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Aus der Stadt Diakonie setzt auf Tablets bei der Beratung
Hannover Aus der Stadt Diakonie setzt auf Tablets bei der Beratung
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00:18 26.10.2017
Beraterin Dagmar Wölk-Eilers (links) und Migrationsreferentin der Diakonie in Niedersachsen Mareike Hergesell bei der Vorstellung des Projekts "HUBS". Quelle: Andrea Brack
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Hannover

Apps zeigen uns den Weg, sagen uns, wie das Wetter wird und wann die nächste Bahn kommt. Kurz: Sie machen uns das Leben ein wenig einfacher. Diesen Gedanken hat die Diakonie in Niedersachsen mit einem Modellprojekt in die Beratung für Schwangere übertragen. 47 der 57 Beratungsstellen in Niedersachsen wurden im August mit insgesamt 50 Tablets ausgestattet, die mit drei unterschiedlichen Apps arbeiten.

Das Projekt "HUBS" – Hilfe und Beratung für Schwangere – soll da helfen, wo die Beraterinnen oft an ihren Grenzen stoßen: Bei der Beratung von geflüchteten, schwangeren Frauen. Denn nicht nur die sprachlichen Barrieren machen die Beratungssituation schwierig: "Sexualität, Verhütung, Schwangerschaft und Schwangerschaftsabbruch sind sensible Themen und in vielen Ländern noch Tabu", sagt Eva-Maria Zabbée, Referentin für Familienhilfe der Diakonie, bei einer ersten Bilanz am Montag in Hannover.

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Die drei Apps, unter anderem von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und dem Gesundheitsministerium entwickelt, geben Erklärungen in Arabisch oder Russisch und zeigen Piktogramme, um Themen zu veranschaulichen. "Oft arbeiten wir mit Dolmetschern zusammen, aber wir erleben auch, dass Verwandte oder sogar die Kinder übersetzen. Das verändert die Beratungssituation und ist eher nicht erwünscht", sagt Beraterin Dagmar Wölk-Eilers. Die Tablets seien daher eine neue und willkommene Art der Unterstützung, erzählt sie.

"Möchte ich über die Geburt sprechen, dann wähle ich das Thema in der App aus und wechsle dann die Sprache", sagt Wölk-Eilers. Auch bei den Frauen käme die neue Technik gut an. "Smartphones und Apps sind für sie ein wichtiges Medium, sie sind da ganz geübt", sagt die Beraterin. Ein Problem gäbe es aber noch: Der WLAN-Empfang sei in den ländlichen Regionen noch zu schlecht. "In einigen Beratungsstellen funktioniert das noch nicht richtig, daran arbeiten wir", sagt Familienhilfereferentin Zabbée.

"HUBS" wird vom Niedersächsischen Gesundheitsministerium und der Evangelischen Kirche unterstützt. Das Projekt wurde zum Best Practice-Beispiel für das Zukunftsforum Niedersachsen gewählt und findet auch in anderen Bundesländern Zuspruch, zum Beispiel in Schleswig-Holstein. "Es ist ein Modellprojekt für die Diakonie bundesweit, von dem auch alle Frauen profitieren könnten", sagt Zabbée.

Von Andrea Brack

Andreas Schinkel 26.10.2017
Felix Harbart 26.10.2017