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Hannover Aus der Stadt Das teure 
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00:15 25.10.2013
Von Bernd Haase
Foto: Um den Sanierungsstau in Hannovers Schwimmbädern komplett aufzulösen, müsste die Stadt mindestens knapp 40 Millionen Euro, eher mehr als 45 Millionen Euro in die Hand nehmen.
Um den Sanierungsstau in Hannovers Schwimmbädern komplett aufzulösen, müsste die Stadt mindestens knapp 40 Millionen Euro, eher mehr als 45 Millionen Euro in die Hand nehmen. Quelle: Julian Stratenschulte
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Hannover

Normalerweise sind Sitzungen des Sportausschusses im Rathaus keine Angelegenheiten für tiefgreifende Emotionen. Am Montagnachmittag, als die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen (DGfdB) ihre Bestandsaufnahme über die öffentlichen Bäder in Hannover präsentiert hatte, war das anders: „Wir wussten, dass es nicht zum Besten steht. Aber dass es so katastrophal ist, hat mich erschüttert“, sagt Rita Girschikofsky, Präsidentin des Stadtsportbundes.

In der Tat klingt das, was die Experten aus Essen zutage gefördert hatten, alles andere als erbaulich. Um den Sanierungsstau in den je sechs Hallen- und Freibädern sowie zwei Kombibädern komplett aufzulösen, müsste die Stadt mindestens knapp 40 Millionen Euro, mit Risikozuschlägen eher mehr als 45 Millionen Euro, in die Hand nehmen. „Die Bäder sind zu alt und nicht in dem Zustand, in dem sie sein sollten“, hatte Günter Ochsenbauer von der DGfdB zusammengefasst. Außerdem leiden sie unter Besucherschwund und zahlt die Stadt allein für den Betrieb Jahr für Jahr Millionenbeträge an Zuschüssen. Derzeit subventioniert der Steuerzahler jeden einzelnen öffentlichen Badegast mit 5,36 Euro. In diese Rechnung sind Aufwendungen etwa für Zinsen und Abschreibungen noch gar nicht eingeflossen.

Sanierungskosten und Zuschüsse: Hannovers Schwimmbäder im Vergleich.

Für die CDU-Ratsfraktion steht der Hauptschuldige fest. „Der Sanierungsstau geht maßgeblich auf das Konto des früheren Oberbürgermeisters Stephan Weil“, sagt der Vorsitzende Jens Seidel. Der jetzige Ministerpräsident habe, obwohl er in Hannover gleichzeitig Sportdezernent war, keinerlei Engagement für die Bäder erkennen lassen. Sein Fraktionskollege Dieter Küßner mokiert sich über den Zeitpunkt, zu dem die Bäder-Expertise an die Öffentlichkeit gelangt: „Seit 2011 hat sich die Verwaltung mit der Erstellung einer Bäderanalyse beschäftigt. Wir wollen keine Absicht unterstellen, finden es aber interessant, dass das katastrophale Ergebnis erst nach den Landtagswahlen und der Oberbürgermeisterwahl präsentiert wird.“ Es müsse schnell und entschieden gehandelt werden. Man freue sich bei den anstehenden Haushaltsplanberatungen auf innovative Vorschläge des neuen Oberbürgermeisters Stefan Schostok.

In der Tat soll die Expertise der DGfdB dazu dienen, „ein zukunftsfähiges, für die Bürger wertvolles Bäderangebot zu entwickeln, das wirtschaftlich dauerhaft tragbar ist“, wie es in einer Stellungnahme der Verwaltung heißt.

Schnelle Beschlüsse sind allerdings eher nicht zu erwarten, obwohl es mit dem Fössebad in Linden, dessen Außenbereich seit knapp zwei Jahren wegen Baufälligkeit gesperrt ist, mindestens einen besonders schweren Fall gibt. „Wir müssen uns die einzelnen Zahlen genau ansehen. Dafür ist die Zeit bis zu den laufenden Etatberatungen zu knapp“, sagt Ingrid Wagemann, Sportausschussmitglied der Grünen. Auch bei der SPD will man sich ausführlich mit der 180 Seiten umfassenden Bestandsaufnahme auseinandersetzen. Ohnehin steht ein weiterer Teil der DGfdB-Analyse noch aus – eine Bewertung der einzelnen Standorte hinsichtlich ihrer Bedeutung für Hannover nebst „gesellschaftlichem Wertbeitrag“.

Girschikofsky vom Stadtsportbund hält es noch nicht für ausgemacht, dass es eine Schließungsdebatte um die Bäder geben wird. „Angesichts der hohen Sanierungskosten weiß ich aber auch keine Lösung“, gibt sie zu. Immerhin: Das Gutachten besagt, dass die Bäder durchaus noch Kapazitäten frei haben, die von den Vereinen genutzt werden könnten. Darüber will man beim Sportbund nun beraten.

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