Diebe bestehlen Trauernde und müssen sich vor Landgericht Hannover verantworten
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Aus der Stadt Diebe räumen Autos von Trauernden leer
Hannover Aus der Stadt Diebe räumen Autos von Trauernden leer
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00:35 15.11.2014
Von Michael Zgoll
Klaus-Walter L. (l.) und Stephan L. (4. v. l) sprechen mit ihren Verteidigern.
Klaus-Walter L. (l.) und Stephan L. (4. v. l) sprechen mit ihren Verteidigern. Quelle: Nigel Treblin
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Hannover

Die Diebe, die die Seitenscheiben von 167 Autos zerstörten und in 155 Fällen Wertgegenstände erbeuteten, waren bei der Auswahl ihrer Opfer skrupellos. Die Hälfte ihrer Taten begingen sie auf Friedhofsparkplätzen, nahmen die Wagen von Blumen gießenden Witwen oder Trauerfeierbesuchern ins Visier. Auch vor Krankenhäusern schlugen sie gerne zu; so wurde allein der Parkplatz der Kinderklinik Auf der Bult mehr als ein Dutzend Mal zum Tatort. Seit Mittwoch müssen sich der 59-jährige Klaus-Walter L. und der 51-jährige Stephan L. - sie sind nicht verwandt - vor dem Landgericht wegen Diebstahls und Computerbetrugs in 186 Fällen verantworten.

Über die Taten befinden muss die 2. Große Strafkammer unter Vorsitz von Frank Rosenow. Auf der Anklagebank sitzt auch eine Frau. Die 56-jährige Elke D. soll den Männern bei etlichen Taten ihren BMW zur Verfügung gestellt haben. Die Autos der Opfer wurden zwischen März 2012 und Juli 2013 ausgeräumt; der Gesamtschaden soll mehr als 100.000 Euro betragen. Staatsanwältin Maren Adam brauchte mehr als eine Stunde, um die Anklageschrift zu verlesen. Mehrere Dutzend Fälle, zu denen die Ermittler nicht genug belastendes Material fanden, kamen nicht zur Sprache.

Während Klaus-Walter L. und Elke D. am Mittwoch schwiegen, packte Stephan L. aus. Das Beuteschema war demnach immer das gleiche: Die Männer spähten im Vorbeigehen in geparkte Autos, hielten nach Handtaschen oder Rucksäcken Ausschau. Dann wartete der eine im Wagen, während der andere zuschlug; laut eigener Aussage war das fast immer Stephan L. Ein Schlag mit einem Metallstift in die Seitenscheibe, ein Hieb mit dem Ellenbogen, ein Griff durchs Fenster: Binnen Sekunden lag die Beute auf dem Präsentierteller. Verblüffend war, was die Autobesitzer allen fortdauernden polizeilichen Warnungen zum Trotz in ihren Autos liegen ließen: Laptops und Handys, Geldbörsen und Schlüssel, Kreditkarten und Ausweispapiere. Einen Volltreffer landeten die Diebe beim Abgreifen von fünf Geldtaschen, in denen sich 4100 Euro befanden. Als weniger ergiebig entpuppten sich ein Beutel mit Pfandflaschen und ein Gesangbuch.

Der Aktionsradius der Männer war groß. Sie schlugen auf Friedhofsparkplätzen in Hannover und Hemmingen, in Garbsen, Gehrden und Godshorn zu, räumten Autos vor Kliniken in Alfeld und Peine leer oder suchten Stellflächen vor Möbelhäusern in Laatzen und Bad Nenndorf heim. Gelegentlich demolierten die Diebe drei Autos an einem Tag. Zu den erbeuteten Geldkarten fanden sie oft auch die passenden PINs, auf Zetteln nur unzulänglich als Telefonnummern getarnt. 19 Mal kauften sie damit ein, tankten ihr Auto voll oder hoben Geld ab, mehrmals Beträge über 1000 Euro. Ihr Ende fand die Diebstahlsserie in Hameln: Am 15. Juli 2013 wurden die Männer auf frischer Tat ertappt.

Bei seiner Aussage ließ Stephan L. durchblicken, dass der Ältere der Kopf der Diebesbande gewesen sei - vor dem er sich jetzt wegen seines Geständnisses fürchte. Beide Männer haben jeweils mehr als zwei Dutzend Vorstrafen aufzuweisen; wegen Diebstahls-, Raub- und Betrugsdelikten saß Klaus-Walter L. schon viele Jahre im Gefängnis.

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