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Aus der Stadt Du kommst hier nicht rein!
Hannover Aus der Stadt Du kommst hier nicht rein!
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00:15 08.06.2013
Der AStA will Diskos brandmarken, die Ausländer an der Tür abweisen. Quelle: Fender
Hannover

Auf Flugblättern, die die Studenten am Raschplatz verteilen wollen, soll eine „schwarze Liste“ jene Diskotheken anprangern, die nach Ansicht des AStA Menschen mit Migrationshintergrund diskriminieren. „Das betrifft nach unserer Einschätzung jede zweite Disko am Raschplatz“, sagt Niklas Dierking, Sozialreferent des AStA. Am Dienstagabend stellte das Gremium sein Vorhaben bei einer Informations- und Diskussionsveranstaltung von AStA und der Antidiskriminierungsstelle der Stadt vor.

Bei den Diskobetreibern in der Innenstadt stößt der Plan des AStA auf Unverständnis. „Wenn das die Art und Weise des Dialoges ist, dann ist das befremdlich“, sagt Osho-Chef Nikolai Schreiber. Er habe leider zu spät von der Veranstaltung der Studierenden erfahren, sonst hätte sich jemand aus dem Team an der Diskussion beteiligt. Zudem verwies Schreiber auf die Gesetzeslage, nach der sich jeder Klubbetreiber sich seine Zielgruppe aussuchen könne. „Das heißt aber auch, dass ich Leute an der Tür abweisen kann und auch abweisen darf.“

Beispielhaft für viele Betroffene schilderte der 22-jährige Adrian bei der Diskussionsveranstaltung seine Erfahrungen. „Ich werde an Diskotheken oft abgewiesen und auch beleidigt“, erzählte er. Seine iranische Herkunft ist dem jungen Mann deutlich anzusehen. Dass er einen deutschen Pass hat und akzentfrei Deutsch spricht helfe ihm bei den Türstehern oft nicht weiter. Besonders unfreundlich sei er einmal an einem Klub am Steintor abgewiesen worden. „Der Türsteher sagte zu mir: Was bist du für ein Scheiß-Moslem, wenn du Alkohol trinkst?“, berichtete der konfessionslose Adrian. Nach diesem Vorfall sei er zur Polizei gegangen. „Dort hat man aber kein Interesse an meinem Anliegen gehabt.“

CDU-Ratsherr Maximilian Oppelt forderte Testbesuche in Diskotheken. Diese sollten ähnlich organisiert werden wie die Alkoholtestkäufe, die Polizei und Stadt zusammen mit Jugendlichen durchführen. Außerdem regte er an, dass die Betroffenen ihre Erlebnisse im Internet publik machen. „Man muss ganz konkret über soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter vorgehen“, sagte Oppelt.

„Die Polizei kennt oft den Gesetzesrahmen nicht ausreichend“, kritisierte Vera Egenberger vom Büro zur Umsetzung von Gleichbehandlung in Berlin. Diskriminierung an der Diskotür sei zwar ein zivilrechtliches Problem, aber es gebe auch ordnungsrechtliche Möglichkeiten, dagegen vorzugehen. „Der regelmäßige Verstoß gegen Gleichbehandlungsgebote“ könne durchaus nach Gaststättenrecht geahndet werden, sagte der städtische Antidiskriminierungsbeauftragte Günter Max Behrendt. Dazu müssten einem Disko-Betreiber allerdings mehrere Fälle nachgewiesen werden.

Von Christian Link 
und Tobias Morchner

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