Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Schäden sind noch schlimmer als gedacht
Hannover Aus der Stadt Schäden sind noch schlimmer als gedacht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:23 29.03.2015
Von Bernd Haase
Am Großen Garten wird die Reparatur teuer.
Am Großen Garten wird die Reparatur teuer. Quelle: Michael Thomas
Anzeige
Hannover

Es bröckelt nicht nur der Mörtel, in den die Belagplatten verlegt worden sind. „Auch die darunter liegende Betonkonstruktion ist in Mitleidenschaft gezogen“, sagt Martin Vey, Prokurist der für die Stadtbahnanlagen zuständigen Infra.

Obwohl sich viele Hochbahnsteige in Hannover auf den ersten Blick wegen der einheitlichen Aufbauten gleichen, sind sie doch Unikate. Das trifft erst recht auf das im Vorfeld der Expo errichtete Bauwerk an den Herrenhäuser Gärten zu, weil man dem historischen Charakter des Ortes in Materialwahl und Gestaltung gerecht werden wollte. Die Handwerker haben spezielle Natursteinplatten in Mörtel auf einer Betonplatte verlegt. Bei der Infra vermutet man, dass eingedrungenes Wasser mit Streusalzanteilen Mörtel und Beton angegriffen hat. Vergrößert wurden die Schäden wohl durch wechselndes Frost- und Tauwetter und damit verbundene Spannungen. Alles zusammen hat dazu geführt, dass an den Herrenhäuser Gärten eine Ersatzhaltestelle eingerichtet werden musste.

Der Bund der Steuerzahler erinnert an den Hochbahnsteig Stadionbrücke, der ebenfalls 1999 erbaut wurde und vor fünf Jahren für Kosten von 520 000 Euro repariert werden musste. Der Steuerzahlerbund will nun wissen, ob sich zwischen beiden Fällen Parallelen gibt und ob gleiches Ungemach noch an anderen Stellen zu erwarten ist.

Die Frage hat auch die Infra umgetrieben. „Tatsächlich sind die Bauwerke in Herrenhausen und an der Stadionbrücke von der Konstruktion her vergleichbar; sie sind aufgeständert“, bestätigt Vey. Auch auf einen dritten Hochbahnsteig treffe dies zu, nämlich die erst vor anderthalb Jahren in Betrieb gegangene Anlage auf der Benno-Ohnesorg-Brücke am Schwarzen Bären.

Vey betont allerdings, dass die zwei Hochbahnsteige nicht vergleichbar seien. „An der Stadionbrücke waren vor fünf Jahren Metallteile angerostet“, erklärt er. Was die Anlage am Schwarz Bären betreffe, habe man bei ihrer Planung schon um die Problematik gewusst und deshalb spezielle Abdichtungen gegen eindringendes Wasser eingebaut. „Da wird nichts passieren“, sagt Vey, bestätigt aber auch, dass in Hannover künftig keine Hochborde mehr in aufgeständerter Konstruktion errichtet werden sollen. Beim Architektenwettbewerb für die neuen Anlagen an der oberirdischen Stadtbahnstrecke in der Innenstadt habe man dies bereits berücksichtigt. Die geplanten Hochborde am Steintor und am Raschplatz sind aber aus einem anderen Grund in der Bevölkerung in die Kritik geraten - wegen der offenen Dächer.

In Herrenhausen waren für die Sanierung ursprünglich Kosten in Höhe von 275 000 Euro veranschlagt worden. Das lässt sich nach Angaben von Vey nicht halten, eine genaue Summe steht aber noch nicht fest. „Wir denken, dass die Kostensteigerung im fünfstelligen Bereich bleibt“, sagt der Prokurist. In jedem Fall muss die Infra selbst dann für den Schaden aufkommen, wenn sich herausstellen sollte, dass die Baufirmen vor 16 Jahren schlampig gearbeitet: Die Gewährleistungsfrist ist längst abgelaufen.

Tobias Morchner 26.03.2015
Michael B. Berger 29.03.2015
Aus der Stadt Infrastruktur für Radfahrer soll sich bessern - Hannover steigt in den Sattel
Bernd Haase 26.03.2015