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Aus der Stadt Diebe stehlen Gelähmtem den Rollstuhl
Hannover Aus der Stadt Diebe stehlen Gelähmtem den Rollstuhl
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19:43 14.03.2012
Von Vivien-Marie Drews
Unbekannte haben einem Behinderten auf diesem Parkplatz den Rollstuhl aus dem Kofferraum gestohlen. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Wie die Polizei erst am Mittwoch mitteilte ereignete sich die Tat bereits am Montag, den 5. März. Der körperbehinderte junge Mann hatte an dem Abend eine Sportgruppe beim Behinderten Sportverband im Ferdinand-Wilhelm-Fricke-Weg am Maschsee besucht. Gegen 19.40 Uhr saß er wieder in seinem Audi A5 und wartete auf seine Betreuerin. Plötzlich machten sich zwei Männer am hinteren Teil des Autos zu schaffen, öffneten die Kofferraumklappe und hoben den Rollstuhl aus dem Wagen. Anschließend sprach einer der Täter das Opfer an: Er zeigte eine geballte Faust und drohte dem querschnittsgelähmten jungen Mann, er solle bloß nicht die Polizei rufen. Mit ihrer Beute flüchteten die Täter zu Fuß über die rote Fußgängerbrücke am Lodemannweg in Richtung Stammestraße.

Bei dem Rollstuhl handelt es sich um einen nur zehn Kilogramm schweren Sportrollstuhl. Das maßangefertigte Gerät lässt sich in zwei Teile zerlegen und hat einen Wert von rund 3200 Euro. Der 31-Jährige hat sich vorerst einen anderen Rollstuhl geliehen, der aber deutlich schwerer und unbeweglicher ist - auf Sport muss der jungen Mann jetzt verzichten. Der Polizei liegt nur eine wage Täterbeschreibung vor: Einer der Männer soll eine Mütze mit Bommel getragen haben.

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Erst im Februar hatte eine ähnliche Tat in der Stadt für Empörung gesorgt. Am Montag, den 20. Februar, nahmen sechs Jugendliche einem 15 Jahre alten hörbehinderten Mädchen in einer Stadtbahn der Linie 4 die Hörgeräte ab. Selbst Insassen der Justizvollzugsanstalt (JVA) Hannover reagierten empört auf den Fall. Sie verfassten einen offenen Brief und richteten mahnende Worte an die Täter: "Wir finden eine solche Tat einfach abscheulich und möchten den ‚coolen‘ Tätern folgendes mitteilen", hieß es in dem Schreiben aus der JVA. "Wie würdet Ihr es finden, wenn dieses hilflose Mädchen Eure kleine Schwester gewesen wäre?" Sie selbst seien "keine Engel" gestehen die verurteilten Straftäter unumwunden ein. "Aber wir finden: So etwas tut man nicht", schreiben sie in ihrem Brief.

Unklar ist, was die Täter mit den individuell auf die Patienten abgestimmten medizinischen Geräten anfangen wollen. Im Fall der Jugendlichen, die der Schülerin die Hörgeräte wegnahmen, kann wohl davon ausgegangen werden, dass die jungen Täter schlicht nicht wussten, was sie da eigentlich taten. Im Fall des gestohlenen Rollstuhls hingegen, könnten die Täter es durchaus darauf abgesehen haben, mit ihrer Beute einen anständigen Preis in einem Internetauktionshaus zu erzielen. Hinweise zu dem Vorfall nimmt die Polizei unter der Telefonnummer (0511) 1093920 entgegen.

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