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Aus der Stadt Die neue chirurgische Abteilung des Nordstadtkrankenhauses
Hannover Aus der Stadt Die neue chirurgische Abteilung des Nordstadtkrankenhauses
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07:58 19.03.2009
Von Nicola Zellmer
Aufgeschlossen: Gesundheitsministerin Mechthild Ross-Luttmann und Prof. Andreas Schwartz mit dem symbolischen Schlüssel zum Neubau. Quelle: Wilde
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Von kühler Klinikatmosphäre ist im Neubau der Chirurgie des Nordstadtkrankenhauses nichts zu spüren. Ein großzügiger Aufgang leitet den Besucher an Blumenkübeln vorbei in die großzügige Empfangshalle mit hellgrünem Tresen, Blumenschmuck und freundlichen Mitarbeiterinnen. Die Szenerie lässt an die Lobby eines Hotels denken. Der Eindruck ist beabsichtigt. „Wir wollen, dass sich Patienten und Mitarbeiter hier wohlfühlen“, sagt Prof. Andreas Schwartz, ärztlicher Direktor des zum Klinikum der Region Hannover gehörenden Krankenhauses. Gestern empfing er rund 150 Gäste zur offiziellen Eröffnung des Neubaus. Dessen Fertigstellung hatte sich wegen einer Brandstiftung im Sommer 2007 um mehr als ein Jahr verzögert. Im Herbst 2008 konnten dann die ersten Teile in Betrieb genommen werden.

„Sie können auf den gelungenen Neubau stolz sein“, erklärte Niedersachsens Gesundheits- und Familienministerin Mechthild Ross-Luttmann in ihrer Rede. Damit sei die Funktion des 1895 gegründeten Nordstadtkrankenhauses in der wohnortnahen medizinischen Versorgung weiterhin gewährleistet. Regionspräsident Hauke Jagau lobte die Mitarbeiter, die den laufenden Betrieb auch während der Bauarbeiten aufrechterhalten hatten. Ganz besonders hob er zudem die mit dem Neubau geschaffenen kurzen Wege hervor. Weil Jagau selbst früher im Rettungsdienst tätig war, konnte sich der Regionspräsident noch lebhaft an umständliche Patiententransporte über den Hof erinnern. „Heutzutage brauchen wir kurze Wege und eine Zusammenarbeit aller Disziplinen“, betonte auch Klinikumsgeschäftsführer Norbert Ohnesorg.

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Der vom Land finanzierte, 62 Millionen Euro teure Neubau beherbergt im Erdgeschoss Notfallaufnahme und Notfall-Operationssaal, im ersten Stock das chirurgische Zentrum mit fünf Hightech-Operationssälen sowie eine Intensivstation mit 20 Beatmungsbetten. Im zweiten Stock ist die Geburtshilfe mit drei Kreißsälen und einem Operationssaal untergebracht. Über eine neue Liegendvorfahrt in der Haltenhoffstraße und den Hubschrauberlandeplatz auf dem Dach können Notfallpatienten ohne Umwege zur Behandlung gebracht werden. Unterirdische Gänge verbinden die Chirurgie mit den benachbarten Gebäuden auf dem Gelände.

Klinikdirektor Schwartz ist vor allem begeistert von der modern ausgestatteten Notaufnahme, wo jährlich rund 30.000 Patienten behandelt werden können. Im Notfall-Operationssaal können die Kranken direkt im Computertomographen durchleuchtet werden. „Das ist internationaler Standard auf hohem Niveau“, sagt Schwartz. „Meines Wissens ist diese Kombination in Hannover einmalig.“ Auch die um einen Lichthof im Erdgeschoss gelegene Radiologie ist etwas Besonderes. „Sonst liegt die Radiologie meist im dunklen Keller“, sagt der ärztliche Direktor. „Aber heute muss man keine Filme mehr schützen.“ Stattdessen hat die Klinik die Bildgebung digitalisiert, sodass die Ärzte auch während der Operation alle Röntgen- und Kernspinbilder eines Patienten per Knopfdruck auf dem Monitor betrachten können.
Erst im April wird die in warmen Farben gestaltete Geburtshilfestation in Betrieb genommen. Dort sollen künftig 800 Geburten pro Jahr in zwei Kreißsälen mit Geburtswanne und gemütlichem Kuschelbett stattfinden. Das Glanzlicht der Station ist für Schwartz der nach Süden gelegene Frühstücksraum mit der großen Glasfassade, wo die Wöchnerinnen demnächst ihre Mahlzeiten mit Ausblick einnehmen können. Für Kaiserschnittgeburten und Notfälle steht ein hellblau eingerichteter Operationssaal zur Verfügung, in dem auch die Wärmelampen für Frühgeborene nicht fehlen.

Als Nächstes will das Klinikum für das Nordstadtkrankenhaus den zweiten Bauabschnitt auf den Weg bringen, der unter anderem den Neubau eines Bettenhauses vorsieht. Dort sollen die Betten zusammengefasst werden, die derzeit in den teilweise denkmalgeschützten, historischen Backsteinpavillons untergebracht sind. Auch die im historischen Gebäude am Herrenhäuser Kirchweg beheimatete Frauenklinik soll dann auf dem Gelände zwischen Schneiderberg und Haltenhoffstraße untergebracht werden.

Über genaue Einzelheiten wollte der für die Finanzen zuständige Geschäftsführer Karsten Honsel noch nichts sagen. Die Planungen für das Nordstadtkrankenhaus seien etwa zehn Jahre alt und gelten bis 2025. „Wir möchten das Krankenhaus aber schneller fertigstellen“, erklärte er. „Wir machen daher eine ergänzende Planung.“ Im Mai will der Aufsichtsrat die endgültigen Pläne der Öffentlichkeit vorstellen.
Zukunftsmusik ist derzeit noch die sogenannte Kopfklinik im Nordstadtkrankenhaus, in der alle operativen Bereiche konzentriert werden, die sich mit dem Kopf beschäftigen – von der Hals-Nasen-Ohren-Medizin bis zur Neurochirurgie.

Vivien-Marie Drews 18.03.2009
Vivien-Marie Drews 18.03.2009
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