Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Die schwarzen Taxis fahren heute zum letzten Mal
Hannover Aus der Stadt Die schwarzen Taxis fahren heute zum letzten Mal
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:00 30.06.2017
Von Mathias Klein
Heute Abend wird Mein Taxi Geschichte sein: Geschäftsführer Ingo Schröder schließt sein Unternehmen. Quelle: Tim Schaarschmidt
Anzeige
Hannover

Ingo Schröder ist kein Freund großer Worte. Auch wenn am Freitag alles vorbei ist. Sein Unternehmen schließt. Und die schwarzen Taxis verschwinden aus der Stadt. Für immer. Trocken und wortkarg berichtet Schröder einen Tag vor dem Ende des Unternehmens, wie es am Freitag aufhört. „Die Kunden sind informiert, ein Teil der Taxis ist schon weg, der andere geht dann weg.“ Punkt. Mehr gibt es für den Geschäftsführer von "Mein Taxi" gerade nicht zu sagen. Vor zweieinhalb Jahren war Schröder noch voller Hoffnung. Rund 50 Fahrer und etwa 20 schwarz lackierte Taxis hatte er vom vorherigen Geschäftsführer des Unternehmens Mein Taxi übernommen.

Hannovers größtes Taxi-Unternehmen will mit Qualitätsnachweisen im zunehmenden Wettbewerb bestehen. Und setzt dafür auf eine umfassende Kontrolle des gesamten Fuhrparks.

Das kleine Unternehmen mit den schwarzen Taxis leistete sich den Luxus einer eigenen Taxizentrale, während der deutlich überwiegende Teil der hannoverschen Taxiunternehmer unter dem Dach der hannoverschen Zentrale Hallo Taxi zusammengeschlossen ist. Freundlicher im Umgang mit den Kunden, sauberer in den Autos und einfach besser als die anderen wollten die schwarzen Taxis sein und sich damit von der deutlich übermächtigen Konkurrenz abheben.

Anzeige

Zu viele Taxis in Hannover

Letztlich hat das aber nichts genützt. „Der Mindestlohn hat uns das Genick gebrochen“, berichtete Schröder. In Hannover gebe es einfach zu viele Taxis, meint er. Der Geschäftsführer von Mein Taxi hatte zunächst gehofft, dass die Einführung des Mindestlohns es für sein Unternehmen leichter machen werde. Aber das war ein Trugschluss. Mit der Schließung will Schröder einer Pleite zuvorkommen. Es sei absehbar gewesen, dass er seine Mitarbeiter nicht mehr bezahlen konnte. Hallo Taxi hatte angekündigt, alle Fahrer der schwarzen Taxis zu übernehmen.

Der Vorsitzende des Taxifahrervereins, Peter Größer, bedauerte die Schließung des Betriebs. Jetzt gebe es in der Landeshauptstadt leider ein Monopol. „Konkurrenz ist sowohl für die Kunden als auch für die Fahrer gut“, betonte er.

Firma gibt 20 Lizenzen zurück

Ein Taxi pro 1000 Einwohner – das gilt bundesweit als guter Versorgungsschlüssel. In Hannover liegt er etwa 10 Prozent höher. Was den Taxiunternehmern aber zusätzlich zu schaffen macht, sind Taxis aus Langenhagen und vor allem die Flughafentaxis, die formal nicht auf die Stadtquote angerechnet werden, aber viele Fahrten in Hannover übernehmen. In anderen Städten mit externem Flughafen, etwa München, erledigten die Großstadttaxis auch die Flughafenfahrten. Wenn jetzt Mein Taxi die Lizenzen für die 20 schwarzen Taxis zurückgibt, entspannt sich die Lage ein klein wenig.

Erst vor zweieinhalb Jahren hatte das Taxiunternehmen kurz vor der Auflösung gestanden. Zu diesem Zeitpunkt hatte der damalige Geschäftsführer allen 60 Fahrern gekündigt und das mit der Einführung des Mindestlohns begründet - ein damals bundesweit einmaliger Vorgang. Ein Stundenlohn von 8,50 Euro würde das Unternehmen zerstören, hatte der Geschäftsführer gesagt.  Dann waren in Hannover von der Stadt die Taxigebühren erhöht worden, damit die Unternehmer den Fahrern den Mindestlohn zahlen können. Daraufhin hatte Schröder als Geschäftsführer das Unternehmen übernommen.

Elf Taxis fahren heute noch, am Abend ist dann alles vorbei mit den schwarzen Taxis. Auch wenn Schröder das nicht sagt, es geht ihm nah.

Felix Harbart 30.06.2017
01.07.2017
Mathias Klein 03.07.2017