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Aus der Stadt Die Vision vom durchsichtigen Menschen
Hannover Aus der Stadt Die Vision vom durchsichtigen Menschen
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18:10 05.02.2014
Von Juliane Kaune
Arbeiten am individuellen Avatar: Prof. Franz-Erich Wolter und Prof. Nadia Magnenat-Thalmann.
Arbeiten am individuellen Avatar: Prof. Franz-Erich Wolter und Prof. Nadia Magnenat-Thalmann. Quelle: Steiner
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Hannover

Sie wollen den Menschen „durchsichtig“ machen: Die Genfer Wissenschaftlerin Prof. Nadia Magnenat-Thalmann und ihr hannoverscher Kollege Prof. Franz-Erich Wolter von der Leibniz-Uni sind Experten für virtuelle Realität. Sie arbeiten daran, das Innenleben des menschlichen Organismus mittels hochkomplexer Computertechnik zu visualisieren – um Medizinern neue Möglichkeiten für Diagnostik und Therapie zu eröffnen. „Langfristiges Ziel ist es, Skelett und Organe einer individuellen Person dreidimensional so abzubilden, dass die Darstellung dem lebenden Vorbild entspricht“, sagt Magnenat-Thalmann, die als Pionierin in Sachen virtuelle Realität international anerkannt ist.

Dass die Schweizerin, die an Unis in Genf und Schanghai lehrt und Ehrendoktorin der Leibniz-Uni ist, nun für ein Jahr in Hannover forschen wird, hat einen besonderen Grund: Sie wurde mit dem renommierten, mit 60.000 Euro dotierten Alexander-von-Humboldt-Forschungspreis ausgezeichnet. Vorgeschlagen hatte sie Uni-Professor Wolter vom Fachbereich Mensch-Maschine-Kommunikation der Fakultät für Elektrotechnik und Informatik. Nach den Statuten des Preises muss stets ein deutscher Wissenschaftler einen internationalen Kollegen nominieren. Wolter und Magnenat-Thalmann bilden nun ein Forschungsduo, das mit anderen Teams in Europa kooperieren wird.

Partner in Hannover ist auch die Medizinische Hochschule (MHH), die großes Interesse an dem Projekt hat, an dem Magnenat-Thalmann seit drei Jahren forscht. „Unsere Probandinnen sind Tänzerinnen“, berichtet die Professorin. Deren individuelle Knochengerüste samt Muskeln und Sehnen werden zunächst mit einem normalen Magnetresonanztomographen aufgenommen, wie er in der medizinischen Diagnostik verwendet wird. Ergänzend werden Aufnahmen mit einem spezifischen Körperscanner gemacht.

Die Daten kombinieren die Computerexperten so, dass daraus individuelle Avatare (virtuelle Menschen) entstehen, deren Knochengerüste dem jeweiligen Original entsprechen und auch auf alle Veränderungen bei Bewegungsabläufen reagieren. In etwa zehn Jahren könnte es möglich sein, diese Technik in der medizinischen Praxis einzusetzen, sagt Magnenat-Thalmann. Doch die Ideen reichen weiter: „Auch innere Organe, Gewebe und Zellstrukturen wollen wir dreidimensional originalgetreu abbilden“, sagt Wolter. Seine Schweizer Kollegin ergänzt: „Das ist die Herausforderung des 21. Jahrhunderts.“

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