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Aus der Stadt Diskriminierung an Discotür bleibt ungesühnt
Hannover Aus der Stadt Diskriminierung an Discotür bleibt ungesühnt
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00:16 26.04.2015
Von Tobias Morchner
Quelle: dpa /Symbolfoto
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Hannover

Ein 33-jähriger Deutschtürke fühlt sich von einem Türsteher einer Steintor-Disco wegen seiner Herkunft diskriminiert. Sein Versuch, die Betreiber des Eve Klubs in der Reuterstraße auf Entschädigung zu verklagen, scheiterte aber. Die Gastronomen sollen den angestrebten Prozess ausgehebelt haben, indem sie kurzerhand eine andere Betreiberfirma für die Gaststätte im Handelsregister eintragen ließen, sodass der 33-Jährige keine Ansprüche gegen das neue Unternehmen mehr geltend machen konnte.

Die Geschäftsführerin des Büros zur Umsetzung von Gleichbehandlung, Vera Egenberger, vermutet hinter dem Verhalten der Discobetreiber Methode. „Ein derartiger Sachverhalt darf sich nicht ereignen und er darf erst recht nicht Schule machen“, sagt sie der HAZ. Martin Berkemeier, der Rechtsanwalt des Clubs, weist den Vorwurf entschieden zurück. „Kein Betreiber firmiert wegen so geringer Ansprüche kurzfristig um“, sagt der Jurist. 

Keine Einigung im Schlichtungsverfahren

Der 33-Jährige hatte versucht, am  13. Juli, dem Tag des Finales bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien, gegen Mitternacht gemeinsam mit einem Bekannten Zutritt in die angesagte Disco am Steintor zu erlangen. Der Türsteher soll ihnen dies mit dem Hinweis verweigert haben, es würden nur Stammgäste eingelassen. Auf Nachfrage, wie man denn diesen Status erreichen könne, soll er die Antwort erhalten haben, als Kurde oder Türke sei dies unmöglich.

Der Rechtsanwalt des Clubs hat große Zweifel an dieser Darstellung. „Der Türsteher selbst ist Grieche und der Eve Klub hat in Hannover gewiss keinen Ruf, ausschließlich Deutsche feiern zu lassen, ganz im Gegenteil“, sagt Berkemeier. Dennoch betraute der 33-Jährige das Büro zur Umsetzung von Gleichbehandlung, das sich um derartige Diskriminierungsfälle kümmert, mit seinem Fall. Anfang November kam es zu einem Schlichtungsverfahren, um den Streit beizulegen.

Trotz konstruktiver Gespräche konnten die beiden Parteien jedoch keine Einigung erzielen. Deshalb kündigte der 33-Jährige an, rechtliche Schritte gegen die Betreiber der Disco einleiten zu wollen.  Doch bevor es dazu kam, änderte der Eve Klub beim Handelsregister die Betreiberfirma. Führte während des Vorfalls im Sommer die Firma „Fu So GmbH“ die Geschäfte des Clubs, ist es jetzt das Unternehmen „So Fu GmbH HRB AG“.

Anwalt: „Reiner Zufall“

Die Ansprüche des 33-Jährigen an die bisherigen Betreiber erloschen mit der Umfirmierung.  Die Änderung im Handelsregister sei reiner Zufall gewesen und habe mit dem Vorfall nichts zu tun gehabt, sagt Rechtsanwalt Berkemeier. „Wenn wir das wirklich geplant hätten, dann hätten wir uns bestimmt nicht auf einen Schlichtungstermin eingelassen“, sagt der Jurist.

Jörn Kießler 26.04.2015
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