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Aus der Stadt Internet ist gemeinsamer Angstgegner
Hannover Aus der Stadt Internet ist gemeinsamer Angstgegner
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20:19 17.12.2013
Von Conrad von Meding
Shoppingcenter, wie die Ernst-August-Galerie, das war jahrzehntelang ein Schreckensbegriff für Innenstadthändler. Quelle: dpa (Archiv)
Hannover

Aus Celle sind Ilona Becker und Kathrin Aurin nach Hannover gekommen: Weihnachtseinkäufe erledigen. Ihre vollgepackten Einkaufstüten haben sie dabei, als sie sich zum Kaffee im Obergeschoss der Ernst-August-Galerie niederlassen. Doch was sie gekauft haben, stammt nicht ausschließlich aus der Galerie. „Wir waren auch schon in der Stadt“, sagen die beiden strahlend. Dort haben sie Schuhe gekauft, Crocs für den Schwiegervater genau genommen, denn: „Einen Crocs- Store haben wir nicht in Celle“, sagt Becker. Anschließend waren sie bei Peek & Cloppenburg, dann haben sie in der Galerie bei Lush handgemachte, parfümierte Seife gekauft - das Geschäft ist derzeit ein Trendshop. „Wir kommen zum Einkaufen nach Hannover, weil wir hier sowohl in der Innenstadt als auch im Center einkaufen können und damit die Auswahl so groß ist“, sagt Becker.

Shoppingcenter - das war jahrzehntelang ein Schreckensbegriff für Innenstadthändler. Wo ein Center öffnete, drohte Konkurrenz. Nicht nur, weil das Angebot an Geschäften automatisch wuchs. Sondern auch, weil die Malls mit ihren großen Parkhäusern und den stets wohltemperierten, überdachten Einkaufswegen uneinholbar im Vorteil gegenüber Fußgängerzonen zu sein schienen.

Doch die Angst vor der Konkurrenz ist vorbei. Shoppingcenter sind in Innenstädten mittlerweile gern gesehene Bereicherungen. Nicht nur bei den Händlern - vor allem die Kunden schätzen die größeren Wahlmöglichkeiten, die sich durch die Integration der Einkaufszentren in die Innenstädte bieten. „Das Nebeneinander und Gegeneinander ist Geschichte“, sagt Ullrich Thiemann vom Einzelhandelsverband. Die Kaufmannschaften inner- und außerhalb der Center zögen an einem Strang. Das Ziel: die Kunden in die Städte locken. Kein Wunder, denn es gibt einen neuen, gemeinsamen Konkurrenten: das Internet.

Wo Nachfrage ist, ist auch Angebot

Derzeit sind die Zahlen noch rosig. Zwar ist die Bevölkerung im Großraum rund um die Region Hannover zwischen 2006 und 2011 um gut 30.000 Menschen geschrumpft. Trotzdem ist der Umsatz der Geschäfte um 21 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro pro Jahr gestiegen, sagt eine Studie des Cima-Instituts. Wo Nachfrage ist, ist auch Angebot: Die Verkaufsfläche aller Geschäfte wuchs im gleichen Zeitraum um rund 74.000 auf 1,8 Millionen Quadratmeter. Die Zahlen täuschen aber nur oberflächlich darüber hinweg, dass der Handel derzeit stark im Umbruch ist. Die Geschäfte wachsen in bestimmten Zentrumslagen - andernorts ist der Rückgang unübersehbar.

Sechs große Einkaufszentren wird es demnächst in der Region Hannover geben. Alle sind in den vergangenen fünf Jahren stark modernisiert worden oder intensiv gewachsen - ein Flächengewinn von zigtausend Quadratmetern. Die Ernst-August-Galerie neben dem Hauptbahnhof hat 2008 eröffnet. Rundherum gruppieren sich im Süden das Laatzener Leine Center, im Nordosten das gerade neu eröffnete A-2-Center in Altwarmbüchen mit der Goldfassade, im Norden hat das City-Center Langenhagen (CCL) seine Verkaufsfläche mit dem modernen Neubau im vergangenen Jahr fast verdoppelt. Im Westen ist in Garbsen das Planetencenter gerade abgerissen worden, an seiner Stelle entsteht ein kleines Center. Wenige Hundert Meter weiter will der portugiesische Anbieter Sonae Sierra ein großes Einkaufszentrum neben dem Rathaus errichten. Ist das zu viel des Guten?

Das zweite Adventswochenende ist da: Am Freitagabend war „Xaver“ glücklicherweise weitgehend weitergezogen. Und so besuchten zahlreiche Menschen den Weihnachtsmarkt in der Altstadt oder shoppten in der City.

Nein, sagt Regions-Planungsdezernent Prof. Axel Priebs. „Die Qualität der Center hat sich geändert.“ Wurde bis in die neunziger Jahre auf der grünen Wiese vor den Toren der Städte gebaut, was zur Verödung der Zentren beitrug, so kommen die Center seit einigen Jahren in die Innenstädte zurück und bereichern diese - nicht zuletzt auch auf Druck der Planungsabteilungen. „Die Einkaufscenter sind die neuen Kaufhäuser, die alles unter einem Dach anbieten“, sagt Handelsexperte Thiemann. Gerade im Wettbewerb zum Internethandel sei es für den stationären Handel wichtig, Vielfalt und Atmosphäre zu bieten. „Billiger können die Geschäftsleute vor Ort meistens nicht - aber besser.“

Hannover gilt in Norddeutschland als ein Vorzeigebeispiel dafür, dass ein großes Einkaufszentrum exzellent in eine Innenstadt zu integrieren ist. Wie gut der Austausch funktioniert, zeigt sich zu Stoßzeiten an den Ampelübergängen zur Galerie. Dann wogen die Menschenmengen zwischen der Innenstadt und der Ernst-August-Galerie hin und her. Die anfängliche Befürchtung vieler Kaufleute, dass die Kundschaft die Innenstadt meiden und nur noch in die Galerie gehen könnte, hat sich nicht erfüllt.

Einkaufszentren als Herz der Stadt

Im Gegenteil, betont Centermanagerin Schubert: „Hannover ist ein anspruchsvoller Standort mit einem hervorragenden Geschäftemix in der Innenstadt. Wir haben einiges tun müssen, um die Herausforderung anzunehmen.“ So sei es wohl die einzig richtige Antwort auf die Eröffnung von Primark in der südlichen Innenstadt gewesen, einen Hollister- Store in die Galerie zu holen. Vor dem Trendshop mit dem Surferimage bilden sich noch immer häufig lange Schlangen.

Für die männliche Klientel ist ein Bose-Geschäft hinzugekommen - wegen der benachbarten Saturn-Cityfiliale gibt es sonst kaum Technik in der Galerie. Geschäfte wie Libeskind oder eben Kosmetikspezialist Lush geben der Galerie Exklusivität. Andere Geschäfte wie H&M, Hugendubel oder Hunkemöller gibt es sowohl in der Innenstadt als auch in der Galerie, teils mit anderen Schwerpunkten, teils auch fast identisch. Während in Hannover die Koexistenz von Innenstadthändlern und Shoppingmall funktioniert, sind die Voraussetzungen in Vorstädten wie Laatzen oder Langenhagen völlig andere - dort bilden die Einkaufszentren quasi das kommerzielle Herz der Stadt. Aber auch dort ist man bestrebt, sich regelmäßig neu zu erfinden.

In Langenhagen etwa ist die Verkaufsfläche mit der 2012 fertiggestellten Erweiterung um die große Westpassage jetzt exakt so groß wie die der hannoverschen Ernst-August-Galerie. Der Eindruck aber ist ein völlig anderer - vor allem im Neubauteil fallen besonders breite Gänge und großzügige Sitzgelegenheiten auf. Olga Zinger kann ihre zweijährige Tochter Viola herumlaufen lassen, während sie mit ihrer Freundin Nesli Sanli aus der Wedemark vom Weihnachtsshopping pausiert und einen Kaffee trinkt. „Hier habe ich sie immer im Blick“, sagt Zinger: „Es ist hier nie so voll wie in der Ernst-August-Galerie in Hannover.“

Die Geschäftsleute kommen offenbar trotzdem auf ihre Kosten. Besucherzahlen und Umsatz hätten auch in diesem Jahr wieder um rund zwölf Prozent zugelegt, sagt Managerin Angelika Kramm. Die Zusammenarbeit mit den Geschäften am Marktplatz und der Stadt Langenhagen sei hervorragend.

Die beiden jungen Mütter Zinger und Sanli schätzen vor allem, dass sie alles an einem Ort bekommen. Spielzeug für die Kinder, Kleidung und Accessoires. „Der Vorsatz war eigentlich, in diesem Jahr weniger zu Weihnachten zu kaufen“, sagt die 39-jährige Sanli. Ob es gelingt? Mal schauen - die Shoppingtour ist noch nicht beendet.

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Mathias Klein 17.12.2013

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