Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Die ewigen Hoffnungsträger
Hannover Aus der Stadt Die ewigen Hoffnungsträger
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:15 14.02.2015
Von Bernd Haase
Dieser Elektrokleinwagen Hawa aus dem Jahr 1922 ist noch fahrfähig. Kuratorin Kathleen Biercamp hat sich ans Steuer gesetzt. Quelle: Rainer Surrey
Anzeige
Hannover

Im Wettlauf um die Käufergunst lagen benzinbetriebene Autos und solche mit Elektromotor einst gleichauf - um das Jahr 1900 war das, als die Märkte noch klein und die Markenpalette überschaubar war. Seitdem sind Elektroautos deutlich in Rückstand geraten, und Bettina Gundler hat dafür eine Erklärung: „Benziner wurden damals als Eventmobile für männliche Sportler gepriesen. Sie knatterten und waren schnell. Für Elektroautos hat man dagegen mit Hausfrauen geworben“, sagt die Leiterin der Hauptabteilung Landverkehr des Deutschen Museums in München.

Das Image des Benziners als einer Rennreiselimousine habe sich durchgesetzt und bis heute erhalten. „Das Thema hat eine kulturelle Besetzung erfahren, und zwar zum Nachteil für die Elektromobilität“, sagt die Wissenschaftlerin.

Anzeige

Gundler hat im größten naturwissenschaftlich-technischen Museum Deutschlands eine Ausstellung zur Geschichte und zur Zukunft der Elektromobilität verantwortet, die jetzt auf Reisen geht. Unter dem Titel „Hannover aufgeladen“ ist sie seit gestern im Historischen Museum in der Altstadt zu sehen, wobei Kathleen Biercamp einen Teil kuratiert hat, der sich ausschließlich mit der Landeshauptstadt beschäftigt. Die Ausstellung passt in die Zeit. Schließlich versucht die Bundesregierung seit einigen Jahren, Elektromobilität zu fördern - und ist damit, gemessen an den eigenen Zielsetzungen, bisher krachend gescheitert.

Wenn sich daran nichts ändert, ergänzt es den bisherigen Verlauf der Geschichte um Elektrofahrzeuge. „Sie sind ewige Hoffnungsträger. Seitdem 1881 der erste Stromer gebaut wurde, gab es viele Aufbrüche und viele Enttäuschungen“, sagt Gundler. Hannover hat seine ganz eigene Elektroautogeschichte. Vorne mit dabei war die Feuerwehr, die 1902 den weltweit ersten mit Elektromotoren betriebenen Löschzug in Dienst stellte. Er ist in der Schau nur als Modell zu sehen, aber die Goldmedaille, die städtischen Brandbekämpfer dafür bei der Weltausstellung 1904 in St. Louis erhielten, gibt es noch im Original.

Höhepunkt der Ausstellung aus lokaler Hinsicht ist der aufpolierte Kleinwagen Hawa, von dem die hannoversche Waggonfabrik in den Jahren 1921 und 1922 rund 2000 Stück produzierte. „Man kann ihn fahren, er wird beim Autokorso zum 900. Geburtstag von Linden eingesetzt“, sagt Direktor Thomas Schwark. Modell Nummer drei aus Hannover ist der Elektrobulli von VW aus dem Jahr 1973. „Allein die Akkus wogen 850 Kilogramm, das entsprach der Nutzlast. Damit überhaupt noch Zuladung möglich war, musste das Fahrgestell verstärkt werden“, schildert Biercamp.

Hannover aufgeladen“ ist informativ und in Teilbereichen unterhaltsam - man muss allerdings Zeit und Lust zum Lesen der Texte auf den Schautafeln mitbringen. Sie wirft nicht nur den Blick in den Rückspiegel, sondern auch einen nach vorne. In Filmen sind futuristisch-roboterhafte Autos zu sehen, die durch Straßen einer Großstadt huschen. Fragt man Bettina Gundler, wann solche Visionen Wirklichkeit werden und die Elektroautos nicht mehr bloße Hoffnungsträger sind, dann sagt sie: „Wenn man anfängt, das Thema als Mobilitätskonzept zu denken. Wir brauchen einen Bewusstseinswandel.“ Laut Ende Januar veröffentlichter Mobilitätsstudie des Autozulieferers Continental bedeutet das Arbeit. „Elektroautos stecken in einer Imagefalle“, heißt es dort. Besonders die Begeisterung der jüngeren Menschen gegenüber der umweltfreundlichen Technik lasse spürbar nach.

Die Ausstellung „Hannover aufgeladen!“ läuft noch bis zum 14. Juni im Historischen Museum, Pferdestraße 6. Geöffnet ist sie dienstags von 10 bis 19 Uhr, mittwochs bis freitags von 10 bis 17 Uhr und an Wochend- und Feiertagen von 10 bis 18 Uhr. Der Eintritt kostet 5, ermäßigt 4 Euro. Außerdem bietet das Museum Gruppentarife an. Zur Schau läuft ein Rahmenprogramm; nähere Informationen finden Sie hier.

14.02.2015
Jörn Kießler 11.02.2015
Aus der Stadt Flüchtlinge vom Weißekreuzplatz - Sudanesen besetzen Botschaft in Berlin
Tobias Morchner 11.02.2015