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Aus der Stadt Die Jugend gibt den Ton an
Hannover Aus der Stadt Die Jugend gibt den Ton an
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21:15 23.01.2014
Von Bärbel Hilbig
Aurel tritt als Klaviersolist an. Quelle: Philipp von Ditfurth
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Hannover

Nun geht es auf die Zielgerade. Sonntag wird Hannah Gollek vor einer Jury vermutlich recht ernsthaft blickender Menschen gemeinsam mit ihren Triopartnern Max an der Oboe und Shajan am Fagott zeigen, wie gut die drei inzwischen spielen. Seit den Sommerferien bereitet die Elfjährige sich mit ihrer Klarinette auf den Auftritt bei Jugend musiziert vor. „Na ja, bei mir ist das immer so eine Sache. Vorher habe ich so ein Kribbeln im Bauch. Aber wenn es losgeht, konzentriere ich mich, und dann klappt meistens auch alles.“

Hannah macht bereits zum dritten Mal beim Regionalwettbewerb in Hannover mit und freut sich darauf. Instrumentallehrer Thomas Siebert hat passende Stücke für das Trio ausgesucht, an den Wochenenden trainieren die drei Musikschüler mit ihm. Mehrmals hat Siebert jetzt zur Vorbereitung auch kleine Auftritte für seine Schützlinge arrangiert, damit sie Räume mit unterschiedlicher Akustik kennenlernen. „Sonst sind wir Sonntag vielleicht überrascht, wenn alles anders klingt, und verspielen uns“, erklärt Hannah.

Die Monate vor dem Wettbewerb sind auch für die Eltern eine Phase angespannter Erwartung. Da die Kinder so häufig üben, lernen auch die Eltern die Stücke zwangsläufig sehr genau kennen. „Man spielt im Geiste mit und hört am Ende auch jeden Fehler, selbst wenn man nicht musikalisch ist“, erzählt ein Vater. Barbara Dawidiuk und ihrem Mann ergeht es da anders. „Für uns ist es wie ein Abenteuer, dass unser Sohn so viel musiziert. Es ist toll, jeden Tag so viel Musik erleben zu können.“

Nachgefragt

„Heiliger Akt vor dem Komponisten“

Herr Vogt, Sie haben mehrfach beim Wettbewerb Jugend musiziert teilgenommen. Haben Sie ihn in guter Erinnerung?
Es waren tolle Gelegenheiten, ein Programm vorzubereiten und zur Auftrittsreife zu bringen. Ich habe als Siebenjähriger das erste Mal mitgemacht. Das war in meiner Heimatstadt Düren. Als 13-Jähriger, da bin ich zum Unterricht schon immer nach Hannover gefahren, habe ich zum ersten Mal den Bundeswettbewerb in Nürnberg gewonnen.

Was hat Sie gereizt, immer wieder mitzumachen?
Es gab eine Menge Ehrgeiz und Motivationsschübe. Aber man muss auch sagen: Vergleichende Wettbewerbe sind in der Musik längst nicht immer toll. Da gibt es auch große Enttäuschungen. Ich fühlte mich auch mal ungerecht bewertet.

Waren Sie nervös im Wettbewerb?
Ja, völlig aufgeregt. Ich hatte mit Auftrittsnöten zu kämpfen. Ein bisschen ist das auch heute noch so. Professor Karl-Heinz Kämmerling, bei dem ich damals in Hannover studiert habe, hat mir mal tröstend gesagt: „Aufgeregt ist nur der, der viel zu sagen hat.“

Welches Renommee hat Jugend musiziert in der Welt der Klassik?
Er ist ein erster Schritt, und das wird schon auch in einem gewissen Rahmen wahrgenommen. Aber mehr als das auch nicht. Das ist aber bei den Wettbewerben der Erwachsenen nicht anders. Die Kritiker haben überall spitze Ohren.

Was bringt er den Teilnehmern?
Es gibt kleine Stipendien für die, die erfolgreich abschneiden. Und es gibt Zeichen, dass die Gesellschaft es honoriert, dass sich einer so eingehend mit seinem Instrument, einem Komponisten und dem Werk beschäftigt. Gute Musiker sitzen so viel Zeit für sich allein an ihrem Instrument. Da ist jedes Zeichen der Anerkennung willkommen und richtig.

Wie war zur Zeit Ihrer Wettbewerbsteilnahmen die Atmosphäre unter den jungen Konkurrenten?
Es ist schon so, dass ich da auf Gleichgesinnte traf, die auch so viel Zeit für die Musik verwenden wie ich.

Verfolgen Sie Jugend musiziert heute noch?
Ja, denn ein Schüler, elf Jahre alt, aus Magdeburg, den ich an der Hochschule in Hannover unterrichte, ist dieses Mal auch dabei. Ich habe ihm gesagt: „Ein Auftritt ist immer ein heiliger Akt dem Komponisten gegenüber. Und es ist egal, ob das bei Jugend musiziert oder in der Carnegie Hall ist.“

Interview: Volker Wiedersheim

Beide spielen kein Instrument, ihr Sohn Aurel schon - und um so intensiver. Dreimal in der Woche bekommt er Klavierunterricht, zweimal Geige, außerdem singt der 13-Jährige im Knabenchor. Er versucht, jeden Tag mindestens eine Stunde Klavier zu spielen, denn am Sonntag will Aurel zum ersten Mal als Klaviersolist bei Jugend musiziert mitmachen. „Das ist noch aufregender als sonst“, sagt Aurel, der neben seiner Begeisterung für Musik glühender Fan von Hannover 96 ist.

Am Sonntag begleitet Aurel auch seinen Mitschüler Lorenz, der als Sänger antritt. Zusätzlich zu allem Unterricht treffen die beiden Jungen sich deshalb im Chorheim des Knabenchors mit Stimmbildner Nils Ole Peters. Der zwölfjährige Lorenz singt schon seit 2006 im Chor. Zwei Sopranarien, ein von Mozart vertontes Volkslied und ein Bernstein-Stück, gehören zum anspruchsvollen Programm, das Peters mit den Jungen zusammengestellt hat. „Das ist spannend, sonst singe ich immer im Chor“, sagt Lorenz.

Seit Jahren beobachten die Organisatoren von Jugend musiziert die Entwicklung der Teilnehmerzahlen mit Sorge. Die verkürzte Zeit bis zum Abitur am Gymnasium setzt Schüler unter Druck. Die Zunahme von Ganztagsunterricht in allen Schulformen lässt Kindern ebenfalls oft weniger Raum, Gesang oder ein Instrument intensiv zu erlernen.

In Hannover gab es dieses Jahr jedoch ungewöhnlich viele Anmeldungen zum Wettbewerb. Mit Hannah, Aurel und Lorenz treten insgesamt 145 Kinder und Jugendliche an, allein 60 am Klavier. „Fast die Hälfte der Klavierspieler findet sich in den höheren Altersgruppen, bei den 14-Jährigen und darüber, also genau in der Phase, in der sie alle über die Belastung in der Schule klagen“, sagt Daniela Aßmus, Geschäftsführerin des Regionalwettbewerbs Hannover. Und mit 18 Jungen und Mädchen überraschend viele Teilnehmer haben für Sonntag als Solisten das eher wenig verbreitete Instrument Harfe gewählt. Die Ursache für eine solche Häufung ist meist, wie in diesem Fall, die Arbeit von besonders engagierten Musikpädagogen.

Eine Sonderrolle für den Wettbewerb in Hannover spielen jedes Jahr Kinder und Jugendliche, die am Institut zur Frühförderung musikalisch Hochbegabter (IFF) der Musikhochschule Hannover intensiven Unterricht genießen. Manche ziehen wegen der besonderen Förderung eigens nach Hannover und stellen im Wettbewerb natürlich eine starke Konkurrenz dar. „Es besteht immer die Gefahr, dass die anderen Musikschüler sich vom Wettbewerb abschrecken lassen“, sagt Bernd-Christian Schulze, Vorsitzender des Regionalwettbewerbs. Die Jury achte deshalb darauf, Teilnehmer ohne diese Sonderförderung in der Wertung nicht zu benachteiligen. „Wir wollen besondere Begabungen genauso fördern wie das Musizieren als engagiertes Hobby. Bisher scheint uns das zu gelingen.“

Der Wettbewerbsvorsitzende ist über die hohe Teilnehmerzahl natürlich erfreut. Dennoch macht Schulze, selbst Dozent für Klavier an der Musikhochschule, sich wenig Illusionen. Der Landesmusikrat, in dem Schulze sich ebenfalls engagiert, hat sich erst kürzlich bei einem Kongress mit den Auswirkungen der Ganztagsschule beschäftigt. Diskutiert wird zum Beispiel, ob sich der Instrumentalunterricht auch im Schulvormittag unterbringe lässt. „Es reicht nicht, wenn Schüler erst ab 17 Uhr Zeit dafür finden.“ Schulze plädiert für mehr Freiräume in und neben der Schule. „Kinder brauchen kulturelle Anregungen zur Persönlichkeitsbildung.“

Aus Sicht von Vera Tschira, Leiterin der städtischen Musikschule Hannover, hat Jugend musiziert weiter eine große Bedeutung für Kinder, die ein Instrument lernen. „Die Teilnahme löst meist einen Entwicklungsschub aus, weil die Schüler sich ein Ziel setzen.“ Der Auftritt vor einer Jury sei eine wichtige Erfahrung und das Erlebnis meist positiv. Das sieht auch Hannah so. „Natürlich dauert das Vorbereiten lange. Aber es ist ein schönes Gefühl, wenn man etwas erreicht.“

Wettbewerb läuft Sonntag von 9 bis 18 Uhr

Über den Wettbewerb

Zum Regionalwettbewerb Jugend musiziert treten an diesem Sonntag 145 Kinder und Jugendliche im Alter von sechs bis 21 Jahren in verschiedenen Altersgruppen an. Die Teilnehmer leben fast alle in Hannover, bei den Ensembles kommen einzelne Mitglieder auch aus andern Orten. Dieses Jahr gibt es Auftritte für Klavier solo, Gesang solo, Harfe solo, Bläser- und Streicherensemble. Die Art der Instrumente und Ensemblekombinationen wechselt jährlich. Der Wettbewerb läuft von 9 bis 18 Uhr im Haus der Jugend in der Maschstraße 22 sowie zum ersten Mal auch in der Grundschule Meterstraße 3. Dort spielen von 9 bis etwa 17 Uhr Klaviersolisten. Im Haus der Jugend werden gegen 20.30 Uhr die Ergebnisse bekannt gegeben. Vorher gibt es im Europasaal ab 19.30 Uhr ein musikalisches Programm. Teilnehmer, die im Regionalwettbewerb 23 bis 25 Punkte erreichen, qualifizieren sich für den Landeswettbewerb, der dieses Jahr vom 20. bis 23. März an der Musikhochschule Hannover stattfindet. Kinder in der Altersgruppe I können noch nicht in den Landeswettbewerb aufrücken, der die Altersgruppe II ab zehn Jahren voraussetzt. Zum Bundeswettbewerb sind junge Musiker ab der Altersgruppe III zugelassen – sie sind mindestens zwölf Jahre alt. Für einzelne jüngere Mitglieder in Ensembles gibt es Ausnahmen.

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