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Aus der Stadt Die Leine-Insel am Leibnizufer erhält eine neue Chance
Hannover Aus der Stadt Die Leine-Insel am Leibnizufer erhält eine neue Chance
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22:40 06.06.2010
Von Conrad von Meding
Die wohl charmanteste Idee der Planer: Eine flache Brücke soll über die Leine führen, von der aus man „die Beine ins Wasser baumeln“ lassen kann. Quelle: Handout
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Drei Neubauten an der Ecke Brühlstraße, an der Schlossbrücke und am Friederikenplatz sollen Akzente setzen und die oft beklagte Trennung von Altstadt und Calenberger Neustadt aufheben. Die wohl charmanteste Idee der Planer aber ist, die nach dem Krieg nicht wieder aufgebaute Brücke in Höhe Beginenturm als symbolische Furt neu zu errichten: Eine flache Brücke soll über die Leine führen, von der aus man „die Beine ins Wasser baumeln“ lassen kann, wie Architekt Lutz Schleich am Sonntag sagte.

Für eine Überraschung sorgte, dass die Jury den Entwurf des Büros Sinai (Berlin) mit einem zweiten Preis ausgezeichnet hat und damit der Idee einer Rekonstruktion der nach dem Krieg zugeschütteten Leineinsel eine neue Chance gibt. Die Jury hatte im ersten Durchgang alle echten Inselentwürfe, die sich am historischen Vorbild orientierten, ausgemustert und damit heftige öffentliche Reaktionen ausgelöst. Der Sinai-Entwurf spielt jetzt mit dem Insel-Gedanken. Er lässt weiterhin den Großteil des Leinewassers am Landtag den Wasserfall hinabstürzen. Zusätzlich führt er aber in einem großen Bogen einen zweiten Wasserarm am Hauptstaatsarchiv vorbei. So entsteht gegenüber dem Schloss eine Insel. Die öffentliche Debatte habe die Jury nicht unbeeindruckt gelassen, sagte Stadtbaurat Uwe Bodemann am Wochenende bei der Präsentation der Pläne. Man wolle sich die Ideen des Sinai-Entwurfs offenhalten.

Auch bei drei weiteren Innenstadtarealen hat die Jury Erstplatzierte gekürt. Am Klagesmarkt setzte sich das Team Astoc (Köln) mit seinem Entwurf für zwei Baublöcke mit einem Hochhaus als Pendant zum DGB-Gebäude durch, zusätzlich soll an der Nikolaikapelle gegenüber vom Anzeiger-Hochhaus ein Stadtplatz entstehen. Am Marstall gewann Maxwan Architects aus Rotterdam mit dem Konzept, die beiden Platzenden zu bebauen und dazwischen einen modernen Stadtraum zu schaffen. Im Bereich Köbelinger Markt/Trammplatz gelang Trojan+Trojan (Darmstadt) mit einer einfühlsamen Planung für ein kleines Wohngebiet und Verbesserungen an Lessing- und Trammplatz der Sieg. Heute Abend werden die Pläne öffentlich präsentiert, sie sollen im Herbst in ein Innenstadtkonzept münden.

Erhält Hohes Ufer die alte Furt zurück?

Eine breite, aber ganz flache Brücke schwebt am Beginenturm über der Leine. Rechts und links hat sie keine Geländer und verbindet einladend das niedrige Ufer der Calenberger Neustadt mit dem Hohen Ufer der Altstadt. Einst war hier eine Furt, die den schnell dahinrauschenden Fluss passierbar machte – historisch der Ursprung des Handelspunkts Hannover. Das Architekturbüro Kellner Schleich Wunderling (KSW, mit Planungsbüro Nagel Schonhoff), das mit seinem Entwurf am Wochenende den City-2020-Wettbewerb für das Hohe Ufer gewonnen hat, will diese Furt mit der Brückenidee symbolisch wieder auferstehen lassen und hat dafür das einmütige Lob der Jury erhalten.

Die Leine in Hannovers Innenstadt sei bisher „wie ein kleines, grünes Monster, das nicht richtig wachgeküsst ist“, sagte die Juryvorsitzende Prof. Undine Giseke bei der Vorstellung der Pläne. Wenn die Straße Leibnizufer auf ein vierspuriges Maß zurückgebaut sei – was Verkehrsgutachten zufolge problemlos möglich wäre – und mithilfe kleiner Eingriffe stadträumliche Mängel behoben seien, dann habe dieses Areal die Chance, ein echtes Kleinod zu werden.

Das Büro KSW sieht zur besseren Verknüpfung von Altstadt und Calenberger Neustadt drei Neubauten vor. Ein „Bürgerforum“ könnte auf dem Friederikenplatz entstehen, ein „Haus des Wissens“ (vielleicht mit der Volkshochschule) an der Schlossbrücke gebaut werden, ein „Haus des Jazz“ an der Ecke Brühlstraße errichtet werden. Noch sind es nur Ideen, es gibt weder Baupläne noch Finanzierungspläne. Kein Wunder: Der Wettbewerb sortiert zunächst die Grundideen für Hannovers Innenstadt, er soll den Rahmen abstecken für die weitere Entwicklung in den nächsten Jahrzehnten.

Für die Leine selbst planen die KSW-Architekten einen durchgehenden Uferweg und eine Piazza an der Schlossbrücke; auf der Altstadtseite soll das Ufer zudem noch viel stärker belebt werden als bisher. Wie gut die Ideen kombinierbar sind mit dem zweitplatzierten Entwurf des Büros Sinai aus Berlin, das eine Leineinsel vorschlägt, wird sich im Herbst zeigen, wenn die Bauverwaltung alle Wettbewerbsergebnisse in ein Innenstadtkonzept gießt und den Politikern vorlegt.

Zunächst einmal lobte Stadtbaurat Uwe Bodemann am Wochenende, dass der Spagat des Wettbewerbs gelungen sei. Immer wieder war in den vergangenen zwei Jahren bei den Innenstadtdialogen die Sorge geäußert worden, dass Hannovers zentrale Grünräume zu sehr mit Neubauten verstellt werden. Diese Sorge dürfte nun mit den Entwürfen der Wettbewerbssieger genommen sein. Sowohl am Leineufer als auch an den anderen drei Stadträumen (Texte unten) ist ein Gleichgewicht zwischen Bebauung und Freiraum hergestellt – wenn auch bei den Details noch lange Debatten bevorstehen dürften.

- 500 neue Wohnungen entstehen: Ersten Schätzungen zufolge entstehen in den Neubauten aller vier Planungsräume bis zu 500 neue Wohnungen. Baurat Bodemann betonte, dass die Nachfrage nach modernem Wohnraum in der Innenstadt groß sei. Eine Stadt, die zukunftsfähig sein wolle, müsse Angebote zulassen. Durch den Verkauf der Grundstücke könnten die Freiraumverbesserungen bezahlt werden. Ob wegfallende Parkplätze vor allem an Leineufer, Klagesmarkt und Marstall etwa durch Tiefgaragen ersetzt werden müssten, werde sich bei den Detailplanungen zeigen.

- Vorbild Gründerzeitbauten: Alle Planerteams hatten zu berücksichtigen, dass die Stadt die Bauaufträge möglicherweise kleinteilig vergibt. Damit sollten große, monolithische Blockbildungen, etwa am Klagesmarkt, vermieden werden. Ähnlich wie in klassischen Gründerzeit-Wohngebieten dürfen die einzelnen Fassaden ruhig verschieden sein. Vorbild ist etwa das Projekt Java-Island in Amsterdam. Vorgeschrieben sind in jedem Fall für alle Neubauten Erdgeschosse mit Geschosshöhen von vier bis fünf Metern, um dort auch Büros, Läden oder Gastronomie zu ermöglichen. l Heute Präsentation: Die Siegerentwürfe werden heute ab 19 Uhr im Sprengel Museum vorgestellt und ab Mittwoch, 14 Uhr, in einer Ausstellung in der Bauverwaltung am Trammplatz gezeigt.

Zwei Bauten am Marstall

Zielsetzung am bisher überwiegend als Parkplatz genutzten Marstall war, großstädtisches Wohnen zu ermöglichen, ohne die Besonderheiten am Übergang von Altstadt zum Rotlichtviertel am Steintor zu vernachlässigen. Das Büro Maxwan (Rotterdam, mit Lola Landscape) hat an beide Enden des Platzes – an der Leine und an der Steintorstraße – jeweils einen dominanten sogenannten Kopfbau gesetzt. Wie immer soll darin eine Mischung aus Wohnen und Arbeiten möglich sein, die Juryvorsitzende Undine Giseke denkt an Lofts, Büros und Gastronomie: „Hier wäre die Vielfalt des Lebens in der Innenstadt darstellbar.“ Besonders aus dem südlichen Gebäude dürften sich spektakuläre Blicke über die Leine zur Kuppel der Probstei St. Clemens ergeben. Am Fuße dieses Gebäudes könnte sich eine große Freitreppe zur Leine absenken, die im Sommer zum Sitzen einlädt.

Eine interessante Idee bietet Maxwan zur Nutzung der Fläche zwischen den beiden Neubauten. Der Platz selbst ist im Original leicht abschüssig zur Leine. Maxwan schlägt vor, ein lang gestrecktes Plateau in der Platzmitte waagerecht einzulassen. Am Nordende wäre es dann in den Platzrändern versenkt, am Südende würde es wie eine Bühne aus den Platzrändern herausschauen. Auf den Computerbildern drehen sich Balletttänzer und Eisläufer auf der Bühne – verspielte Ideen, die denkbare Nutzungen vorwegnehmen. Stadtbaurat Uwe Bodemann hat besonders wegen des nahen Steintors Zweifel, ob es wirklich so kommt, lobt aber die Gesamtkonzeption der Planung.

Wohnen am Köbelinger Markt

Am Köbelinger Markt, Standort des Bürgeramts Leinstraße, sind die Bedingungen recht klar. Die Stadt will ihren Verwaltungsblock abreißen, der Freiraum bietet optimale Bedingungen für Innenstadtwohnen, sogar für Familien. Den besten Entwurf dafür, da war sich die Jury sicher, lieferte das Büro Trojan+Trojan (Darmstadt, mit Werkgemeinschaft Freiraum). Kein Wunder: Prof. Klaus Trojan hatte an der Uni Hannover den Lehrstuhl für Städtebau, war jahrelang Berater von Stadtbaurätin Uta Boockhoff-Gries und leitete unter anderem den BDA-Workshop zur Altstadt.

Seine Idee: Die wunderschöne Platanenreihe am Parkplatz bleibt erhalten (andere Entwürfe sahen das nicht vor), auf dem Bürgeramtsplatz entstehen drei Einzelgebäude, und – das ist der Clou – auf der bisher trostlosen Freifläche Richtung Lessingplatz entsteht zur Akzentuierung des Platzes gegenüber dem Kubus und dem Maritim Grand-Hotel ein etwas größeres Gebäude. Trojan hat auch das Kubus-Gebäude noch etwas erhöht und östlich vom Rathaus – am Standort des früheren Bauamts und daneben – zwei große Gebäude vorgesehen, um den Trammplatz zu rahmen. Das ist selbst Stadtbaurat Uwe Bodemann zu viel, bekannt ist, dass auch der Oberbürgermeister so etwas nicht will.

Der Siegerentwurf setzt aber auch klare Akzente in der Freiraumplanung. Der Tunnelgang zum Rathaus verschwindet, stattdessen gibt es einen einladenden, ebenerdigen Straßenübergang. Der Trammplatz wird etwas angehoben. Hingegen soll der Kinderspielplatz neben der Aegidienkirche nicht bebaut werden. „Unser Thema ist, dass Familien in der Stadt bleiben wollen“, sagt Stadtbaurat Bodemann: „Dann müssen genau solche Spiel- und Freiraumareale erhalten bleiben.

Ein Hochhaus am Klagesmarkt

Dieser Platz wird wohl nur in Abschnitten zu bebauen sein. Der Siegerentwurf vom Büro Astoc (Köln, mit Urbane Gestalt) sieht zwei große Blockrandgebäude auf dem bisher überwiegend als Parkplatz genutzten Areal vor. Im Mittelteil steht derzeit noch das Café Alex, das natürlich Bestand hat – es geht um sehr langfristige Pläne. Das Westareal soll ein Platz bleiben, dort gibt es den Wochenmarkt. Die Juryvorsitzende Undine Giseke schwärmt von der Platzfolge, die von der Christuskirche über den neuen Klagesmarkt und den Nikolaifriedhof bis zum neuen Platz an der Goseriede entsteht. Dort soll die Straße verengt werden, sodass die Kapellenruine – ältestes Gebäude der Innenstadt – als Solitär auf einer Freifläche thront. Dieser Platz könnte auch für kleinere Veranstaltungen genutzt werden, schließlich fällt nicht nur mit den Neubauplänen am Klagesmarkt Veranstaltungsfläche weg, auch am Steintor und am Raschplatz soll wohl noch gebaut werden.

Zentrale Voraussetzung für all die Pläne ist, dass der Otto-Brenner-Kreisel endlich zur Kreuzung umgebaut wird, wofür seit Jahren kein Geld da ist. Dann könnte im ersten Bauabschnitt das Ost-areal des Klagesmarkts bebaut werden – nach Vorstellung der Wettbewerbssieger auch mit einem Hochhaus als Komplementär zur Gewerkschaftshochhaus des Architekten Friedrich Lindau. Idee der Planer – und auch die während des City-2020-Stadtdialogs stets geäußerte Hoffnung – ist, dass die Bebauung des Klagesmarkts Impulse für die Wohngebiete auf beiden Seiten des Platzes auslöst. Die Astoc-Pläne sehen aber auch eine Verlängerung der Nikolaistraße über die Celler Straße hinaus vor. So entstünde eine ausgeprägte Achse vom Kino zur Kapelle. An der Ecke Celler Straße (in unserem Bild links vorne) könnte ein weiteres dominantes Gebäude entstehen.

Das zehnte NDR Plaza Festival in Hannover wird mit 45.000 Besuchern zur großen Party. 20.000 feiern zehn Jahre nach der Expo bei der "N-Joy-Starshow" am Sonnabend mit Xavier Naidoo, Silbermond und Milow, am Sonntag steht Schlager mit Helene Fischer, Andrea Berg und Co auf dem Programm.

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