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Aus der Stadt Diskussionen über die Bombe, die keine war
Hannover Aus der Stadt Diskussionen über die Bombe, die keine war
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22:19 14.10.2009
Wer ist verantwortlich für den Fehlalarm? Quelle: Tim Schaarschmidt
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Als Oberbürgermeister Stephan Weil am Montag die Ratsstube betrat, um die Öffentlichkeit über die bevorstehende Bombenräumung in Hannovers Innenstadt zu informieren, hatte der Kampfmittelbeseitigungsdienst (KBD) bereits Zweifel, dass am Gutenberghof zwei Blindgänger im Boden stecken. Wenige Minuten bevor Karsten Wolff, Sprecher der für den KBD zuständigen Zentralen Polizeidirektion (ZPD), auf der Pressekonferenz sprechen sollte, klingelte sein Telefon. „Der Sprengmeister erklärte, dass zumindest an einem der Verdachtspunkte vermutlich keine Bombe liegt“, sagt Wolff.

So verkündete er es gegenüber der Presse – zum Erstaunen des Oberbürgermeisters und der Feuerwehr. 24 Stunden nachdem Weil die Räumung eines Teils der Innenstadt – 12.500 Anwohner sollten ihre Häuser am 1. November verlassen – bekannt gegeben hatte, lösten sich schließlich beide „Verdachtspunkte“ in Luft auf. Soll heißen: Es existieren keine Bomben, der Alarm war ein Fehlalarm, die Räumung überflüssig. Weil sprach von einer Peinlichkeit für alle Behörden.

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„Wenn es Zweifel gab, hätten wir warnende Worte von den Kampfmittelbeseitigern erwartet. Zumal, wenn der Oberbürgermeister die Öffentlichkeit persönlich informiert“, sagt Stadtsprecher Dieter Sagolla. Kritiker werfen Weil indes vor, bei der Verkündung der Bombenräumung aufs Tempo gedrückt zu haben. Auf Initiative Weils sei die Pressekonferenz um eine gute Woche vorverlegt worden, heißt es von verschiedenen Seiten. Nun ist es dem Oberbürgermeister „unerklärlich“ – so teilte er mit –, warum der KBD nicht schon am Montag Entwarnung geben konnte. „Bei der Kampfmittelräumung kann es immer zu Überraschungen kommen“, sagt ZPD-Sprecher Wolff.

Jeden Tag arbeiteten sich die Fachleute weiter an die „Verdachtspunkte“ heran, erhielten stetig genauere Messergebnisse. Auch das niedersächsische Innenministerium, das dem KBD vorsteht, wies Weils Vorwürfe gestern zurück. „Der KBD wäre gut beraten, sich den Schuh nicht anzuziehen“, sagt Sprecher Klaus Engemann. Gleichwohl sei der zeitliche Ablauf zwischen Warnung und Entwarnung „nicht besonders glücklich“ gewesen.

Dass es sich bei dem Fehlalarm nicht um einen Einzelfall handelt, zeigt ein Beispiel aus Langenhagen. Dort hatte der KBD Anfang des Monats vier Bomben vermutet. Für 300 000 Euro ließ die Stadt den Grundwasserspiegel absenken, um die Bomben freizulegen. Letztlich fand der KBD nur einen Blindgänger. Am Gutenberghof hätte die Stadt Hannover rund 125 000 Euro für die Freilegung der Bomben zahlen müssen. Die Aufträge konnten rechtzeitig zurückgezogen werden. Die Suche nach Blindgängern auf der Baustelle geht indes weiter. „Sie läuft, bis die Erdarbeiten für den Bau abgeschlossen sind“, sagt Wolff.

von Vivien-Marie Drews und Felix Harbart

Gunnar Menkens 14.10.2009
Christian Purbs 15.10.2009
Tobias Morchner 14.10.2009
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