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Aus der Stadt Sami-Moschee zelebriert gemeinsames Fastenbrechen
Hannover Aus der Stadt Sami-Moschee zelebriert gemeinsames Fastenbrechen
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20:31 23.06.2017
Gemeindemitglieder der Sami-Moschee halten inne und beten. Quelle: Villegas
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Hannover

Seine Stimme zittert: „Dieser Terror hat nichts mit dem Islam zu tun. Bei den Anschlägen in London wurden auch Frauen und Kinder getötet“, sagt Usman Akram beschwörend beim traditionellen Fastenbrechen in der Sami-Moschee. Er muss eine kurze Pause einlegen. „Wir beten, dass diese Leute zur Vernunft kommen.“

Der 39-jährige Akram ist den Tränen nahe. Eigentlich führt er als Moderator durch eine Infoveranstaltung über den Ramadan. Etwa 80 Gäste sind der Einladung der Ahmadiyya-Gemeinde nach Stöcken gefolgt, um mehr über den Ramadan zu erfahren und nach Sonnenuntergang gemeinsam mit den etwa 130 Gemeindemitgliedern das Fastenbrechen mit würzigen asiatischen Gerichten zu begehen.

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Tagsüber gilt die Fastenpflicht

Denn von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang dürfen die 460 Mitglieder der Ahmadiyya-Gemeinde Hannover weder essen noch trinken, auch die etwa 45.000 Muslime in Hannover und die etwa 4,4 Millionen Muslime in Deutschland sind an die Fastenpflicht gebunden. Bei Begegnungen mit Nachbarn und Freunden drehen sich die Gespräche oft um das eine Thema: den Terrorismus. Zu viele Anschläge gab es in den vergangenen Wochen und Monaten. Von Terroristen, die für sich in Anspruch nehmen, im Namen des Islam zu handeln.

Seit vier Wochen dürfen Muslime von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang weder essen noch trinken. Zigaretten rauchen ist ebenfalls tabu. Am Sonnabend endet der Fastenmonat. Ein Besuch in der Sami-Moschee – wo Gäste und Gemeindemitglieder zusammen das Fastenbrechen zelebrieren.

Dabei gehe es im Koran vielmehr darum, sich gegenseitig zu achten und zu respektieren, sagt Akram, der sonst als Kabinenchef bei einer deutschen Fluggesellschaft arbeitet.

Imam Munawar Hussain Toor zitiert an diesem Abend Koranverse. Sein Gesang hallt durch den Gebetsraum der Moschee der Ahmadiyya-Gemeinde, der einzigen Moschee in Hannover mit Kuppel und Minarett. Von draußen dringen gut gelaunte Kinderstimmen in den Raum. Punkt 21.45 Uhr enden die Vorträge, denn die Sonne ist bereits untergegangen. Dann dürfen alle Muslime wieder Speisen verzehren.

Seit vier Wochen dürfen Muslime von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang weder essen noch trinken. Zigaretten rauchen ist ebenfalls tabu. Nicht immer fällt der Ramadan auf einen Sommermonat. Beginn und Ende richten sich nach dem elf Tage kürzeren Mondkalender. Deshalb verschiebt sich der Ramadan jedes Jahr einige Tage zurück und wandert durch die Jahreszeiten.

Dass sich die Gemeinde an einem Freitag trifft, ist kein Zufall, denn der Wochentag besitzt eine ähnliche Bedeutung wie der Sonntag bei den Christen. Freitags steht ein gemeinsames Gebet auf der Tagesordnung. Am Sonnabend endet der Fastenmonat. In den nächsten Tagen feiern die Muslime dann das dreitägige Zuckerfest Id al-Fitr.

Eine gemeinsame Heimat

An diesem Abend in der Sami-Moschee schnappen sich alle Besucher ihre Schuhe am Ausgang und gehen gemeinsam in ein extra aufgestelltes Zelt oder sie bleiben bei dem lauwarmen Sommerabend, beleuchtet vom hellen Licht des Vollmonds, einfach unter freiem Himmel stehen und genießen die vorwiegend pakistanischen Gerichte.

Gelegentlich begehen die Muslime das Fastenbrechen gemeinsam in der Moschee. Doch an den anderen Tagen kommt die Familie mit Freunden oder Nachbarn zusammen - immer eine gute Gelegenheit zum gegenseitigen Kennenlernen. Die Liebe zur Heimat sei Teil des islamischen Glaubens, sagt Usman Akram. „Deutschland ist unsere Heimat.“

Der Ramadan

Der Ramadan ist neben dem Glaubensbekenntnis, dem täglichen Gebet, der sozialen Pflichtabgabe und der Pilgerfahrt nach Mekka eine der fünf Säulen des Islam. Schwangere, kranke oder alte Menschen sowie Kinder sind von der Fastenpflicht ausgenommen. Der Beginn des Ramadan fiel dieses Jahr auf den 26. Mai. Heute endet die Fastenpflicht. Viele Gemeinden laden in den nächsten Tagen zum Id al-Fitr, dem dreitägigen Fest des Fastenbrechens – so auch die Ahmadiyya-Gemeinde. Die Gemeinde ist eine eher kleine Bewegung innerhalb des Islam. Weltweit gehören mehrere Millionen Mitglieder in 220 Ländern dazu – genauere Zahlen sind nicht bekannt. Die meisten Gemeindemitglieder stammen aus Pakistan, wo einige verfolgt wurden, denn dort erkennen viele Menschen die Ahmadiyya-Gemeinde nicht als islamische Glaubensgemeinschaft an. In Deutschland gibt es immerhin 30.000 Mitglieder, verteilt auf etwa 220 Gemeinden.

Von Alexander Reupke

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