Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Die eigene Note
Hannover Aus der Stadt Die eigene Note
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:43 17.01.2014
Von Andreas Schinkel
Stefan Schostok betont, die Politik seines Vorgängers Stephan Weil fortsetzen zu wollen - hat aber durchaus schon neue Akzente gesetzt.
Stefan Schostok betont, die Politik seines Vorgängers Stephan Weil fortsetzen zu wollen - hat aber durchaus schon neue Akzente gesetzt. Quelle: Philipp von Ditfurth
Anzeige
Hannover

Hannovers Straßen werden grundsaniert, die Bürger an bedeutenden Entscheidungen für die Zukunft beteiligt, und die städtischen Bediensteten bekommen endlich einen eigenen Dezernenten. So sieht im Kern die Bilanz aus, die Hannovers neuer Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD) nach 100 Tagen im Amt zieht. „Pragmatisch, zukunftsorientiert und bürgernah“ - so sieht sich Schostok selbst.

Bei der gestrigen Presskonferenz zum ersten kleinen Dienstjubiläum fiel das Fazit nach den ersten 100 Amtstagen erwartungsgemäß positiv aus. Flops habe es keine gegeben, resümierte Schostok zufrieden. Nur die Terminbelastung habe er etwas zurückschrauben müssen.

Sein politischer Kontrahent, Hannovers CDU-Chef Dirk Toepffer, kommt, ebenfalls nicht ganz unerwartet, zu einem anderen Ergebnis. „Bei harten Themen duckt sich Schostok weg“, sagt Toepffer. Das zeige sich etwa am Beispiel der Bürgerproteste gegen Flüchtlingswohnheime. „Hier springt Doris Schröder-Köpf ein, um zu moderieren“, sagt Toepffer. Letztlich bewege sich Schostok noch im Wahlkampfmodus und wolle es allen Recht machen. Mit einer solchen Haltung aber könne eine Stadt nicht regiert werden.

In seinen ersten 100 Tagen hat sich Schostok weder Skandale noch grobe Schnitzer geleistet. Als er bei seiner Amtsübernahme mit der Insolvenz des Logistikunternehmens Netrada konfrontiert wurde, blieb Schostok gelassen. „Am Ende haben wir ein geradezu vorbildliches Insolvenzverfahren erlebt“, sagt er jetzt. Großprojekte hat Schostok sich bisher nicht auf die Fahnen geschrieben, immer wieder hat er herausgestellt, den Weg seines Amtsvorgängers und Parteigenossen Stephan Weil fortzusetzen. Dennoch wird schon jetzt sichtbar, wo sich Schostok von seinem Vorgänger absetzt:

n Straßensanierung: Stephan Weil hatte sich jahrelang damit begnügt, Hannovers Hauptverkehrswege in Schuss zu halten, die Nebenstraße aber nur grob zu flicken. Schostok dagegen will stärker in die Straßenerneuerung investieren. Er kritisiert, dass die Stadt notwendige Bauarbeiten jahrelang „verschleppt“ habe, ähnlich wie in den Schulen. Deshalb nimmt Schostok in den kommenden fünf Jahren 50 Millionen Euro in die Hand, um die Versäumnisse aufzuarbeiten. CDU-Mann Toepffer kritisiert daran, dass die Bürger nun über die Straßenausbaubeitragssatzung zur Kasse gebeten werden. Tatsächlich zahlen die Hannoveraner rund die Hälfte aus eigener Tasche.

n Verwaltungsordnung: Weil hatte es nicht für nötig befunden, im Rathaus ein Personaldezernat einzurichten, obwohl sich das der Personalrat jahrelang gewünscht hatte. Schostok dagegen kommt den Arbeitnehmervertretern entgegen und schlägt jetzt den bisherigen Personalmanager Harald Härke als neuen Dezernenten vor. Auch versteht sich Schostok zugleich als eine Art Sportdezernent und verspricht, der Sportverwaltung eine größere Bedeutung zu geben. Weil war pro forma zwar auch für den Sport in Hannover zuständig, doch den Ausschusssitzungen blieb er zumeist fern. 200 zusätzliche Stellen hat Schostok zudem für die Verwaltung bewilligt. Der Personalrat ist denn auch mit den ersten 100 Amtstagen des neuen Rathauschefs zufrieden. „Bisher freuen wir uns über eine verlässliche Zusammenarbeit“, sagt der Vorsitzende des Gremiums, Hans-Jürgen Jeroschewski.

n Bürgerbeteiligung: Weil hatte auf den letzten Metern seiner Amtszeit eine sogenannte Bürgerpanelbefragung eingerichtet. Regelmäßig werden repräsentativ ausgewählte Hannoveraner zu wichtigen Themen befragt. Auch hatte er zusammen mit Baurat Uwe Bodemann den Stadtentwicklungsdialog City 2020 ins Leben gerufen. Diesen Weg setzt Schostok fort. Er will mit den Bürgern über die Zukunft der Stadt im Jahre 2030 diskutieren - im Internet, aber auch von Angesicht zu Angesicht. CDU-Chef Topeffer ist das Gesprächsangebot zu unverbindlich. Wenn es um konkrete Beteiligung gehe, dann kneife Schostok. So habe er die Schüler des Kaiser-Wilhalm- und Ratsgymnasiums abblitzen lassen, als diese über die geplante Behelfskita auf ihrem Sportplatz diskutieren wollten.

Ein neuer Auftritt

Nicht nur im Job, auch äußerlich hat Stefan Schostok eine Veränderung durchgemacht. Zu seinen Zeiten als Landtagspolitiker war er fülliger, trank gern Bier und Wein. Noch zu Beginn des Wahlkampfs Anfang 2013 erlebten die Hannoveraner Schostok so. Doch dann stellte er seine Ernährungsgewohnheiten radikal um. Er konsumierte kaum noch Alkohol, ernährte sich nahezu fleischlos mit viel Salat und Gemüse. Beim Neujahrsempfang Anfang des Monats sahen die Bürger einen schlanken, ja nahezu dünnen, blonden Mann auf der Rathaustreppe stehen. Hinzu kommt eine Gleitsichtbrille, die Schostok jetzt ständig trägt. So ergibt sich ein ganz neuer Auftritt. Seinem Büro hat der neue OB jetzt auch eine persönliche Note gegeben. An den Wänden hat er zwei Gemälde russischer Konstruktivisten aufgehängt. Die Bilder sind eine Leihgabe des Sprengel Museums und stammen aus der Schwitters-Sammlung. Die Motive gleichen sich: Klare, geometrische Formen in Grautönen vor einem dunklen Hintergrund. „Das erinnert mich an Stadtentwicklung“, sagt Schostok.asl

Bärbel Hilbig 20.01.2014
Mathias Klein 20.01.2014
Aus der Stadt Hundekot als Dauerärgernis - Wenn Herrchen nicht hören will
20.01.2014