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Aus der Stadt Die Stadtwerke sind auf Schrumpfkurs
Hannover Aus der Stadt Die Stadtwerke sind auf Schrumpfkurs
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21:03 26.10.2015
Von Jens Heitmann
Sieht schön aus, bringt aber keinen Gewinn mehr: Das Kraftwerk in Linden. Quelle: Archiv
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Hannover

Parallel dazu rechnet Enercity damit, wegen des schärferen Wettbewerbs kontinuierlich Kunden zu verlieren - 2025 werden nur noch zwei von drei Hannoveranern ihre Energie von den Stadtwerken beziehen, heißt es im Unternehmenskonzept „K2025“, das der HAZ vorliegt.

Lesen Sie dazu auch diesen Kommentar.

Das Szenario hätte auch für die Stadt Hannover Folgen: Enercity will in den nächsten Jahren deutlich weniger Gewinn an den Kämmerer abführen als bisher. Schon 2014 war die Überweisung mit 89 Millionen Euro um ein Zehntel niedriger ausgefallen als im Vorjahr - künftig könnte die Summe um rund 30 Prozent schrumpfen. Das Minus fällt auch deshalb so groß aus, weil die Stadtwerke mehr Geld zurücklegen wollen, das später in den Bau von Windparks fließen soll. „Das ist schon ein harter Schlag für unseren Haushalt“, sagte Kämmerer Marc Hansmann am Montag. „Aber wenn Enercity ein Energieerzeuger bleiben soll, muss das Unternehmen Spielraum für Investitionen haben.“

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Noch sind die Stadtwerke im Bereich der erneuerbare Energien eine kleine Nummer. Der Strom für die Kunden in der Landeshauptstadt kommt aus den drei Großkraftwerken in Stöcken, Linden und Mehrum. Da die ersten beiden Anlagen auch Fernwärme erzeugen, stehen sie nicht infrage. Den Kohlemeiler in der Nähe von Peine will der Vorstand in den nächsten Jahren komplett abschreiben und bis 2025 stilllegen. Der Schrumpfkurs trifft auch die Belegschaft: Jeder achte der aktuell rund 2500 Arbeitsplätze soll innerhalb der nächsten Dekade wegfallen - Kündigungen seien aber ausgeschlossen, heißt es.

Für die Stromproduktion setzen die Stadtwerke künftig stärker auf Windparks. In den nächsten zehn Jahren soll der weit überwiegende Teil der Öko-Investitionen von 600 Millionen Euro in diesen Bereich fließen. Die Windkraft-Kapazität soll sich von heute knapp 40 Megawatt mindestens verfünffachen. Falls das gelingt, würde sich der regenerative Anteil der Stromerzeugung auf 43 Prozent erhöhen.

Die Energiewende in eigener Sache wird auch das Erscheinungsbild des Standortes Herrenhausen verändern. Nach der Stilllegung des Gaskraftwerkes wollen die Stadtwerke dort gleich mehrere innovative Projekte bündeln. Geplant sind unter anderem ein zentraler Batteriespeicher, Fotovoltaik-Anlagen und ein sogenanntes virtuelles Kraftwerk - eine intelligente Verknüpfung von bestehenden und neuen Anlagen. Das mit diesen „Nischenanwendungen“ mittelfristig Geld zu verdienen ist, bezweifelt das Unternehmen allerdings.

Die neue Strategie ist jedoch nicht in Stein gemeißelt. Der amtierende Vorstand scheidet innerhalb der nächsten drei Jahre altersbedingt aus dem Amt. Bereits am 1. April nächsten Jahres tritt Susanna Zapreva die Nachfolge von Enercity-Chef Michael Feist an.

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