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Aus der Stadt Die Christuskirche mal ganz anders
Hannover Aus der Stadt Die Christuskirche mal ganz anders
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20:38 30.05.2013
Von Veronika Thomas
Bisher wurden hier oben 25 Kubikmeter Holz verbaut: Bauingenieur Constantin Anastasiou im erneuerten Dachstuhl der Christuskirche. Quelle: Thomas
Hannover

Ob der Dachstuhl schon beim Bau der Christuskirche mangelhaft konstruiert wurde oder erst bei ihrem Wiederaufbau ab 1951, darauf will sich Constantin Anastasiou nicht eindeutig festlegen. Schon im Jahr 2000 hatte der Bauingenieur erste Berichte über Gewölbeschäden in dem vom Baumeister Conrad Wilhelm Hase entworfenen Kirchenbau erhalten. „Damals hieß es, die Risse kämen von der U-Bahn“, erzählt der 61-Jährige. Jetzt, 13 Jahre später, ist die Erneuerung des Dachstuhls weitgehend abgeschlossen, auch das Dach mit einer Fläche von 1700 Quadratmetern musste komplett neu eingedeckt werden.

Als das Dach des neugotischen Backsteinbaus 2006 genauer unter die Lupe genommen wurde, stellten die Planer fest, dass die ganze Konstruktion derart sparsam ausgeführt worden war, dass „die Statik nicht funktionierte“, berichtet Anastasiou. „Die Sparren waren zu dünn, und es waren viel zu wenige, um die Last des Daches aufzunehmen.“ Dadurch konnte sich die ganze Konstruktion unkontrolliert bewegen - mit der Folge, dass Risse in der Eindeckung, aber auch in den vier darunter liegenden, zentralen Kreuzgewölben entstanden. Jahrelang regnete es dadurch in die Kirche hinein, schließlich wurde noch ein Hausschwammbefall festgestellt.

Das Dach der Christuskirche wird momentan sturmfest eingedeckt. Die Bauarbeiten ermöglichen einen interessanten Blick auf den Dachstuhl.

„Alle tragenden Hölzer waren verfault, weil Wasser über den First bis zur Traufe unkontrolliert eindringen konnte“, erzählt der Bauleiter und Planungsingenieur, der die Dachsanierung seit 2008 begleitet. Fast alle Tragbalken und Sparren wurden seither ausgetauscht und noch intakte Teile verstärkt, bisher wurden so insgesamt 25 Kubikmeter Holz verbaut. „Die Schäden waren heftig“, sagt Zimmermann Friedhelm Feddeler aus Rodewald, der die Arbeiten mit seinem Kollegen Anatol Hohlof seit 2009 ausführt, die Winter inklusive. „Aber es war eine interessante Arbeit, bei der man hier oben viel Zeit mit dem lieben Herrgott verbringt.“

Zur Stabilisierung der 3,5 Tonnen schweren Dachkonstruktion wurden die Balken über den Gewölben mit Spannankern versehen, um die Außenmauern der Kirche zu entlasten. „Wenn wir nicht saniert hatten, wären die Kirchenmauern irgendwann eingestürzt, weil sie die Last nicht mehr hätten tragen können.“ Dach und Gewölbe bringen es immerhin auf ein Gewicht von 50 Tonnen, die auf den Pfeilern im Kircheninneren lasten.

Im Zuge der Dachsanierung mussten auch mehr als 20 Tonnen Schutt abtransportiert werden, die auf den Gewölben lagen. Ob es sich um Trümmerschutt aus dem Jahr 1943 handelte, als die Kirche durch Luftangriffe schwer beschädigt wurde, oder schon vorher zur Stabilisierung aufgeschüttet wurde, ist unklar. Inzwischen ist der gesamte Dachbereich durch nachträglich eingebaute Laufstege in drei Ebenen begehbar und damit jederzeit zu kontrollieren. Obgleich die Sanierungsarbeiten in 30 Metern Höhe noch nicht ganz abgeschlossen sind, weil es immer noch Stellen gibt, die untersucht und saniert werden müssen, rechnen das Bauamt der Landeskirche und Planungsingenieur Anastasiou damit, die Bauarbeiten im Herbst abschließen zu können. 665000 Euro kostet das neue Dach, wovon die Landeskirche Hannover 615000 Euro zahlt, die restlichen 50000 Euro übernimmt der Stadtkirchenverband.

Der 2,4 Millionen Euro teure Um- und Ausbau der Christuskirche zu einem „Internationalen Chorzentrum“ einschließlich eines Konzert- und Probenraums für den Mädchenchor Hannover dauert etwas länger. Fest steht, dass es am ersten Weihnachtsfeiertag einen Radiogottesdienst mit dem Mädchenchor geben wird, egal, ob noch gebaut wird oder nicht. „Spätestens zum 150. Kirchengeburtstag am 21. September 2014 sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein“, sagt Pastorin Stefanie Sonnenberg. Für sie hatten die Bauarbeiter gestern eine besondere Überraschung parat: einen von sechs verbliebenen historischen kleinen Sternen aus vergoldetem Kupferblech, der unter einer dicken Farbschicht in der Gewölbedecke verborgen war. Zurzeit verkauft die Kirche 190 rekonstruierte Kupfersterne für jeweils 500 Euro an sogenannte Sternpaten, weil noch rund 60000 Euro für den Innenausbau fehlen. Die kleinen Exemplare kosten 250 Euro. Sternpaten können sich unter (0511) 16768616 beim Förderverein der Christuskirche melden.

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