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Aus der Stadt Hauptsache nackt
Hannover Aus der Stadt Hauptsache nackt
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00:26 21.11.2015
In den Anfangszeiten der legendären Stripperclique aus dem englischen Club "Chippendale's" waren Männer bei den Shows nicht erlaubt.  Quelle: Hagemann
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Hannover

Wenn Männer darüber nachdenken, in welchen Situationen Frauen Männer sexy finden, geht die Klischee-Schublade auf. Und bei den Chippendales muss man aufpassen, dass sie nicht komplett aus dem Schrank fällt. Zugegeben, Strippen ist nichts besonders Intellektuelles. Hauptsache, der Kerl sieht gut aus. Um aber ganze zweieinhalb Stunden mit Männern, die sich ausziehen, zu füllen, muss man sich schon was einfallen lassen. Zum Glück können sich die Chippendales auf ihr Publikum verlassen. Die weiblichen Fans im ausverkauften Theater am Aegi kreischen schon lautstark, noch bevor das erste Shirt geflogen ist.  

Viel nackte Haut gab es am Mittwochabend im Theater am Aegi zu sehen. Die Stripper der Chippendales brachten mit ihren muskulösen Körpern und lasziven Tanzeinlagen das weibliche Publikum zum Kreischen. 

In den Anfangszeiten der legendären Stripperclique aus dem Los Angeles-Club "Chippendale's" waren Männer bei den Shows nicht erlaubt. Akute Eifersuchtsgefahr. Heute dürfen Männer zwar auch ins Publikum, doch eine Errungenschaft scheint das für die Wenigsten zu sein. Die Mönnerquote liegt an diesem Abend unter 1 Prozent.  Dafür ist der Saal voll mit gestylten besten Freundinnen, Junggesellinnen-Abschieden und Mutter-Tochter-Gespannen. Und die sind ganz bei der Sache. Die Stripper zeigen das gestählte Sixpack - lautes Gekreische. Die Stripper schwingen lasziv die Hüften - noch lauteres Gekreische. Die Stripper reißen sich die Slips vom Körper und zeigen ihren Po - ohrenbetäubendes Gekreische. Dazu gibt's Popsongs, in denen es um Sex geht und... ach, lassen wir das. 

Man könnte nun meinen, nach ein-, zweimal ausziehen hat man alles gesehen. Weit gefehlt. Die Chippendales bemühen jede Situation, in denen Frauen Männer mutmaßlich sexy finden. Auf der Baustelle, in Soldatenkluft, als Höhlenmenschen und im Sex-Folterkeller a la "Fifty Shades of Grey". Bei Mission Impossible ist nicht ganz klar, ob das Vorbild die Actionhelden sind oder der durchschnittliche Bürohengst aus dem Marketing, der sich vielleicht nicht nackt, aber bestimmt ebenso anzüglich auf seinem Bürostuhl räkeln kann. Was fehlt, sind allerdings der Mann am Herd, der Mann am Bügelbrett und der Putzlappen, wenn sich der muskelbepackte Brünette in der Dusche das Wasser über den Körper rinnen lässt.  

Doch darum geht's nicht. Die Frauen wollen hübsche Männer anschauen und das Ideal dazu ist schließlich auch Klischee. 

von Isabel Christian

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