in Hannover nicht so weit wie das Evangelische Krankenhaus in Oldenburg, das aus der Reihe der Diakonie-Arbeitgeber ausscherte und nun direkte Tarifverhandlungen mit den Gewerkschaften führt.

Die Klinikleitung wollte damit die Abwanderung der Ärzte zu besser zahlenden Hospitälern stoppen. Die DDH dagegen wollen am „Dritten Weg“ festhalten: Dieser habe sich bewährt, sagte Wewel. Insgesamt kostet die Erhöhung die DDH in diesem Jahr 2,8 Millionen Euro. Leer gehen einzig die Beschäftigten der Henriettenstiftung Altenhilfe aus. Diese befände sich in einer „wirtschaftlichen Sanierungsphase“, teilte die DDH mit.

Die Entscheidung der DDH sei eine Reaktion auf die Streiks und ein Schritt in die richtige Richtung, sagte Sven De Noni von der Ärztegewerkschaft Marburger Bund. Unklar ist, ob sich der Unmut nun legt. „Der einseitige Entschluss und die Aufspaltung zwischen Ärzten und anderen Mitarbeitern werden die Situation nicht befrieden“, erklärte Georg Cravillon, Vorsitzender der DDH-Mitarbeitervertretung. Zudem falle die Erhöhung zu niedrig aus: „Nach der Nullrunde 2011 ist das Angebot ein Witz.“ Einen Streikaufruf für den 22. Februar haben ver.di und Marburger Bund am Mittwoch noch einmal erneuert.

Sonja Fröhlich 16.02.2012
Bernd Haase 16.02.2012