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Aus der Stadt Dieb soll für verlorenen Auftrag haften
Hannover Aus der Stadt Dieb soll für verlorenen Auftrag haften
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08:01 24.01.2015
Von Michael Zgoll
Zwei Kisten mit VW-Teilen wollte der Dieb aus dem Stöckener Werk schleusen. Quelle: Holger Hollemann
Hannover

Die Firma kündigte dem 35-Jährigen fristlos, VW erteilte ihm ein Hausverbot. Womit der Vater von zwei Kindern nicht gerechnet hatte: Drei Monate nach der Tat flatterte ihm ein Mahnbescheid über knapp 138.000 Euro ins Haus. Sein früherer Chef behauptet, wegen des Diebstahls habe er einen noch knapp zwei Jahre währenden Auftrag im VW-Werk verloren. Nun klagt er den entgangenen Gewinn für diesen Zeitraum ein - rund 6000 Euro pro Monat.

Der Qualitätsprüfer, der die Airbag-Module an der Produktionsstraße stahl, setzt sich gegen die Zahlungsaufforderung zur Wehr. „Müsste mein Mandant diese enorme Summe begleichen, wäre er wirtschaftlich mausetot“, sagt sein Anwalt Michael Timpf. Doch beim Gütetermin am Freitag im Arbeitsgericht kamen sich Arbeitgeber und früherer Arbeitnehmer kein Stück näher. Der nächste Verhandlungstermin ist im August.

Der Kampf um Aufträge bei Volkswagen ist hart. Um Kosten zu sparen, vergibt der Konzern bestimmte Aufgaben an Subunternehmer, die oft Zeitarbeiter beschäftigen. Diese Firmen wiederum holen sich für Teilaufträge Sub-Subunternehmer ins Boot. Bei solch einer Firma mit rund einem Dutzend Mitarbeiter war der 35-jährige Misburger angestellt.

An einem Sonntag im September 2014 beobachtete der Werkschutz, wie der Qualitätsprüfer mit einer Kiste vor dem Bauch die Werkshallen verließ. Als dieser registrierte, dass er beobachtet wurde, stellte er die Box auf dem Parkplatz ab und fuhr nach Hause. Die Werkschutzleute nahmen die Kiste unter die Lupe, werteten die Aufnahmen verschiedener Überwachungskameras aus, öffneten den Spind des Verdächtigen - und wurden auch dort fündig. In zwei Boxen fanden sie an die 20 Airbag-Komponenten, deren Einkaufspreis bei 750 Euro liegt. Als der Mann am nächsten Tag zur Arbeit erschien, wurde er entlassen.

Aufgrund des relativ geringen Schadens kam der Dieb im Strafverfahren mit einer milden Buße davon; per Strafbefehl wurde er zur Zahlung von 1600 Euro verurteilt. Doch die kurz vor Weihnachten eintreffende Zahlungsaufforderung seines früheren Arbeitgebers von knapp 138 000 Euro traf ihn ins Mark.

Anwalt Timpf argumentiert, es sei überhaupt nicht bewiesen, dass der Sub-Subunternehmer den Auftrag aufgrund der Verfehlung des 35-Jährigen verloren habe. Die Firma sei früher schon einmal bei VW herausgeflogen, auch der aktuelle Auftrag habe - aus anderen Gründen - auf der Kippe gestanden. Zudem sei die Zahlungsaufforderung nicht berechtigt, weil sein Mandant die zusätzlichen Folgen des Diebstahls nicht vorhersehen konnte und somit nicht haftbar zu machen sei: „Mit einer Kündigung und einer strafrechtlichen Verfolgung musste er rechnen, aber nicht mit einer Schadensersatzforderung wegen eines angeblich entgangenen Gewinns.“

Die Gegenseite sieht dies anders. „Wenn jemand eine Straftat begeht, muss er alle Konsequenzen tragen“, sagt Firmenanwalt Karl-Heinrich Wintzenburg. Der Imageschaden, den der Sub-Subunternehmer aufgrund des Diebstahls erlitten habe, sei immens. „Es ist ein Privileg, im VW-Werk arbeiten zu dürfen“, sagt der Anwalt. Wer sich danebenbenehme, sei ganz schnell weg vom Fenster. So habe VW denn auch auf den Subunternehmer eingewirkt, sich rasch vom kleinen Auftragnehmer zu trennen.

VW will sich nicht äußern, weder zum aktuellen Gerichtsprozess noch zum generellen Problem interner Diebstähle. Bekannt ist nur, dass die Kontrollen in den Werken streng sind - aus gutem Grund. Immer wieder tauchen auf Internetportalen wie Ebay Originalteile zu überaus günstigen Preisen auf, die aus zweifelhaften Quellen stammen.

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