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Aus der Stadt Äthiopier darf nicht in „Dax Bierbörse"
Hannover Aus der Stadt Äthiopier darf nicht in „Dax Bierbörse"
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00:15 25.12.2013
Am Freitag ließ das Personal der "Dax Bierblrse" einen Uni-Doktoranden aus Äthiopien abblitzen. Quelle: Insa Cathérine Hagemann
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Hannover

Am Freitag ließ das Personal des Klubs an der Hamburger Allee einen Uni-Doktoranden aus Äthiopien abblitzen, der mit den Kollegen die Weihnachtsfeier seines Institutes in der Disko ausklingen lassen wollte. Der 33-Jährige traf etwas später vor der „Dax Bierbörse“ ein als die anderen Mitarbeiter, weil er auf dem Weg dorthin noch kurz einmal zu Hause vorbeimusste. Nach Angaben der Türsteher soll er vor der Disko gepöbelt haben. Doch der Äthiopier widerspricht energisch: „Das ist eine unglaubliche Lüge“, sagt A., der seinen vollen Namen aus Sorge um seine Sicherheit nicht in der Zeitung lesen will. „Ich wurde wegen meiner Hautfarbe nicht reingelassen.“

Für den Ausschluss seien dem wissenschaftlichen Mitarbeiter der Uni keine Gründe genannt worden. „Sie sagten: ,Du darfst hier einfach nicht rein, wir müssen keinen Grund nennen‘“, berichtet der Äthiopier. Per Handy informierte er daraufhin die anderen Mitarbeiter des Instituts in der Disko. Seine Kollegin Nadja O. suchte daraufhin mit den Türstehern das Gespräch, konnte deren Meinung aber nicht ändern. „Die Türsteher haben uns mitgeteilt, dass unser Kollege gewalttätig gewesen ist“, berichtet sie. Das glaubt sie aber keinesfalls. „Er ist ein schüchterner, zurückhaltender Typ. Für ihn lege ich meine Hand ins Feuer“, sagt sie. Auch für sie ist klar: A. wurde wegen seiner Hautfarbe diskriminiert.

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Schließlich wurde sogar die Polizei gerufen, die mit allen Beteiligten sprach. Weil die Türsteher aber Hausrecht haben, rückten die Beamten schließlich ohne einzugreifen wieder ab. Daraufhin verließen die fast 20 Uni-Mitarbeiter geschlossen die Diskothek. „Wir waren alle extrem schockiert“, sagt O. Sie selbst sei nach der Diskussion ebenfalls nicht mehr hereingelassen worden. Man habe ihr ihre Garderobe nach draußen gebracht. „Dax“-Inhaber Ralf Beister ist sich sicher, dass die Türsteher keinen Fehler gemacht haben. „Bei uns darf jeder rein, solange er sich an der Tür vernünftig benimmt“, sagt er. Obwohl er den Einzelfall noch nicht kennt, ist er sich „zu 100 Prozent sicher“, dass sich der Diskogast falsch verhalten hat. Einen ausländerfeindlichen Hintergrund schließt er aus. „Das hat mit seiner Herkunft und Hautfarbe nichts zu tun. Wir schicken an jedem Abend auch hundert Deutsche weg“, sagt Beister.

Derartige Fälle kommen in Hannover immer wieder vor – längst nicht alle werden öffentlich. Im Sommer war der Betreiber des Klubs „Agostea“ wegen Verstoßes gegen das Diskriminierungsverbot verurteilt worden. Er musste 1000 Euro Schadensersatz an einen Studenten zahlen. In der jüngsten Ratssitzung hatte CDU-Politiker Maximilian Oppelt mit Blick auf den „Agostea“-Fall („ein Musterprozess“) vorgeschlagen, nach dem Vorbild der Alkoholtestkäufe Minderjähriger zu verfahren. Städtische Angestellte mit ausländischem Aussehen als Versuchskaninchen in Hannovers Disko-Szene – dieser Vorstoß traf sogar bei Ordnungsdezernent Marc Hansmann (SPD) auf Wohlwollen: „Die Stadt würde ein solches Vorhaben unterstützen“, erklärte er kürzlich. Mit Blick auf den aktuellen Fall von der „Dax Bierbörse“ legte Oppelt gestern nach: „Ich kann jedem Betroffenen nur dringend dazu raten, den Klageweg zu beschreiten.“

Von Christian Link

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