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Aus der Stadt Drogenhilfe verteilt Gutscheine an Betroffene
Hannover Aus der Stadt Drogenhilfe verteilt Gutscheine an Betroffene
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08:42 29.04.2017
Von Bärbel Hilbig
Bei der Spendenübergabe bekommt Besucherin Axana (Mitte) einen Gutschein geschenkt. Quelle: Katrin Kutter
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Hannover

Die Gutscheine sind ganz klar ein Lockmittel. Wenn die drogenabhängige Axana eine der Wertmarken für 2,50 Euro geschenkt bekommt, kann sie im SOS-Bistro hinter dem Hauptbahnhof ein gutes Frühstück bekommen oder auch ein Mittagessen. „Wenn wir Bargeld in der Hand halten, geht es leider oft gleich für Drogen weg“, erzählt die 47-Jährige.

In dem Bistro der christlichen Drogenhilfe Neues Land ist der Konsum von Alkohol und anderen Suchtstoffen tabu, auch wenn die meisten Besucher abhängig sind. „Aber das soll nicht dominieren. Wir wollen, dass sie bei uns zur Ruhe kommen können“, sagt Reinhard Grammlich, Leiter des SOS-Bistro in der Steintorfeldstraße 4 a unweit der Hamburger Allee. Sozialarbeiter und Ehrenamtliche versuchen, über die Angebote in Kontakt zu Wohnungslosen, Drogenabhängigen und Alkoholkranken zu kommen. Der Verein bietet durch Therapieplätze im Solling und Wohngruppen in Ahlem Hilfe zum Ausstieg aus der Sucht.

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Die Idee mit den Gutscheinen hat Teilnehmern am Bundesfreiwilligendienst in der Medizinischen Hochschule Hannover so gut gefallen, dass sie jetzt in der MHH-Mensa Spenden gesammelt haben. Gut 970 Euro kamen zusammen, für die die jungen Leute rund 390 Gutscheine erworben haben. Freitag haben sie einen Teil direkt im SOS-Bistro abgegeben. Weitere Wertmarken brachten die Bufdis zu Asphalt, in den Kontaktladen Mecki und ins Café Connection, damit Sozialarbeiter die SOS-Gutscheine an Bedürftige weitergeben können. „Wir finden die Arbeit, die hier geleistet wird, sehr toll“, erklärte Bufdi Marc-Cedric Edoh.

Mit der Spendenübergabe wollten die MHH-Bufdis auch für das Gutscheinsystem werben. Statt Obdachlosen in der Fußgängerzone Bargeld zu geben, können Bürger die Wertmarken für 2,50 Euro in der Bahnhofsmission im Hauptbahnhof und im SOS-Bistro kaufen oder per Überweisung an Neues Land spenden. Bedürftige können mit den Gutscheinen Essen kaufen, die Duschen nutzen und ihre Wäsche waschen. Da das SOS-Bistro Speisen zum Selbstkostenpreis ausgibt, liegt der Gegenwert für einen Gutschein höher als üblich.

Neues Land betreibt das SOS-Bistro seit nunmehr 20 Jahren. Vormittags steht es Drogenabhängigen offen, ab mittags auch Obdachlosen, psychisch Kranken, Einsamen und Armen. Unter den Ehrenamtlichen gibt es einige, die selbst den Ausstieg aus der Sucht geschafft haben. Die 47-jährige Axana ist seit einiger Zeit fast täglicher Gast. Sie ist seit 24 Jahren abhängig von Kokain und Schmerzmitteln. „Aber es geht aufwärts.“ Sie schafft es inzwischen, auch vom eigenen Geld SOS-Gutscheine auf Vorrat zu kaufen.