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Aus der Stadt Drogenszene kannte Sonja M.
Hannover Aus der Stadt Drogenszene kannte Sonja M.
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21:23 26.07.2012
Foto: Trotz der Veröffentlichung des Fotos sind bisher keine Hinweise eingegangen, wo sich Sonja M. vor ihrem Tod aufgehalten hat.
Trotz der Veröffentlichung des Fotos sind bisher keine Hinweise eingegangen, wo sich Sonja M. vor ihrem Tod aufgehalten hat. Quelle: Christian Elsner
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Hannover

In der Drogenszene der Stadt dagegen ist der Fall der 28-Jährigen, die abhängig gewesen sein soll und deren Leiche vor einer Woche in einem Pappkarton in Linden-Nord gefunden wurde, Tagesgespräch. Auch bei der Essensausgabe am gelben Bauwagen des Vereins Neues Land unter der Raschplatzhochbrücke reden die Betroffenen über die junge Frau. „Ich habe sie mal im Café Connection am Bahnhof gesehen. Sie war in Begleitung eines Mannes“, erinnert sich einer.

Eine junge Frau aus Göttingen, die ihren Namen nicht nennen will, kann sogar konkrete Angaben zu Sonja M. machen. „Ich habe sie zuletzt vor zirka drei Monaten in Hainholz gesehen“, berichtet sie. Sonja M. habe mit ihrem Freund Michael in einer etwas heruntergekommenen Wohnung gelebt. Ihr Lebensgefährte habe mit Kokain gedealt. Der Gesundheitszustand von Sonja M. soll alles andere als gut gewesen sein. „Sie hat mir auch erzählt, dass sie Kinder hat“, erinnert sich die Zeugin.

Sonja M., die am Freitag tot in einem Pappkarton in Linden-Nord entdeckt wurde, starb an Tuberkulose. Die Polizei sucht nach Menschen, die mit ihr Kontakt hatten, um eine Ausbreitung der Krankheit zu verhindern.

Rund um den Pfarrlandplatz in Linden, der in unmittelbarer Nähe des Leichenfundorts liegt, geht dagegen das Rätselraten weiter. „Ich spreche alle meine Kunden auf das Plakat der Polizei an – keiner hat die Frau jemals gesehen“, sagt eine Kioskbetreiberin. Auch Ibrahim Dumlu, der in der Vereinsgaststätte des SV Damla Genç sitzt und einen Laptop repariert, ist sich unsicher. „Ich meine, die Frau ist mir hier schon über den Weg gelaufen, aber genau kann ich das nicht sagen.“

So bleiben auch eine Woche nach dem Fund der Toten die dringendsten Fragen unbeantwortet: Wer hat Sonja M. in der Salzmannstraße abgelegt? Wo ist die junge Frau verstorben? Warum war der Leichnam nur mit einem T-Shirt und Socken bekleidet? Von wem hat sich die 28-Jährige mit der gefährlichen Tuberkulose angesteckt?

Als zuständige Gesundheitsbehörde hatte die Region Hannover am Mittwoch Personen aus dem Umfeld von Sonja M. dazu aufgefordert, sich bei den Amtsärzten zu melden. Im Laufe des Donnerstags gingen beim Fachbereich Gesundheit zehn Anrufe ein. „Nach unseren Erkenntnissen war darunter niemand aus dem direkten Umfeld der Sonja M.“, sagt Regionssprecher Nils Meyer. Die Anrufer hätten sich nach der Berichterstattung in den Medien über das Krankheitsbild Tuberkulose informieren wollen.

Die Region Hannover hatte bereits am Montag von den Rechtsmedizinern der Medizinischen Hochschule erfahren, dass Sonja M. an Tuberkulose gestorben ist. Erst am Mittwoch folgte dann der Aufruf. „Diese Bekanntmachung war mit Rücksicht auf die polizeilichen Ermittlungen nicht früher möglich“, sagt Meyer. Er betonte, der Fachbereich Gesundheit der Region habe im Jahr 2011 60 Neuerkrankungen und drei Todesfälle in Folge von Tuberkulose registriert. „In diesen Fällen sind wir damit auch nicht sofort an die Öffentlichkeit gegangen. Und das ist auch nicht notwendig.“

Donnerstagabend waren Ermittler auf dem Straßenstrich an Mehl- und Herschelstraße unterwegs. M. soll zeitweise anschaffen gegangen sein, möglicherweise, um ihre Drogensucht zu finanzieren. Es ist nicht auszuschließen, dass sie dabei einen Freier mit TBC infiziert hat.

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