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Aus der Stadt Das ist neu an der neuen Stadtbahn
Hannover Aus der Stadt Das ist neu an der neuen Stadtbahn
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15:42 05.03.2014
Foto: So fahren wir künftig Stadtbahn: Der TW 3000 ist das neue Modell, das demnächst auf den Gleisen der Linien 3 und 7 rollen soll.
So fahren wir künftig Stadtbahn: Der TW 3000 ist das neue Modell, das demnächst auf den Gleisen der Linien 3 und 7 rollen soll. Quelle: Körner (Archiv)
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Hannover

Hannovers Stadtbahnwagen, so kann man sagen, beschäftigt die Republik. Das Design wurde von einem Stuttgarter Büro entwickelt. Karosserie und Fahrgestell kommen aus Salzgitter, die elektrischen Bauteile aus Düsseldorf, der Kopf aus Dessau, die Bremsen aus München. Lackiert und zusammengefügt wird das Ganze in Leipzig.

Dort hat die Firma Heiterblick im Jahr 2013 die Montage des sogenannten TW 3000 aufgenommen. Das Unternehmen hat in einem Gewerbegebiet extra eine neue Halle zum Preis von 3,5 Millionen Euro gebaut, um die neuen Bahnen für Hannover zusammenbauen zu können.

Im Dezember schickte die Üstra zum ersten Mal eine ihrer neuen Stadtbahnen vom Typ TW 3000 von Leinhausen aus auf die Gleise. Die späte Stunde hatte nichts mit Geheimniskrämerei zu tun. Der reguläre Bahnverkehr sollte nicht gestört werden sollte.

Bis zu fünf Wagen will die Firma pro Woche montieren – eine nicht ganz unkomplizierte Aufgabe: Ein Stadtbahnwagen besteht aus etwa 450 Baugruppen mit rund 5000 Einzelteilen.

Am Ende sollen 100, vielleicht sogar 144 Wagen der Baureihe TW 3000 durch Hannover rollen – entworfen ganz nach den Wünschen der Üstra. Und davon äußerte das hannoversche Verkehrsunternehmen durchaus eine Reihe. Bei der Entwicklung wurden Ideen von Senioren- und Behindertenverbänden, Erkenntnisse aus der Unfallforschung und Ergebnisse von Fahrgastbefragungen berücksichtigt.

Farbe je nach Stimmung

Mittlerweile berühmt ist die sogenannte farbliche Ambientebeleuchtung, die es weltweit noch nicht in Stadtbahnen gibt und mit der die Üstra auf das Wohlbefinden ihrer Fahrgäste Einfluss nehmen will. Lichtbänder unter der Decke des Fahrgastraums können nicht nur Weißlicht abstrahlen, sondern je nach Bedarf auch andere Farben: kühles Blau an heißen Sommertagen, warmes Gelb, wenn es draußen kalt ist, und beruhigendes Grün. „Rot hätten wir auch aufnehmen können, haben es aber unterlassen, weil die meisten sofort eine bestimmte Assoziation hatten“, erklärt Gunnar Straßburger, Projektleiter bei der Üstra.

Innen: Hilfston und intelligente Sitze

Zu den Standards im Fahrzeuginneren zählen dunkelbraune Sitze, orangefarbene Haltestangen, Abteile für Kinderwagen, Rollatoren sowie Videoüberwachung und Fahrgastfernsehen.

Die Sitze des neuen Stadtbahnmodells sind bis zu sechs Zentimeter höher als die bisherigen. Gleich hinter der Fahrerkabine befindet sich eine breitere Sitzschale, die zum Beispiel Eltern mit Kind Platz bieten soll.

Die Üstra hatte zahlreiche Wünsche für ihre neuen Stadtbahnwagen. Höhere Sitze, mehr Platz im Innenbereich, größere Fenster – hier kommt der Überblick.

Die Haltestangen im Inneren sind im Abstand von einem Meter eingebaut worden. Damit sollen auch Rollstuhlfahrer sich leicht in der Bahn bewegen können. Fahrgäste, die schlecht sehen oder blind sind, sollen mit Hilfe eines Tons leichter zur Tür finden.

Auch an das eigene Personal hat die Üstra gedacht. Die Fahrer dürfen sich über einen Memorysitz freuen, der sich automatisch den ergonomischen Anforderungen des Fahrzeuglenkers anpasst.

Außen: Weiche Haut und Lichtleiste

Zu den Besonderheiten des TW 3000 zählt die Frontpartie mit ihrer hochgezogenen Scheibe. Bei drei der darunter angebrachten Teile lässt sich die äußere Kunststoffhaut mit dem Finger leicht eindrücken. „Forscher haben herausgefunden, dass sich so bei Unfällen mit Personen die Schwere von Kopfverletzungen mindern lässt“, erklärt Straßburger.

Technische Daten

Wagenlänge: 25,16 m

Wagenbreite: 2,65 m

Wagenhöhe: 3,75 m

Sitzplätze: bis zu 54

Stehplätze: bis zu 121

Antrieb: 4 x 125 kW

Gewicht: etwa 40 Tonnen

Türen: 4 Stück auf jeder Seite

Höchsttempo: 80 km/h

Im Unterschied zu den vorhandenen Silberpfeilen sind die Außenscheiben leicht getönt und stehen hochkant. Auffällig sind auch die Lichtstreifen über den Türen. Bei grünem Signal lassen sich die Türen noch öffnen, bei Rot nicht mehr.

Verzichtbar sind beim TW 3000 indes die Klapptrittstufen. Die Wagen kommen nur auf Linien zum Einsatz, die bereits vollständig mit Hochbahnsteigen ausgebaut sind. Zum Start sollen sie auf den Linien 3 und 7 rollen.

Der Zeitplan sieht vor, dass die ersten 50 Wagen zum Stückpreis von 2,5 Millionen Euro bis Mai 2015 in Hannover angekommen sind. Direkt im Anschluss können die Techniker im selben Rhythmus die zweite Serie montieren, das letzte Fahrzeug würde dann 2018 aus der Halle rollen. Die Üstra besitzt zudem noch eine Option auf eine dritte, 44 Wagen umfassende Tranche. Sie kann aber nur gezogen werden, wenn die Landesnahverkehrsgesellschaft Zuschüsse zahlt.

Präsentation der Bahnen

Die Üstra stellt die neuen Stadtbahnen am Freitag, 7. März von 15.30 Uhr an im Betriebshof Glocksee vor. Die Hannoveraner können die Bahn nicht nur von außen ansehen, sondern auch den Innenraum in Augenschein nehmen. Mitarbeiter des Verkehrsunternehmens stehen dabei für Fragen und Auskünfte zur Verfügung.

se/rah

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