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Aus der Stadt Dreister Einbruch bei Juwelier in Hannover
Hannover Aus der Stadt Dreister Einbruch bei Juwelier in Hannover
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21:09 24.11.2010
Von Tobias Morchner
Ladenbesitzer Ismail Duyar begutachtet fassungslos das Loch in der Hauswand, durch das die Einbrecher in das benachbarte Juweliergeschäft gelangten. Quelle: Christian Elsner

Ein filmreifer Coup beschäftigt seit Mittwoch die Kriminalpolizei: Durch ein Loch, das sie in die Wand des Nachbargeschäftes geschlagen haben, sind Einbrecher in ein Juweliergeschäft am Steintor eingestiegen. Sie nahmen Goldschmuck im Wert von rund 200.000 Euro mit und entkamen mit ihrer Beute.

Als Ruzkullah Emektas, Geschäftsführer des Juweliers „Orient 1“, am Mittwoch gegen 9.30 Uhr seinen Laden aufschloss, entdeckte er das etwa einen Meter mal 70 Zentimeter große Loch in der Wand. Bis auf ein paar verbliebene Silberringe waren die begehbaren Vitrinen auf der linken Seite des Eingangsbereichs leer geräumt. „Sie haben alles mitgenommen, Ketten, Armreife und auch Kreuze aus Gold“, sagte der 39-Jährige.

In der Nacht zu Mittwoch haben sich unbekannte Täter von einem benachbarten Geschäft aus Zugang zu einem Juwelier am Steintorplatz verschafft, indem sie die steinerne Wand aufhebelten.

Die Einbrecher hatten sich in der Nacht Zutritt zu dem Hinterhof verschafft, der an den Juwelier grenzt. Doch weil die Hintertür des Goldhändlers vergittert ist, brachen sie kurzerhand die Tür des benachbarten Bekleidungsgeschäftes auf. An der Wand, die an den Juwelier grenzt, brachen sie zunächst die Holzverkleidung heraus. Anschließend schlugen sie ein Loch in die gemauerte, massive Hauswand. Die Täter müssen dabei einen Höllenlärm veranstaltet haben. Trotzdem gibt es keinerlei Zeugen, die verdächtige Geräusche gehört haben.

Möglicherweise hatten die Einbrecher den Zeitpunkt zum Zuschlagen ganz bewusst gewählt. Nur wenige Meter vom Tatort entfernt wird nämlich seit Kurzem die Filiale einer Imbisskette grundsaniert. „Die arbeiten Tag und Nacht und machen richtig viel Krach dabei“, sagt der Mitarbeiter eines Cafés auf dem Steintorplatz. Auch ansonsten müssen sich die Einbrecher gut ausgekannt haben. Denn das gesamte Juwelier-Geschäft ist durch Bewegungsmelder und Alarmanlagen geschützt – bis auf die Seitenwände. Möglicherweise ist der Laden in den Tagen vor dem Coup gründlich ausgekundschaftet worden. Der Betreiberin des Kiosks, der an das Bekleidungsgeschäft grenzt, war in jüngster Zeit ein älterer Mann aufgefallen, der sich verdächtig verhalten hatte. „Er war zwischen 65 und 70, war immer dunkel gekleidet und hat sich an drei verschiedenen Tagen hier ganz genau umgesehen“, sagte sie.

Der Einbruch vom Steintor erinnert an einen anderen spektakulären Fall aus dem vergangenen Jahr. Am 30. August drangen Unbekannte in das Mövenpick-Restaurant Grünschnabel am Kröpcke ein. Mit einem Vorschlaghammer durchbrachen sie von dort die Wand zu einem angrenzenden Juwelier und flüchteten mit Schmuck im Wert von rund 100.000 Euro. Bis heute ist der Fall nicht aufgeklärt. „Wir prüfen derzeit, ob es zwischen den beiden Taten Zusammenhänge gibt“, sagte Polizeisprecherin Anja Gläser. Bei der Aufklärung des jüngsten Falls setzen die Ermittler auf die kriminaltechnische Untersuchung der Aufbruchwerkzeuge, die die Einbrecher am Tatort zurück gelassen haben. Darunter ist auch ein Vorschlaghammer. Außerdem werten die Beamten derzeit die Bilder aus, die von Überwachungskameras am Steintor aufgenommen wurden.

Bislang sind allerdings noch viele Fragen offen. So kann die Kripo derzeit nicht sagen, ob sie es mit einem Einzeltäter oder mit einer Bande zu tun hat. Unklar ist auch, wie die Täter in den Hinterhof gelangt sind. Von der Kurt-Schumacher-Straße führt ein Tor auf den Platz, der tagsüber als Abstellfläche für die Autos der Geschäftsleute genutzt wird. Dort hat die Polizei jedoch keine Spuren eines gewaltsamen Aufbruchs entdeckt. Eine Frage ist, ob die Einbrecher vielleicht einen Schlüssel zu dem Zugang hatten.

Juwelier Emektas hat keinerlei Hoffnung, dass die Täter geschnappt werden. Am Mittwochvormittag hat er sofort eine Sicherheitsfirma bestellt. Sie rüstete die andere begehbare Vitrine auf der rechten Seite des Eingangsbereiches mit einer Alarmanlage aus. „Ich möchte nicht, dass morgen auf der anderen Seite ein Loch in die Wand geschlagen wird“, sagt der Geschäftsmann.

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