Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Spontanes Speisen in Weiß
Hannover Aus der Stadt Spontanes Speisen in Weiß
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 12.06.2017
Von Conrad von Meding
Charmantes Festessen - sogar der Pudel ist weiß: Diner en blanc am Opernplatz.
Charmantes Festessen - sogar der Pudel ist weiß: Diner en blanc am Opernplatz. Quelle: Conrad von Meding
Anzeige
Hannover

"Das Ambiente ist einfach toll, etwas Besonderes", sagt Bettina Schwarz aus der List, die zum sechsten Mal dabei ist. Im Maschpark war die muntere Gruppe schon, an der Wasserkunst des Landtags, jetzt wird zum zweiten Mal an der Georgstraße neben der Oper diniert. "Wir wiederholen den Ort, weil es heute das zehnte Mal ist - und weil es hier so nett war", sagt Organisator Thomas Mayer.

Ab 19 Uhr klingelt sein Telefon fast im Dauerton: Wer seine Nummer aus dem Internetblog hat, fragt nach dem Veranstaltungsort und muss sich dann sputen. Um 19.30 Uhr soll alles aufgebaut sein, dann wird gegessen. Einzige Bedingung für die Teilnahme: Kleidung, Tischdecke, Geschirr, alles muss weiß sein. Das Essen wird selbst mitgebracht - das Diner ist eine nichtkommerzielle Veranstaltung, niemand verdient daran. Etwa 200 Gäste sind diesmal gekommen, etwas weniger als 2016. Anfangs gab es einen kurzen Schauer, "das hat sicherlich einige abgehalten", bedauert Thomas Mayer.

Zum zehnten Mal hat Hannover sein Diner en blanc erlebt: Hunderte treffen sich zum Abendmahl, ganz in weiß. Die Idee kommt ursprünglich aus Paris und hat sich über Hannover in Deutschland verbreitet. Immer am zweiten Freitag im Juni steigt das Spontanereignis - an Orten, die bis zuletzt geheim sind.

Weil die Idee 1988 erstmals in Paris geboren wurde, ist das hannoversche Diner für die örtlichen Franzosen eine Art schöner Pflichttermin. "Diese Veranstaltung bringt nette Leute zusammen und zeigt, wie schön Hannovers Plätze sind", sagt Wahlhannoveranerin Laure Delain, die mit Freunden vom Verein Carrefour francais gekommen ist. An ihrem Tisch gibt es Taboulé-Salat, Quiche, süßes Gebäck, Käse und zur Feier des Tages Chamapgner.

Vor neun Jahren hat Carl-Werner Möller-Hof-zum-Berge vom hannoverschen Küchenmuseum die Veranstaltung durch Zufall am Straßenrand gesehen. Seitdem ist er Stammgast - diesmal hat er 40 Leute aus dem Kochclub des Küchenmuseums mitgebracht. Georg Körner, Vorsitzender des Staude-Hobbykochclubs, ist seit sieben Jahren dabei. Er hat kleine Metallstecker fertigen lassen, die eine Lilje zeigen, das heimliche Symbol der konspirativen Veranstaltung. Inzwischen gibt es kopien in Berlin, München und hamburg - dort allerdings auf gesperrten Straßen, also angemeldet, was nicht der Urspungsidee entspricht.

"Charlie" und "Glöckchen", zwei schwarzgekleidete, bunthaarige Emo-Mädchen aus der Opernplatz-Szene, kommen zu der weißen Tafel und staunen. "Kann man mitmachen?", fragen sie. Leider nur in weiß, ist die Antwort - aber ein nettes Gespräch ergibt sich trotzdem. Vielleicht wollen sie 2018 dabei sein, mal sehen. Plötzlich taucht berittene Polizei auf. Skeptische Blicke von hoch zu Ross: "Ist die Veranstaltung angemeldet?", fragt ein Beamter. Ist sie nicht, aber die Stadt toleriert sie, weil kein Müll hinterlassen wird. "Wenn das so passiert, dann ist ja alles in Ordnung", sagt ein Polizist, man reitet weiter. Und am Opernplatz wird weiter gegessen.

Ludwig Gerns aus Linden ist zum zweiten Mal dabei: "Weil es 2016 so schön war." Aber auch aus weiterer Entfernung kommen die Gäste. Ariane Ribbeck und Marten Mayer sind aus Berlin angereist. Da gibt es zwar neuerdings auch ein weißes Diner, "aber wir haben gehört, dass es in Hannover viel schöner ist", sagen sie. Aus Celle ist Susanne Weidemann mit Lachstarte, Hühnchensalat und Baguette angereist. "Wir haben in Celle versucht, ein Diner en blanc zu inszenieren - aber in Hannover sind die Leute weniger spröde", verrät sie.

Aus der Stadt 70. Geburtstag des Präsidenten der Jüdischen Gemeinden - Michael Fürst: „Es hat Spaß gemacht“
Simon Benne 09.06.2017
Michael Zgoll 10.06.2017