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Aus der Stadt Die Angst vor den Brandstiftern
Hannover Aus der Stadt Die Angst vor den Brandstiftern
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00:15 22.03.2015
Von Jörn Kießler
Bei dem Feuer, das am Mittwoch gegen 20.10 Uhr ausbrach, gehen die Experten von Brandstiftung aus.
Bei dem Feuer, das am Mittwoch gegen 20.10 Uhr ausbrach, gehen die Experten von Brandstiftung aus. Quelle: Uwe Dillenberg
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Hannover

Zum zweiten Mal innerhalb von nicht einmal 14 Monaten haben die Bewohner in einem Haus in Linden-Süd durch ein Feuer ihr komplettes Eigentum verloren, dass sie im Keller gelagert hatten. Die Polizei geht von Brandstiftung aus, wie auch in elf weiteren Fällen seit Anfang vergangenen Jahres. Auch am ersten Tag nach dem Brand kann Judith F. (Name geändert) es noch nicht ganz verstehen. Zum zweiten Mal innerhalb von nicht einmal 14 Monaten hat ein Feuer in dem Haus in dem sie in Linden-Süd lebt, alles zerstört, was die 31-Jährige im Keller gelagert hatte.

„Es ist wie beim letzten Mal“, sagt sie. Sie steht ungläubig vor den angebrannten Möbeln, den verkohlten Polstern und einem kaputten Koffer, die die Feuerwehr nach dem Brand an der Deisterstraße auf den Hof geräumt hat.

Nach Ermittlungen der Polizei ist der Kellerbrand in Linden-Süd auf Brandstiftung zurückzuführen.

Das letzte Mal, das war am 2. Februar im vergangenen Jahr. Gegen 18.30 Uhr war ein Feuer im selben kleinen Verschlag im Keller ausgebrochen und hatte einen Schaden von etwa 80.000 Euro verursacht. Die Brandermittler der Polizei machten am nächsten Tag einen technischen Defekt am Wäschetrockner von F. für den verheerenden Brand verantwortlich. Bei dem Feuer, das an diesem Mittwoch gegen 20.10 Uhr ausbrach, gehen die Experten der Kriminalfachinspektion 1 jedoch von Brandstiftung aus.

Eine große Überraschung ist das nicht. Seit Anfang vergangenen Jahres brannte es insgesamt zwölfmal in Linden-Süd. Lediglich eines der Feuer, bei denen insgesamt ein Schaden von fast 300 000 Euro entstand, wurde nicht vorsätzlich gelegt. Meist schlagen die Täter in den Kellerräumen von Mehrfamilienhäusern zu. Die von ihnen im Verborgenen gelegten Brände werden meist erst bemerkt, wenn der Rauch in die Wohnbereiche der Häuser gezogen ist.

Deshalb sind sie nach Meinung des Sachverständigen für Brand- und Explosionsursachenermittlung Frank Dieter Stolt, auch so gefährlich. „Nicht die Flammen werden den Hausbewohnern zum Verhängnis, sondern der entstandene Qualm und Rauch“, sagt der Sicherheitsexperte, der in mehreren Bundesländern die Brandermittler der Polizei ausbildet. Dass bei den vielen Bränden in Linden-Süd nur vier Personen leicht verletzt wurden, wirkt vor diesem Hintergrund wie ein Wunder.

In der Deisterstraße in Linden-Süd ist es erneut zu einem Kellerbrand gekommen. Die Feuerwehr rückte mit mehreren Löschfahrzeugen an.

Vor wenigen Wochen erst hatte sich die Langenhagener Feuerwehr nach einem Kellerbrand für Rauchmelder in allen Räumen eines Gebäudes ausgesprochen und anklingen lassen, dass die Rauchmelderpflicht in Niedersachsen nicht weit genug gehe. Zwar sind Rauchmelder für Neubauten seit 2012 Pflicht, Eigentümer von älteren Gebäuden müssen bis Ende Dezember nachrüsten. Jedoch besteht die Installationspflicht der elektronischen Lebensretter nur in Schlafräumen und Kinderzimmern sowie Fluren, über die Rettungswege führen. „Natürlich wäre es sehr gut, wenn Hauseigentümer von sich aus auch in Treppenhaus und Keller Feuermelder anbringen würden“, sagt Hannovers Feuerwehrsprecher Michael Hintz. Erst am 26. Februar konnte ein Kellerbrand in Davenstedt ohne Verletzte und größeren Schaden gelöscht werden, weil ein im Keller installierter Rauchmelder die Bewohner frühzeitig gewarnt hatte.

Die Polizei fahndet derweil weiter nach den unbekannten Brandstiftern von Linden-Süd. Zeugen, die Hinweise zu der Tat am Mittwoch geben können, werden gebeten, sich unter der Telefonnummer (05 11) 1 09 55 55 zu melden.

300 000 Euro Schaden bei zwölf Bränden

2. Februar 2014, 15.45 Uhr, Deisterstraße: Im Kellerraum eines Mehrfamilienhauses gerät ein Wäschetrockner nach einem technischen Defekt in Brand. Schaden: 80 000 Euro.

18. Februar 2014, 17.45 Uhr, Wesselstraße: Unbekannte legen im Keller eines Mehrfamilienhauses Feuer. Schaden: 50 000 Euro.

9. März 2014, 22.50 Uhr, Charlottenstraße: Brandstifter zünden einen im Treppenhaus abgestellten Kinderwagen an. Schaden: 10 000 Euro.

20. März 2014, 6 Uhr, Charlottenstraße: Unbekannte legen im Keller eines Mehrfamilienhauses Feuer. Schaden: 30 000 Euro.

25. März 2014, 3.15 Uhr, Deisterstraße: Vor einer Kneipe gerät ein Strandkorb in Brand. Die Polizei ermittelt wegen Sachbeschädigung. Schaden: 5 000 Euro.

12. April 2014, 11 Uhr, Göttinger Straße: Im Keller eines Mehrfamilienhauses bricht ein Feuer aus. Ob der Brand vorsätzlich oder aus Fahrlässigkeit gelegt wurde, ist unklar. Schaden: 5 000 Euro.

27. August 2014, 19.45 Uhr, Im Ihlpohl: In einem Schuppen in einer Kleingartenanlage wird Feuer gelegt. Schaden: 5 000 Euro.

7. September 2014, 18.20 Uhr, Göttinger Straße: Unbekannte stecken einen Abfallcontainer in Brand. Schaden: 300 Euro.

23. November 2014, 13.40 Uhr, Göttinger Straße: Brandstiftung im Trockenraum eines Mehrfamilienhauses. Schaden: 10 000 Euro.

21. Dezember 2014, 3.30 Uhr, Roesebeckstraße: Unbekannte zünden einen an der Straße geparkten Alfa Romeo an. Schaden: 15 000 Euro.

16. Februar 2015, 9.30 Uhr, Charlottenstraße: Im Keller in einem Mehrfamilienhaus wird Feuer gelegt. Vier Personen werden durch den Rauch sogar leicht verletzt. Der Schaden beträgt 50 000 Euro.

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