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Aus der Stadt Forschung an Hochschulen wird transparenter
Hannover Aus der Stadt Forschung an Hochschulen wird transparenter
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07:22 13.02.2015
Von Saskia Döhner
Gefährliche Forschung für einen guten Zweck: Wissenschaftler suchen nach Impfstoffen, wie hier gegen Ebola, in einem Hochsicherheitslabor des Landesgesundheitsamtes. Quelle: dpa (Symbolfoto)
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Hannover

Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic (Grüne) hat mit der Landeshochschulkonferenz Leitlinien für mehr Transparenz in der Forschung vereinbart. Einmal im Jahr sollen alle Hochschulen im Internet eine Liste veröffentlichen, auf der die forschende Organisationseinheit (Fakultät, Institut oder Seminar), Auftraggeber, Projekttitel, Fördersumme und Laufzeit vermerkt sind. Bis Ende März sollen alle Daten aus dem Jahr 2014 ins Netz gestellt werden. „Es soll offengelegt werden, wer worüber in welchem Auftrag forscht“, sagte die Ministerin am Donnerstag in Hannover.

Wissenschaftliche Ethik

Der Streit um Militärforschung an deutschen Universitäten hatte eine breite Debatte darüber ausgelöst. Wissenschaftliche Ethik sei immer im aktuellen gesellschaftlichen Kontext zu sehen, betont Heinen-Kljajic, und der könnte sich wandeln, wie man am Beispiel der Embryonenforschung sehe. Wissenschaftler müssten sich der möglichen Risiken ihrer Forschungsergebnisse bewusst sein. „Im Zweifel sollte man dann ein Resultat lieber nicht publizieren.“

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Ausnahmen sollen für bestimmte Vorhaben aus der Industrieforschung gelten, etwa wenn dadurch Konkurrenten Wind von den Plänen eines Mitbewerbers bekämen. Da müsste Vertraulichkeit gewährleistet sein. Dies betreffe aber nur einen kleinen Teil der Projekte, in der Regel Kooperationen mit kleineren mittelständischen Unternehmen und nicht mit Großkonzernen, sagt Christiane Dienel von der Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim-Holzminden-Göttingen. „Drittmittelprojekte sind gewünscht und sie sind notwendig“, unterstreicht Greif. Viele wissenschaftliche Nachwuchskräfte würden darüber finanziert. Er verweist darauf, dass der größte Auftraggeber bei den Drittmitteln die Europäische Union, das Bundesforschungsministerium oder die Deutsche Forschungsgemeinschaft seien, also staatliche oder halbstaatliche Institutionen. Entscheidend sei auch, wann man ein Forschungsergebnis veröffentliche. Wer an einem Impfstoff gegen Salmonellen forsche, werde den Titel des Projekts, nicht aber die bestimmte Abfolge des genetischen Codes nennen.

Neben der Veröffentlichung im Internet sehen die Leitlinien die Errichtung einer Senatskommission für Forschungsethik vor, in der alle Hochschulbeteiligten, also auch wissenschaftliche Mitarbeiter und Studierende vertreten sein sollen. Das Gremium soll Forscher beraten und auch Stellung zu grundsätzlichen Fragen nehmen.

Recht der Freiheit des Forschers

Absolute Transparenz an öffentlich geförderten Hochschulen sei wünschenswert, aber nicht zu erzwingen, betont die Ministerin. Das Recht der Freiheit des Forschers oder das Recht des privaten Auftraggebers auf Vertraulichkeit könne nicht so einfach ausgehebelt werden. Prof. Jürgen Hesselbach, Präsident der Technischen Universität Braunschweig, meint, grundsätzlich könne man mit fast allen Forschungsergebnissen Gutes wie Böses tun: „Automatisches Fahren kann für Autos oder für Panzer eingesetzt werden.“ Die Forschung an Atomwaffen, biologischen oder chemischen Waffen sowie Versuche an Menschen sind gesetzlich verboten. Hesselbach fordert, dass die einzelnen Hochschulen zudem festlegen, woran sie aus ethischen Gründen nicht forschen wollen. Der Hildesheimer Uni-Präsident und Vorsitzende der Landeshochschulkonferenz, Prof. Wolfgang-Uwe Friedrich, fordert einen breiten gesellschaftlichen Diskurs dazu.

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