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Aus der Stadt „Die Toten kommen“ auch nach Hannover
Hannover Aus der Stadt „Die Toten kommen“ auch nach Hannover
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00:17 24.06.2015
Von Conrad von Meding
Ein Kreuz auf dem Trammplatz vor dem Neuen Rathaus erinnert an die Flüchtlinge.
Ein Kreuz auf dem Trammplatz vor dem Neuen Rathaus erinnert an die Flüchtlinge. Quelle: Moritz Küstner
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Hannover

Wer sich hinter der Aktion verbirgt, blieb im Dunkeln. Eine Mail an die Redaktion war gekennzeichnet mit „Die Toten kommen – Hannover“. Am Sonntag waren die in den Fotos gezeigten Kreuze aber nicht mehr auffindbar. Laut einer mitgelieferten Liste befanden sie sich vor dem Neuen Rathaus, am Maschsee, am Ballhof, vor der Uni Hannover, am Lister Platz, am Engelborsteler Damm, nahe der Dornröschenbrücke, in der Limmerstraße, am Küchengarten und am Georgengarten zwischen Uni und Dornröschenbrücke. Mit der plakativen Aktion wolle man den Toten eine Stimme geben, hieß es in der Mail.

Unbekannte Aktivisten haben unter dem Titel "Die Toten kommen" auch in Hannover auf die Situation der Flüchtlinge in Europa hingewiesen. In einer Mail an die HAZ-Redaktion sandten sie Bilder von Holzkreuzen, die sie an verschiedenen Orten in Hannover aufgestellt haben. 

Die hannoversche Aktion nimmt ausdrücklich Bezug auf die Aktivitäten der Berliner Künstlergruppe „Zentrum für Politische Schönheit“. Am Dienstag hatte die Protestgruppe nach eigenen Angaben die Leiche einer auf der Flucht im Mittelmeer ertrunkenen Syrerin auf einem Berliner Friedhof im Beisein eines Imams beerdigt. Die Aktionen sollen auf das Schicksal Tausender aufmerksam machen. An diesem Sonntag wurde ihr verboten, bei einer symbolischen Bestattungsaktion in Berlin mit einem Bagger vors Kanzleramt zu ziehen. Kurzfristig hatte die Polizei die Aktion verboten.

Die Flüchtlingsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz, hatte zuvor die geplante Aktion scharf kritisiert. „Bei allem Verständnis für die Wut der Aktivisten angesichts der vielen Tausend ertrunkenen Flüchtlinge im Mittelmeer, ein Spektakel mit Leichen zu inszenieren, überschreitet eine moralische Grenze“, sagte die SPD-Politikerin der „Welt“. Kunst dürfe wehtun, sie dürfe sich auch drastischer Methoden bedienen, „aber hier gehen die Aktivisten zu weit“, erklärte die Staatsministerin im Bundeskanzleramt.

Andere aufmerksam machen

In Hannover schreiben die Aktivisten über ihre Kreuze-Aktion: „Die Nachrichten über gesunkene Flüchtlingsboote und überfüllte Flüchtlingslager scheinen zur Normalität geworden zu sein. Was bleibt also übrig, als den Toten über solch plakative Aktionen wie der des 'Zentrums für politische Schönheit' eine Stimme zu geben?“ Dazu gibt es Kapitalismuskritik: „Unsere Wirtschaft profitiert in großem Maße davon, dass Ungleichheiten in dieser Welt bestehen bleiben. Unser Wohlstand basiert auf der Ausbeutung armer Regionen dieser Welt. Wir importieren aus ihnen günstig Rohstoffe für unsere exportorientierte Wirtschaft und lassen unter widrigen Arbeitsbedingungen von Billigarbeitskräften die Produkte für unsere konsumorientierte Gesellschaft erzeugen. Man kann also sagen, wir sind die großen Profiteure einer ungleichen, unfairen Welt. Aber wir empören uns, wenn die Ausgebeuteten dieser Welt aufbegehren und für sich ein menschenwürdiges Leben einfordern.“ Ob weitere Aktionen geplant sind, wurde nicht mitgeteilt.

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