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Aus der Stadt Die Zentrale Beratungsstelle der Diakonie zieht um
Hannover Aus der Stadt Die Zentrale Beratungsstelle der Diakonie zieht um
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00:17 10.11.2017
9000 Bedürftige haben Kleidung bekommen: Randolph Pleske, Rainer Müller-Brandes und Norbert Herschel im Kellergeschoss, Beratungsgespräche im Obergeschoss. Quelle: Christian Behrens
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Hannover

„Dieser Umzug ist ein Statement“, betont Diakoniepastor Rainer Müller-Brandes. Ab sofort gibt es an der Berliner Allee 8 für Menschen in schwierigen Lebenssituationen vier wichtige Anlaufstellen unter einem Dach. Mit rund 5000 Besuchern rechnet die Zentrale Beratungsstelle der Diakonie pro Jahr - vom Obdachlosen bis zum Alkoholkranken. Auch wenn es manch einen störe: „Wir gehören mitten in die Stadt. Denn Hannover gehört uns allen“, sagt Müller-Brandes.

20.000 Kilo Kleiderspenden

Im Keller hat die Bekleidungsausgabe ihr Domizil bezogen. Wohnungslose und Menschen, die auf Sozialhilfe angewiesen sind, können sich dort kostenlos Kleidung und Hausrat abholen. Der Bedarf ist groß: Mehr als 20.000 Kilogramm an Spenden wurden allein im vergangenen Jahr ausgeteilt - an mehr als 9000 Bedürftige.

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Die Zentrale Beratungsstelle der Diakonie zieht neue Räumlichkeiten in der Berliner Allee.

Im ersten Geschoss herrscht schon Trubel. Der Tagestreffpunkt „DüK“ bietet dort den laut Diakonie mehr als 3500 Wohnungslosen in Hannover die Möglichkeit, sich aufzuwärmen, zu duschen, sich etwas zu kochen oder einen Computer zu nutzen. „Das ist für die Menschen wie ein Wohnzimmer“, sagt Müller-Brandes. Und noch viel mehr: Rund 1000 Wohnungslose hätten als Postadresse inzwischen die Berliner Allee 8 angegeben. Mit vor Ort seien auch täglich Sozialarbeiter, die im Gespräch individuelle Lösungen für die Besucher erarbeiten könnten - wenn es denn gewünscht ist.

Beratung spart 1000 Hafttage im Jahr

In der zweiten Etage wiederum arbeitet ab sofort das Resohelp-Team in der Beratungsstelle für Straffällige. Wie lässt sich nach einem Gefängnis-Aufenthalt der Weg zurück in den Alltag finden und ein Rückfall vermeiden? Wie lassen sich Geldstrafen in Raten abzahlen? „Unsere Beratung spart 1000 Hafttage im Jahr ein“, schätzt Müller-Brandes. Und jeder Tag koste den Staat 128 Euro.

9000 Alkoholabhängige und 5000 Drogensüchtige leben derzeit laut Niedersächsischer Landesstelle für Suchtfragen in der Stadt Hannover. Für all diese gibt es jetzt ebenfalls in der Berliner Allee 8 eine Anlaufstelle: Psychologen und Ärzte arbeiten in der diakonischen Fachstelle für Sucht und Suchtprävention in der vierten Etage. „Wir vermitteln unter anderem Betroffene in Therapien und beraten die Angehörigen“, erklärt Leiter Randolph Pleske. Mehr als 5000 Gruppen- und Einzelgespräche seien jährlich die Regel.

Viel Werbung brauchte es nach dem Umzug anscheinend nicht. Die Räume sind auf allen Etagen schon belebt. Die offizielle Eröffnung ist für nächsten Montag, 13. November, geplant. Um 11 Uhr beginnt der Gottesdienst in der Dreifaltigkeitskirche. Ein Tag der offenen Tür schließt sich von 12 bis 15 Uhr an der Berliner Allee 8 an.

Von Carina Bahl