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Aus der Stadt Die Retter im Stau
Hannover Aus der Stadt Die Retter im Stau
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00:22 30.03.2015
Von Jörn Kießler
Dürfen auf Autobahnen sogar entgegen der Fahrtrichtung fahren: Hans-Günther Hackmann (li.) und Rainer Kirchberg von der Motorradstaffel.
Dürfen auf Autobahnen sogar entgegen der Fahrtrichtung fahren: Hans-Günther Hackmann (li.) und Rainer Kirchberg von der Motorradstaffel. Quelle: Insa Cathérine Hagemann
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Hannover

Ganz häufig sind es die kleinen Dinge, mit denen Hans-Günther „Hacki“ Hackmann und Rainer Kirchberg die Autofahrer glücklich machen. Und die den beiden Stauhelfern der Johanniter-Unfallhilfe aus Hannover detailliert in Erinnerung bleiben.

„Ich bin einmal zu einem Unfall mit zwei Autos auf die Autobahn gerufen worden, das war wirklich nur ein Bagatellschaden“, erzählt Kirchberg. „Verletzt war niemand, und die Unfallstelle war auch relativ schnell geräumt.“ Allerdings wiegte sich eine Frau die ganze Zeit von einem Bein aufs andere, während die Beteiligten auf die Polizei warteten. „Sie musste dringend auf die Toilette“, sagt der 64-Jährige. „Aber keine Chance, dort war weit und breit kein Busch, kein Baum, nichts.“ Obendrein floss der Verkehr im Schritttempo an der Unfallstelle vorbei. „Das haben wir dann einfach ausgenutzt, als gar nichts mehr ging“, sagt Kirchberg. Kurzerhand hielt er mit der Dame ein Wohnmobil an und fragte, ob sie darin die Toilette benutzen dürfe.

Eigentlich sind Hackmann, Kirchberg und ihre sieben Kollegen von der Johanniter-Motorradstaffel für ganz andere Aufgaben zuständig. Sobald es vor allem während der Ferienzeit auf den Autobahnen rund um Hannover voll wird, sind sie im Einsatz und unterstützen Polizei und Rettungsdienste. „Mit unseren Motorrädern kommen wir auch im dichten Verkehr gut voran“, sagt Hackmann. Der Pensionär leitet seit diesem Jahr nicht nur die Staffel des Ortsvereins Wasserturm, sondern ist als Fachberater für alle Motorrad-Sanitäter in Niedersachsen zuständig.

Die Stauhelfer der  Motorradstaffel der Johanniter sind in den Urlaubswochen wieder stärker im Einsatz. Ein Besuch in der Zentrale.

Bevor er vor sieben Jahren bei den Johannitern anfing, musste der ehemalige Polizist aber „überzeugt“ werden, wie er selbst sagt. „Damals sprach mich der Chef der Johanniter an und fragte mich, ob ich Lust hätte“, erinnert er sich. „Damals war ich aber noch bei der Motorradstaffel der Polizei - und es war mir zu viel.“ Als er aber 2008 in Ruhestand ging, gab es keinen Grund mehr, das Amt nicht anzutreten. „Ich habe mich schon vorher beim Roten Kreuz und der DLRG engagiert“, sagt der 66-Jährige und fügt verschmitzt hinzu: „Und Motorradfahren ist jetzt auch nicht unbedingt das Schlimmste.“

Immer dabei: Wasser, Verbandszeug und ein Erste-Hilfe-Kasten

Das allein reicht aber nicht, um Stauhelfer zu werden. Neben zwei Jahren Erfahrung auf dem Motorrad muss jedes Mitglied der Staffel mindestens als Sanitätshelfer ausgebildet sein. In den Taschen der BMW R 1200 RT und der zwei BMW R 1150 RT haben die Stauhelfer immer Verbandszeug, Wasser und einen gut sortierten Erste-Hilfe-Kasten dabei.

„Da sich unser Gebiet aber von Hannover-Süd bis Berkhof und von Hämelerwald bis Bad Nenndorf erstreckt, sind wir selten als erste am Unfallort“, sagt Kirchberg. Treffen sie aber kurz nach den Rettungskräften ein, kümmern sie sich schon vor der Polizei um die Sicherung der Unfallstelle, weisen Rettungswagen oder -hubschrauber ein. „Natürlich alles in Absprache mit der Polizei, mit der wir über Funk engen Kontakt halten“, sagt Hackmann.

In erster Linie kümmern sich die Ehrenamtler aber um die Autofahrer, die nach einem Unfall im Stau stehen. Wenn sie durch die Gassen zwischen stehenden Fahrzeugen fahren, erkundigen sie sich, ob es den Insassen gut geht, reichen im Notfall Wasser, aber auch mal ein Malbuch oder einen Teddybären für Kinder, die ungeduldig werden. „Viele Menschen sind einfach froh, wenn ihnen jemand sagt, was überhaupt passiert ist und wie lange der Stau wohl noch dauern wird“, sagt Hackmann.

Um das zu erledigen haben die Stauhelfer sogar besondere Befugnisse eingeräumt bekommen. „Wenn der Verkehr steht - und nur dann -, dürfen wir mit unseren Motorrädern entgegen der Fahrtrichtung fahren“, sagt Kirchberg. „Dabei muss man extrem vorsichtig sein, weil es immer passieren kann, dass Autofahrer aussteigen und auf den Standstreifen laufen.“ Zum Beispiel auf der Suche nach einer Toilette.

30.03.2015
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