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Aus der Stadt Große Bühne, große Worte
Hannover Aus der Stadt Große Bühne, große Worte
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09:03 21.12.2013
Von Sonja Fröhlich
Volles Haus beim Opern-Slam 2012. Quelle: Herzog

Herr Chadde, Herr Kunze, am Sonntag sind Sie mit Ihrem Poetry-Slam zum zehnten Mal in der Oper. Es ist immer so voll wie sonst bei populären Opern-Premieren. Wie geht das eigentlich?

Kunze: Wir nennen das den Opernhaus-Effekt. Der Slam in der Oper ist für uns alle eine Gala. Da lassen wir uns nicht lumpen und laden Poeten ein, die international zu den Besten gehören. Die können wir uns sonst nicht leisten – in der Oper geht das. Wir werden im nächsten Jahr mit unserer Veranstaltung sogar viermal in der Oper sein.

Chadde: Unsere Slams sind ja nicht einfach nur komisch, sondern haben einen literarischen Anspruch. Wir haben insgesamt hart am Image der Wettbewerbe gearbeitet. Früher sind wir als Subkultur wahrgenommen worden – heute sind wir populär und bespielen Museen und andere Orte der Hochkultur. In der Oper sind wir als Einzelwettbewerb die größten in Deutschland – größer als der Slam im Schauspielhaus in Hamburg.

Kunze: Kann man so sagen. Wir haben neun Sitze mehr.

Erinnern Sie sich an Ihre erste Veranstaltung in der Oper?

Kunze: Da waren wir vorher extrem aufgeregt. Der Vorverkauf lief schleppend und hat uns große Sorgen gemacht. Zehn Tage vorher waren erst 400 Karten verkauft. Ich dachte, wir bekommen noch nicht mal die Hälfte der Karten weg. Dann ging es plötzlich los. Jeden Tag kletterte die Zahl um 100 Karten. Plötzlich waren es mehr als Tausend Zuschauer – es wurde ein rauschendes Fest.

Chadde: Selbst die Garderobenfrauen haben uns gratuliert. Heute reißen sie sich um diese Schichten.

Wie war die Reaktion der Opern-Abonnenten?

Chadde: Wir standen natürlich unter Beobachtung. Die haben sich gefragt: Was wollen die jungen Wilden in unserer Oper? Sie waren dann aber die Ersten, die uns Standing Ovations gegeben haben. Mittlerweile kommen auch Eltern mit ihren Kindern.

Obwohl es in den Texten ja manchmal recht derbe zugeht.

Kunze: Das gehört dazu. Wir reflektieren auch das, was man auf der Straße spricht. Für einen Teil des Abo-Publikums ist das aber nichts. Für den sind wir auch schlichtweg zu schnell.

Welche Momente sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Chadde: Es ist immer ein wahnsinniger Anblick, wenn man in den gigantischen Saal einmarschiert und dann da das tobende Publikum vor sich hat. Da läuft mir immer noch ein Schauer über den Rücken.

Kunze: Ich erinnere mich auch an den Text des Jungpoeten Nils Elias Molle. Der hatte einach so viel Bums, dass die Leute in ehrfürchtige Stille versunken sind.

Chadde: Im vergangenen Jahr hatten wir einen Österreicher und einen Schweizer im Finale - beide in Mundart. Die haben es richtig krachen lassen. Der Schweizer hat geschimpft wie ein Rohrspatz.

Kunze: Ja genau. Er schimpfte: „Die Schweiz hat ein Herz aus Stein, das völlig durchlöchert ist,“ - gemeint war der Gotthardtunnel - „und in diesem Tunnel sitzen die Deutschen im Stau und singen ,La Paloma‘.“

Gab es auch Dinge, die nicht liefen?

Chadde: Die Sache mit der Feuerschutzwand. Die war heruntergelassen. Wir haben gedacht: Prima – da können wir mit Kreide die Ergebnisse draufschreiben. Dummerweise war die Wand gerade frisch bemalt worden – und die Kreide ging nicht ab. Die Oper musste sie noch einmal streichen lassen. Das war eher semigut. Ansonsten trägt das Opernhaus unsere Veranstaltungen voll mit.

Kunze: Wir sind eine kuriose Symbiose.

Kurios sind auch die Requisiten, die die Oper aus ihrem Fundus als Preise für die Poeten spendet.

Kunze: Es gab tatsächlich mal eine jüdische Tora.

Chadde: Und eine Schillerbüste.

Kunze: Zuletzt ist ein Gewinner mit einem riesigen Spielzeugroboter nach Hause gegangen.

Chadde: Ab und an gibt es auch mal Regenschirme.

Mal abgesehen von dem Opern-Slam gibt es in Hannover eine ganze Menge dieser Veranstaltungen. Ist der Markt nicht irgendwann gesättigt?

Kunze: Es gibt tatsächlich extrem viele Veranstaltungen. Aber wir achten immer darauf, auch neues Terrain zu betreten. Wir haben viele Mottowettbewerbe. Da gibt es dann einen Veggie-Slam, bei dem Fleischesser gegen Vegetarier antreten. Oder einen zum Thema Abschied und Trauer – den haben wir zusammen mit der Niedersächsischen Trauerstiftung gemacht. Auch in der Lutherkirche sind wir schon angetreten – gegen Pastoren.

Wen wünschen Sie sich als nächsten Gegner?

Chadde: Wie wäre es mit dem Salon Herbert Royal – der Comedygruppe der HAZ.

Ich richte es den Kollegen aus.

Kunze: Die sollen sich warm anziehen.

Das ist der Poetry-Slam

Poetry-Slam setzt sich, ins Deutsche übertragen, aus den Worten Poesie und Schlag zusammen. Das Genre bezeichnet eine Art Dichterwettstreit, in dem Texte in vorgegebener Zeit vorgetragen und am Ende vom Publikum bewertet werden. Die Texte müssen selbst geschrieben sein, der Dichter darf keine Requisiten, Kostüme oder Musikinstrumente verwenden. Wenn der Poet das Zeitlimit überschreitet, droht ihm Punkteverlust. Das liegt normalerweise bei fünf Minuten, beim Opern-Slam sind aber sieben Minuten erlaubt. Für den Wettstreit am Sonntag um 20 Uhr im Opernhaus gibt es noch Restkarten für 12 Euro. Der nächste Opern-Slam ist am Sonntag, 13. April 2014. Wer nicht so lange warten will, kann am 27. Dezember beim „Altstadtschnack“ im Klub „3Raum“, Ballhofstraße, für 5 Euro zuhören. Am 16. Januar, 20 Uhr, gibt es einen „Macht Worte!”-Poetry-Slam in der „Warenannahme“ bei Faust in Linden (Tickets für 6 Euro im Vorverkauf).

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