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Aus der Stadt Der Südschnellweg wird zur Dauerbaustelle
Hannover Aus der Stadt Der Südschnellweg wird zur Dauerbaustelle
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20:29 16.02.2015
Von Andreas Schinkel
Die baufällige Schnellweg-Brücke über der Hildesheimer Straße führt zum Teil dicht an Wohnhäusern vorbei. Quelle: Michael Thomas
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Hannover

Hannovers Südschnellweg wird in den kommenden Jahren zur Dauerbaustelle - mit unabsehbaren Folgen für den Verkehr. Denn nicht nur die Schnellweg-Brücke über der Hildesheimer Straße muss abgerissen werden, auch beide benachbarte Brücken über die Leine und die Ricklinger Teiche sind marode. Das geht aus einem Bericht des niedersächsischen Verkehrsministeriums hervor, der der HAZ vorliegt. Ob die Hildesheimer Straße nach dem Abriss noch von einer Brücke überwölbt wird oder aus Gründen des Lärmschutzes eine Trogstrecke ähnlich wie an der Pferdeturmkreuzung gebaut werden muss, ist unklar. „Wir wissen nur: So wie jetzt wird es nicht bleiben“, sagt Ministeriumssprecher Stefan Wittke.

Die Hochstraße führt derzeit nur wenige Meter an Wohnhäusern vorbei. Neueste Lärmschutzrichtlinien würde ein ähnlich konstruierter Bau nicht erfüllen. Aber auch eine Fahrrinne unterhalb der Hildesheimer Straße ist schwierig zu bauen, denn das Grundwasser steht wegen der Nähe zur Ricklinger Masch sehr hoch. „Das gesamte Vorhaben wird teuer und schwierig“, sagt Wittke. Allein der Ersatzbau für die Brücke dürfte einen dreistelligen Millionenbetrag verschlingen.

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Schon jetzt ist die Brücke nur eingeschränkt tragfähig. Beide äußere Fahrspuren sind seit knapp zwei Jahren gesperrt. An fast jedem Morgen stockt der Verkehr; zu Stoßzeiten, etwa bei großen Messen, kommt es immer wieder zu Staus. 5 Millionen Euro gibt das Land in diesem Jahr aus, um die Brücke zu stabilisieren. Bis 2023 soll die Konstruktion dadurch stabil bleiben, dann ist der Abriss unvermeidlich. Die Stützmaßnahmen sollen bewirken, dass Schwerlasttransporter wieder über die Brücke fahren können und Lastwagen nicht mehr wie bisher einen Mindestabstand von 50 Metern einhalten müssen.

Nach Angaben des Verkehrsministeriums sind täglich 48 000 Fahrzeuge auf dem Südschnellweg unterwegs, davon passieren 33 000 die Brücke. „Vielleicht bauen wir bis 2023 ein Provisorium parallel zur Brücke“, sagt Ministeriumssprecher Wittke. Wie der Verkehr während der Bauphase umgeleitet wird, sei noch unklar. „Das hängt auch davon ab, was wir überhaupt bauen werden.“

Leistungsfähigkeit der Straße gefährdet?

Für Hannovers CDU-Chef Dirk Toepffer sind das zu viele Unwägbarkeiten. Er sieht die Leistungsfähigkeit der Straße gefährdet. „Die Frage ist doch, ob es in den nächsten Jahren noch einen Schnellweg gibt, der diesen Namen verdient“, sagt er. Seit vor zwei Jahren absehbar wurde, dass die Tage der Brücke gezählt sind, hätte die Landesregierung gezielt einen Neubau planen müssen, meint Toepffer. „Geschehen ist aber tatsächlich gar nichts. Stattdessen kommt nun die Ankündigung, dass man einen Ideenwettbewerb beginnen will.“

Wie berichtet, ruft das Land Bürger und Bauexperten auf, über eine Lösung für den Südschnellweg zu diskutieren. Der Ideenwettbewerb soll noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. Mit Bewertung und Auswahl der Vorschläge lässt man sich viel Zeit. Erst für 2021 ist die Ausführungsplanung angesetzt, 2023 soll der Bau von Brücke oder Trog beginnen. „Der Bau startet also dann, wenn die Hochstraße gewissermaßen in sich zusammenfällt“, stichelt CDU-Mann Toepffer. Die Planung verzichte offenbar auf jeglichen Sicherheitspuffer.

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