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Aus der Stadt Diesen Audi dürfte es eigentlich nicht mehr geben
Hannover Aus der Stadt Diesen Audi dürfte es eigentlich nicht mehr geben
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00:16 05.03.2017
Nils Meyer, seine Frau Laura und der Audi A4. Quelle: Jan Philipp Eberstein 2017
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Hannover

Das war eine böse Überraschung: Als Nils Meyer seinen jüngst gekauften, elf Jahre alten Audi A4 Avant durchchecken lassen will, meldet sich die Werkstatt bei ihm: „Ist der Wagen gestohlen?“, lautet die Frage. Beim Eintippen der Fahrgestellnummer ploppte im Computer ein Sperrvermerk von Audi auf. Das Auto existiere seit 2005 nicht mehr.

Das war im November 2016, seitdem ist Nils Meyer ratlos. Das Auto mit knapp 168 000 gefahrenen Kilometern hatte er von guten Freunden für 5000 Euro gekauft. „Auch unsere Bekannten waren total überrascht“, sagt der 26-jährige Familienvater aus Ronnenberg. Die Freunde hatten den Wagen im November 2005 in Hannover beim Autohaus Bischoff & Hamel für 25 200 Euro als Gebrauchtwagen gekauft - mit nur 50 Kilometern Laufleistung und ein halbes Jahr alt.

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Audi bestätigt: Das Auto habe 2005 bei einem Unwetter in Skandinavien „einen erheblichen Wasserschaden erlitten“, schreibt der Konzern an Familie Meyer. Die elektrischen und elektronischen Systeme seien deshalb „nicht mehr funktionssicher“. Audi habe daher „dringend abgeraten“, den A4 weiterzubetreiben. Die Ingolstädter sperrten die Fahrgestellnummer, doch der Kombi wurde offenbar wieder in den Verkauf gebracht.

Meyer vermutet, dass der Wagen „über schwarze Kanäle“ nach Hannover kam. Letztlich landete er bei Bischoff & Hamel, wo er ohne weitere Hinweise als Gebrauchtwagen weiterverkauft wurde. „Das hätte doch aber auffallen müssen“, sagt der 26-Jährige und vermutet eine Vertuschungsaktion. Das Autohaus habe ihm auf Nachfrage eine rüde Abfuhr erteilt.

Bischoff & Hamel kann den Vorgang nach eigener Aussage nicht rekonstruieren. „Wir sind in unserem System auf keinen solchen Fall gestoßen“, sagt Geschäftsführer Mike Altmann von der übergeordneten Volkswagen Automobile Hannover GmbH. Zwölf Jahre seien eine zu lange Zeit. Er schließt jedoch aus, dass der Wagen direkt von Audi gekommen ist. Das obligatorische Überprüfen der Fahrgestellnummer habe früher zudem noch nicht unbedingt zum Standardrepertoire gehört.

Die Audi AG wiederum teilt mit, „dass sich die Verkaufsgespräche zwischen dem Autohaus und dem Endkunden unserer Kenntnis entziehen“. Bischoff & Hamel sei 2005 lediglich Werkstattpartner gewesen. Nur als Gebrauchtwagen-Verkaufspartner hätte es einen obligatorischen Check mit 110 Prüfpunkten gegeben - inklusive Kontrolle der Fahrgestellnummer. Auf Fragen, wieso der Audi A4 noch existiert und ob er vom Index genommen werden kann, wird nicht eingegangen.

Dabei ist es genau das, worum es Nils Meyer hauptsächlich geht. „Wir brauchen das Auto und fahren deshalb weiterhin damit.“ Jemand soll die Betriebssicherheit des Kombis attestieren, damit er wieder problemlos repariert werden kann. Audi habe Meyer jedoch bereits mitgeteilt, ein Freischalten sei nicht möglich. VW-Autohaus-Geschäftsführer Altmann bietet inzwischen Unterstützung an: „Herr Meyer kann jederzeit zu uns kommen und sich an mich wenden. Wir werden ihm helfen.“

von Peer Hellerling

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